Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gesundheitsgefahr aus der Keksdose

13.09.2007
Ernährungswissenschaftler der Universität Jena spüren trans-Fettsäuren in Lebensmitteln auf

Das Gesundheitsamt der Stadt New York hat am 1. Juli dieses Jahres drastische Maßnahmen ergriffen: Ab sofort ist es in Kneipen und Restaurants verboten, Gerichte anzubieten, die mehr als ein halbes Gramm trans-Fettsäuren pro Portion enthalten. Diese stehen im Verdacht, die Entstehung koronarer Herzerkrankungen zu begünstigen. Doch in welchen Lebensmitteln sind diese gesundheitsschädlichen Substanzen überhaupt enthalten und in welcher Menge?

"Bisher kann die Aufnahme von trans-Fettsäuren in unserer Ernährung nur geschätzt werden, da exakte Daten über den Gehalt fehlen", macht Prof. Dr. Gerhard Jahreis von der Friedrich-Schiller-Universität Jena deutlich. Deshalb wurden am Lehrstuhl für Ernährungsphysiologie in den vergangenen zwei Jahren über 800 verschiedene Lebensmittel auf ihren Gehalt an trans-Fettsäuren untersucht. Erste Ergebnisse der Studie liegen jetzt vor.

Wie die Ergebnisse der Ernährungswissenschaftler von der Universität Jena zeigen, unterscheidet sich der Gehalt an trans-Fettsäuren in verschiedenen Lebensmittelgruppen erheblich. So weisen etwa Backmargarinen und daraus hergestellte Lebensmittel, wie Gebäck, Snacks und besonders Blätterteig, teilweise sehr hohe Gehalte der gesundheitsgefährdenden Substanzen auf. Bei Waffeln variiert der trans-Fettsäuren-Gehalt zwischen einem Tausendstel bis zu knapp der Hälfte der Gesamtfettsäuren im Produkt. Ähnlich verhält es sich bei Mikrowellen-Popcorn und Croutons. Handelsübliche Bechermargarinen seien hingegen arm an trans-Fettsäuren oder enthalten diese gar nicht. "Das ist ein Beleg dafür, dass die Margarine-Industrie reagiert hat", so Prof. Jahreis. Studien aus den 1980er Jahren hatten noch hohe Werte gerade bei den üblichen Margarinen ergeben.

... mehr zu:
»Fett »trans-Fettsäuren

Trans-Fettsäuren völlig aus der Ernährung zu verbannen, kann allerdings nicht gelingen. "Sie kommen natürlicherweise in Milch und Milchprodukten ebenso vor wie in Fleisch", weiß Prof. Jahreis. Vermeiden sollte man aber die besonders problematischen trans-Fettsäuren, die beim Härten pflanzlicher Öle entstehen. Die künstlich gehärteten Pflanzenöle wurden Anfang des 20. Jahrhunderts als Alternative zu tierischen Fetten entwickelt. Beim Härten werden unter hohen Temperaturen Öle zu streichfähigen Fetten umgewandelt, dabei ändert sich die chemische Struktur der Moleküle.

Auch wenn Prof. Jahreis die aktuellen Maßnahmen des New Yorker Gesundheitsamts als politischen Aktionismus einstuft, sei "eine Deklarationspflicht für trans-Fettsäuren auf jeden Fall wünschenswert, wie sie derzeit in der Europäischen Union diskutiert wird." Bereits jetzt würden viele Hersteller freiwillig die Verwendung von trans-Fettsäuren angeben. Formulierungen wie: das Produkt "enthält gehärtetes Fett" oder "pflanzliches Fett, zum Teil gehärtet", weisen auf trans-Fettsäuren hin. Der Ernährungsphysiologe Jahreis empfiehlt eine tägliche Aufnahme von weniger als einem Prozent der Gesamtfettaufnahme.

Kontakt:
Prof. Dr. Gerhard Jahreis
Institut für Ernährungswissenschaften der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Dornburger Str. 24, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 949610
E-Mail: b6jage[at]uni-jena.de

Dr. Ute Schönfelder | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

Weitere Berichte zu: Fett trans-Fettsäuren

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neue Methode der Eisenverabreichung
26.04.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

nachricht Bestrahlung bei Hirntumoren? Eine neue, verlässlichere Einteilung erleichtert die Entscheidung
26.04.2017 | Universitätsklinikum Heidelberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie