Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Fettstammzellen sollen den Knorpel reparieren

17.09.2007
Wissenschaftler der Orthopädischen Universitätsklinik Heidelberg entschlüsseln molekularen Mechanismus und finden Erfolg versprechenden Wachstumsfaktor

Auch Körperfett kann etwas Positives haben: Fettgewebe, das etwa beim Absaugen überflüssiger Pölsterchen entnommen wird, könnte in Zukunft zur Heilung von Knorpelschäden benutzt werden. Wissenschaftler der Orthopädischen Universitätsklinik Heidelberg haben verbesserte Möglichkeiten entdeckt, aus Fettgewebe Stammzellen zu isolieren und zugleich einen Wachstumsfaktor identifiziert, der die Umwandlung dieser Stammzellen in Knorpelzellen fördert. Die Ergebnisse wurden im "Journal of Cellular Physiology" veröffentlicht.

"Knorpelschäden heilen, anders als Knochenbrüche, nicht von selbst", erklärt Professor Dr. Wiltrud Richter, die an der Orthopädischen Universitätsklinik Heidelberg den Bereich Experimentelle Orthopädie leitet. Denn das Potential zur Selbstheilung ist beim Knorpel sehr begrenzt, da keine Blutgefäße, Nerven oder Lymphgefäße das Gewebe durchziehen. Viele schmerzhafte Gelenkveränderungen sind auf Knorpelschäden zurückzuführen und nur durch eine Regeneration des Gewebes zu heilen. Das Knorpelgewebe spielt eine wichtige Rolle beim Schutz der Gelenke. Es ist in begrenztem Umfang vorübergehend verformbar und kann als "Stoßdämpfer" Belastungen ausgleichen.

Bereits vor einigen Jahren haben Wissenschaftler festgestellt, dass nicht nur die vielseitigen Stammzellen im Knochenmark zu Knorpelzellen heranreifen können. Auch Stammzellen, gewonnen aus Fettgewebe, sind dazu in der Lage. Während sich Stammzellen aus Knochenmark von nahezu allen Patienten im Labor bereitwillig zu Knorpelzellen entwickeln, gelang dies mit Stammzellen aus Fettgewebe bisher nur für etwa zehn Prozent der Spender.

Die Heidelberger Wissenschaftler haben nun herausgefunden, dass viele Stammzellen aus Fettgewebe bestimmte Wachstumsfaktoren nicht von selbst produzieren, die für eine erfolgreiche Entwicklung zu Knorpelzellen notwendig sind.

Sie entdeckten, dass durch Zugabe solcher Wachstumsfaktoren in Zellkultur ihre Entwicklung zu Knorpelzellen gefördert werden kann, wobei die Fettstammzellen besonders gut auf den Wachstumsfaktor BMP6 ansprachen. Dadurch können nun, wie bei Stammzellen aus Knochenmark, für praktisch alle Spender erfolgreich Knorpelzellen aus Fettstammzellen hergestellt werden. Allerdings schlagen die Stammzellen aus Knochenmark wie Fettgewebe einen ähnlichen Weg ein wie Knorpel, der während der Embryonalentwicklung durch Knochen ersetzt wird.

"In unseren weiteren Forschungsarbeiten wollen wir erreichen, dass die Stammzellen so heranreifen, dass sie den Knorpel dauerhaft stabilisieren und kein Risiko besteht, dass sie nach einer gewissen Zeit durch Knochenzellen ersetzt werden", sagt Frau Professor Richter.

Ansprechpartner:

Frau Prof. Dr. Wiltrud Richter
Sektion Experimentelle Orthopädie
Orthopädische Universitätsklinik Heidelberg
Schlierbacher Landstraße 200a, 69118 Heidelberg
Tel. 0 62 21/96 92 54; Fax: 0 62 21/96 92 88
E-Mail: Ursula.Wey@ok.uni-heidelberg.de (Sekretariat)

Norbert Dörholt | idw
Weitere Informationen:
http://www.orthopaedie.uni-hd.de

Weitere Berichte zu: Fettgewebe Knorpel Knorpelzellen Stammzellen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Dimethylfumarat – eine neue Behandlungsoption für Lymphome
28.03.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

nachricht Die bestmögliche Behandlung bei Hirntumor-Erkrankungen
28.03.2017 | Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Von Agenten, Algorithmen und unbeliebten Wochentagen

28.03.2017 | Unternehmensmeldung

Hannover Messe: Elektrische Maschinen in neuen Dimensionen

28.03.2017 | HANNOVER MESSE

Dimethylfumarat – eine neue Behandlungsoption für Lymphome

28.03.2017 | Medizin Gesundheit