Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Entscheidung in der Notaufnahme: Knochenbrüche optimal versorgen

06.09.2007
Wittener Versorgungsforscher klären, mit welcher Methode Schwerverletzte mit Knochenbrüchen am Besten behandelt werden. Die Studie ist aktuell eines der höchstgeförderten Projekte der Deutschen Forschungsgesellschaft (DFG) im Bereich Unfallchirurgie.

Würden Sie derzeit schwerverletzt und mit Oberschenkelbruch in die Notaufnahme eines Krankenhauses eingeliefert werden, könnten Sie im Zweifel für reichlich Diskussionsstoff unter den behandelnden Ärzten sorgen. Soll der Bruch zunächst nur stabilisiert oder gleich endgültig versorgt werden? Die Forschungsgruppe um Prof. Dr. med. Dieter Rixen vom Lehrstuhl für Unfallchirurgie an der Universität Witten/Herdecke versucht herauszufinden, wann welche Strategie für das Überleben und die Lebensqualität des Patienten günstiger ist. Dabei geht es auch um die Effizienz in der Schwerverletztenversorgung, denn Röhrenknochenbrüche tauchen bei etwa 50 Prozent der mehrfach verletzten Patienten auf.

Bei einem Schaftbruch des Oberschenkels ohne weitere Verletzungen ist das Einsetzen eines so genannten Marknagels heute weltweit unumstrittener Standard. Dabei wird ein langer Nagel so in den Oberschenkel eingesetzt, dass die Bruchstelle durch den Nagel überbrückt und wieder zusammengeführt wird. "Mit einem einzigen Eingriff kann so die rasche Wiederherstellung der Funktions- und Belastungsfähigkeit des Beines garantiert werden", erklärt Professor Rixen. Bei Schwerverletzten hingegen wird in vielen Kliniken derzeit zunächst eine provisorische äußerliche Stabilisierung des Bruches vorgenommen. Dieses Verfahren wird Damage-Control genannt. Hierbei wird dem Patienten die zusätzliche Belastung einer schweren Knochenbruch-Operation mit Setzen eines Marknagels zunächst genommen. Die Überlebenschancen des Patienten sollen hierdurch verbessert werden.

"Die Frage ist nun, von welcher Strategie welcher Patient profitiert", sagt Rixen. Dazu gibt es unter den Unfallchirurgen in Deutschland und weltweit derzeit unterschiedliche Auffassungen. "Damage Control dient der initialen Schadensbegrenzung", erklärt Professor Rixen. Dies geschieht über einen so genannten 'Fixateur externe', der den Bruch äußerlich über spezielle Schrauben, die durch die Haut direkt mit dem Knochen verbunden sind, schient. Durch diese vorläufige, weniger belastende Fixierung, muss der Patient, sobald er sich erholt hat, jedoch noch einmal operiert werden. Bei diesem zweiten Eingriff wird der Bruch dann mit einem Marknagel versorgt. Dies birgt nicht nur zusätzliche Belastungen, sondern im Zweifel auch doppelte Kosten. "Nur weil es gerade 'en vogue' ist, bei jedem Patienten einen Fixateur zu verwenden, muss dies nicht das bessere Verfahren sein", sagt Rixen. Im Zweifel könnte einigen schwerverletzten Patienten eine zweite Operation erspart bleiben. "Wir möchten mit der Studie einen Beitrag leisten, wann Damage Control wirklich nötig ist und wann nicht", so Rixen.

... mehr zu:
»Knochenbrüche »Notaufnahme

An der Studie beteiligen sich zurzeit etwa 30 Traumazentren bundesweit. Aktuell konnten die ersten Patienten in die Studie eingeschlossen werden. Innerhalb der nächsten zwei Jahre sollen insgesamt 140 Schwerverletzte die Studie durchlaufen. Untersuchungen wie diese sind beispielhaft für den neuen Schwerpunkt Versorgungsforschung an der Universität Witten/Herdecke. Die Optimierung gängiger Behandlungsmethoden, kann nicht nur zu deutlich verbesserten Therapieerfolgen führen, sondern auch Kosten im Gesundheitswesen sparen.

Weitere Informationen: Prof. Dr. med. Dieter Rixen,
Tel.: 0221 89073276; E-Mail: rixend@kliniken-koeln.de
Internet: http://www.damage-control-study.de/
Forschungsoffensive 2007
Mit der Forschungsoffensive bieten wir einen konzentrierten Einblick in die Vielfalt der Forschungsthemen, die derzeit an der Universität Witten/Herdecke bearbeitet werden. Dabei berichten wir nicht nur über laufende Projekte aus den Bereichen Medizin, Biologie und Wirtschaftswissenschaften. Neben interessanten Zwischenergebnissen stehen auch Forschungsarbeiten im Mittelpunkt, die bereits kurz vor ihrer Publikation stehen.

Bernd Frye | idw
Weitere Informationen:
http://www.damage-control-study.de/

Weitere Berichte zu: Knochenbrüche Notaufnahme

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neue Methode der Eisenverabreichung
26.04.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

nachricht Bestrahlung bei Hirntumoren? Eine neue, verlässlichere Einteilung erleichtert die Entscheidung
26.04.2017 | Universitätsklinikum Heidelberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

Jenaer Akustik-Tag: Belastende Geräusche minimieren - für den Schutz des Gehörs

27.04.2017 | Veranstaltungen

Ballungsräume Europas

26.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

VLC 200 GT von EMAG: Neue passgenaue Dreh-Schleif-Lösung für die Bearbeitung von Pkw-Getrieberädern

27.04.2017 | Maschinenbau

Induktive Lötprozesse von eldec: Schneller, präziser und sparsamer verlöten

27.04.2017 | Maschinenbau

Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

27.04.2017 | Informationstechnologie