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Herzinfarkt - Herz im Takt

11.12.2000


©ITWM Deutliche Störungen des Herzrhythmus’

(links) werden mit einer neuen Software erkannt. Rechts: normaler

Rhythmus. Gelb: morgens, orange: nachmittags, rot:

nachts.


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»Herzinfarkt »Herzrhythmus
Täglich sterben in Deutschland etwa zehn Menschen den plötzlichen Herztod. Besonders gefährdet sind Leistungssportler und Patienten, die bereits einen Infarkt erlitten haben. Eine neue Software analysiert
Rhythmusstörungen und verbessert die Abschätzung des Risikos.

Die Öffentlichkeit ist schockiert, wenn ein scheinbar völlig gesunder Leistungssportler tot zusammensackt. In Deutschland sterben täglich zehn Menschen den plötzlichen Herztod (PHT), der in den meisten Fällen auf Rhythmusstörungen des Herzens zurückzuführen ist. Daher sollten sich Leistungssportler und Patienten nach einem Herzinfarkt regelmäßig mit einem Belastungs-EKG untersuchen lassen. Es hilft zu klären, ob eine Behandlung mit anti-arhythmisch wirkenden Medikamenten notwendig ist oder ob sogar ein Defibrillator implantiert werden sollte. Ähnlich einem Herzschrittmacher greift dieses Gerät nur dann ein, wenn der Herzrhythmus in gefährlicher Weise aus dem Takt gerät.

Um das Risiko für den PHT abschätzen zu können, werden EKG-Daten im Computer analysiert. Zunächst werden die zeitlichen Abstände zwischen den aufeinander folgenden Herzschlägen bestimmt - rund 100 000 sind es täglich. Am Ende geben die Programme mindestens drei für Kardiologen wichtige Kenngrößen aus, die den Herzrhythmus beschreiben. Bisher ließen sich jedoch krankhafte Abweichungen im Rhythmus nicht verlässlich genug erkennen. Bessere Ergebnisse liefert eine neue Software, die Forscher vom Institut für Techno- und Wirtschaftsmathematik ITWM in Kaiserslautern entwickelt haben. Dr. Hagen Knaf erklärt die mathematischen Grundlagen: »Viele der heute benutzten Programme berücksichtigen nur, wie die Daten linear zusammenhängen. Wir hingegen verwenden Modelle der nichtlinearen Dynamik, die den eher chaotischen Herzrhythmus als offenes und komplexes System beschreiben. So werden wir zeitlichen Änderungen der Herzschläge und individuellen Besonderheiten der Patienten besser gerecht.«

Die Mathematiker des neuen Fraunhofer-Instituts ITWM entwickeln das neue Verfahren zur Risikoabschätzung gemeinsam mit dem Dienstleistungsunternehmen alphaCardio. Wie zuverlässig es Vorhersagen macht, wurde mit Medizinern des Klinikums Ludwigshafen überprüft. An einer älteren Studie mit den EKG-Daten von 600 Patienten, die bereits einen Herzinfarkt erlitten hatten, ließ sich das berechnete Risiko mit ihrem späteren Schicksal vergleichen. Die Ergebnisse sind vielversprechend, wie Dr. Knaf meint: »In deutlich mehr Fällen als mit vergleichbaren Verfahren konnte unsere Software das PHT-Risiko richtig einstufen.«

Ansprechpartner:
Dr. Hagen Knaf
Telefon: 06 31/2 05-44 74
Fax: 06 31/2 05-41 39 
knaf@itwm.uni-kl.de

Dr. Patrick Lang
Telefon: 06 31/2 05-28 33
lang@itwm.uni-kl.de

Weitere Informationen finden Sie im WWW:

Dr. Johannes Ehrlenspiel | idw

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