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Augenärzte: 50 Prozent mehr Patienten bis 2030

20.09.2007
Im Jahr 2030 werden Augenärzte 50 Prozent mehr Patienten behandeln müssen als heute: Die demographische Entwicklung lässt altersabhängige Augenerkrankungen unausweichlich steigen und diktiert den Forschungsbedarf in der Augenheilkunde.

Anlässlich ihres 105. Jahreskongresses, der vom 20.-23. September in Berlin stattfindet, feiert die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) ihren 150. Geburtstag. Die älteste medizinisch-wissenschaftlich Fachgesellschaft der Welt blickt bei ihrer Tagung indes vor allem nach vorn: Im Mittelpunkt stehen neue Strategien für die Zukunft.

Altersabhängige Augenerkrankungen nehmen in allen Industrienationen unausweichlich zu. Dazu gehören etwa degenerative Netzhauterkrankungen wie die Makuladegeneration, das Glaukom (Grüner Star) oder Linsentrübungen (Grauer Star). Bis zum Jahr 2030 wird Schätzungen zufolge fast eine Million Menschen an einem Glaukom leiden und bi jedem dritten Bürger wird im Alter eine Makuladegeneration die Sehkraft beeinträchtigen. Bis 2030 wird es in Deutschland auch ein Drittel mehr blinde Menschen und hochgradig Sehbehinderte geben als heute, konservativ geschätzt werden mindestens 200000 Menschen dann betroffen sein. "Wir brauchen darum vor allem innovative Strategien für die Prävention und Früherkennung und es gilt, die Palette der Therapieverfahren zu erweitern", erklärt DOG-Präsident Prof. Dr. Gernot I.W. Duncker, Direktor der Universitäts-Augenklinik Halle.

Darum richtet die DOG bei Ihrem Jubiläumskongress den Blick nicht nur in die Vergangenheit, sondern vor allem in die Zukunft: "150 Jahre DOG - 150 Jahre Wissenschaftsaustausch und Innovation in der Augenheilkunde" - so lautet das Motto des 105. Kongresses der Gesellschaft.

Hoher Forschungsbedarf.

Der Forschungsbedarf ist nicht nur angesichts der demographischen Entwicklung immens. Noch immer gibt es eine Vielzahl von Augenleiden, beispielsweise bestimmte erbliche Netzhauterkrankungen wie die Retinitis Pigmentosa, die Augenärzte zwar diagnostizieren aber nicht heilen können. Und erst seit kurzer Zeit stehen den Ophthalmologen Behandlungsverfahren etwa für die feuchte Makuladegeneration zur Verfügung, mit der sie die Erkrankung aufhalten und bessern können.

Trotz des hohen Bedarfs nimmt sich die Forschungsförderung im Bereich Augenheilkunde hierzulande indes eher bescheiden aus. Beispielsweise betrug das Budget der US-amerikanischen nationalen Gesundheitsinstitute (NIH) für das Jahr 2006 28,5 Milliarden Dollar. Auf das Budget des National Eye Institutes entfielen davon 665 Millionen Dollar (2,3 Prozent). Im Vergleich dazu gab die Deutsche Forschungsgemeinschaft im Jahr 2006 258 Millionen Euro für die Lebenswissenschaften aus, davon entfielen etwa 4,2 Millionen Euro (1,63 Prozent) auf klinische Forschung und Grundlagenforschung in der Ophthalmologie, einschließlich der Sonderforschungsbereiche.

Dennoch leistet die deutsche ophthalmologische Forschung im internationalen Vergleich beachtliches. Dies belegt eine Auswertung mit Hilfe der Datenbank des Science Citation Indexes. Im Zeitraum 2002 bis 2006 stammen 36,7 Prozent der Publikationen im Bereich "Ophthalmologie" aus den USA, was nicht überraschend ist. Deutschland folgt mit 10,5 Prozent auf Platz zwei, gefolgt von England (8,5 Prozent) und Japan (5,9 Prozent). Am häufigsten vertreten sind die Universitäten Heidelberg, gefolgt von Mainz, München und Erlangen. Wird nach anderen Begriffen, etwa "Auge" oder "Sehen" sortiert, führt die Universität München, gefolgt von Tübingen die Riege an.

Die führenden deutschen Augenkliniken sind auch in ein europäisches Netzwerk eingebunden, das "European Vision Institute". In diesem Zusammenschluss von Universitäts-Augenkliniken aus derzeit 14 Ländern stellt Deutschland mit acht Kliniken (Bonn, Freiburg, Hamburg, Leipzig, Mainz, Mannheim, München, Tübingen) die größte Gruppe. Das Netzwerk führt klinische Studien auf höchstem internationalen Niveau durch, um die Entwicklung neuer Medikamente und Techniken voranzubringen.

Krankes Auge im kranken Körper

Doch nicht nur international suchen die Ophthalmologen die Kooperation: Schon seit einiger Zeit zeichnet sich ab, dass es zwischen bestimmten Augenerkrankungen und anderen Leiden, etwa Herz-Kreislauf-Erkrankungen enge Verbindungen gibt. Es gibt beispielsweise Hinweise, dass bestimmte Risikofaktoren sowohl Herz- und Gefäße als auch die Augen schädigen. Unlängst postulierten britische Foscher sogar einen möglichen Zusammenhang zwischen der Alzheimer Krankheit und dem Glaukom. Darum bringen derzeit an der Mainzer Universität Augenärzte und Internisten gemeinsam eine große Präventionsstudie auf den Weg. Das ehrgeizige Projekt "PREVENT-it - Die Gutenberg Herz- und Augen-Studie? wird 16.300 Einwohner der Stadt Mainz und des Kreises Mainz-Bingen im Alter zwischen 35-74 Jahren einbeziehen. Die Probanden werden gründlich untersucht und bis zum Jahr 2016 nachbeobachtet. Die Augenärzte versprechen sich davon zunächst wichtige Erkenntnisse über die Häufigkeit verschiedener Augenleiden, da solche exakten Daten in Deutschland bislang nicht existieren. Der interdisziplinäre Ansatz soll zu einem besseren Verständnis gemeinsamer Risikofaktoren altersabhängiger Augenerkrankungen und kardiovaskulärer Krankheiten führen. Durch ihre Studie wollen die Ärzte eine zuverlässige Frühdiagnose etablieren und Strategien erproben, um das Fortschreiten der Erkrankungen zu bremsen. "Letztendlich ist unser Ziel, Gesundheit und Autonomie im Alter zu wahren", erklärt DOG-Vizepräsident Professor Norbert Pfeiffer, Direktor der Universitäts-Augenklinik Mainz.

Pressekontakt:
ProScience Communications GmbH Barbara Ritzert
während des Kongresses: Pressebüro im Raum 30212 · Fon: (030) 6831-30212
ritzert@proscience-com.de
danach:
Andechser Weg 17
82343 Pöcking Fon 0 8157 9397-0 ritzert@proscience-com.de
Die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) ist die medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft für Augenheilkunde in Deutschland. Ihr Ziel ist die Förderung der Ophthalmologie vor allem in den Bereichen Forschung und Wissenschaft. Zu diesem Zweck initiiert und unterstützt die Gesellschaft u.a. Forschungsvorhaben und wissenschaftliche Studien, veranstaltet Kongresse und Symposien, gibt wissenschaftliche Fachzeitschriften heraus und gewährt Stipendien vornehmlich für junge Forscher. Mit über 5300 Mitgliedern zählt sie zu den bedeutenden medizinischen Fachgesellschaften in Deutschland. Gegründet wurde die DOG 1857 in Heidelberg. Sie ist damit die älteste medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft der Welt.

Barbara Ritzert | idw
Weitere Informationen:
http://www.dog.org

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