Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Wirkstoffkombination zur Behandlung von Lungenkrebs

31.08.2007
Klinische Studie (Phase II) mit Kinase-Hemmstoff und Zytostatikum

Die Entwicklung von Kinase-Hemmstoffen leitet eine neue Ära der der Krebsmedizin ein. Grundlage ist die Kenntnis der molekularen Struktur spezifischer Kinasen innerhalb einer großen Familie von zellulären Signalmolekülen.

In den meisten menschlichen Krebstypen wurden Fehlfunktionen solcher Kinasen entdeckt, die eine wesentliche Rolle für Krebswachstum und Metastasierung spielen. Inzwischen wurden die ersten Medikamente zugelassen, die Proteinkinasen hemmen. Davon profitieren auch Patienten, die an fortgeschrittenem nicht-kleinzelligem Bronchialkarzinom (NSCLC) leiden. Der Wirkstoff Erlotinib blockiert einen wichtigen Signalweg, den Epidermal-Growth-Factor Receptor (EGF-R).

Im Rahmen einer klinischen Studie (Phase II) wird jetzt an acht Zentren in Deutschland und Österreich sowie an weiteren Zentren in Spanien, geprüft, ob die Kombination aus dem Zytostatikum Pemetrexed und dem KinaseHemmstoff Erlotinib Vorteile bietet gegenüber Pemetrexed allein. "Beide Medikamente greifen an genau definierten Zielstrukturen in komplexe Signalwege der Zellteilung ein und können dadurch das Wachstum von Lungentumoren hemmen", erklärt der Prüfarzt Privatdozent Dr. med. Klaus Mross, Geschäftsführender Oberarzt an der Klinik für Tumorbiologie in Freiburg.

Die Standardbehandlung von fortgeschrittenen/metastasierten Lungenkrebspatienten besteht in der Regel aus einer Chemotherapie. Diese vermag zwar bei einem Teil der Patienten den Krankheitsverlauf in einem gewissen Ausmaß verzögern, der Therapieerfolg ist jedoch noch nicht immer zufriedenstellend. In der Regel beginnt die Behandlung mit Kombinationstherapien aus zwei Chemotherapeutika. Wenn diese das Tumorwachstum nicht aufhalten können, schließen sich Therapieversuche mit weiteren Medikamenten als Monotherapie an. Der Kinase-Hemmer Erlotinib greift ganz gezielt in die Signalwege ein, die das Zellwachstum steuern, das Zytostatikum Pemetrexed greift ebenfalls in genau definierte Stoffwechselwege ein, die insbesondere bei Tumorwachstum eine Rolle spielen.

150 Patienten mit Lungenkrebs werden im Rahmen einer randomisierten Phase II Studie behandelt werden. "Die dabei erfolgten Beobachtungen werden es erlauben, zu entscheiden, ob weitere klinische Studien sinnvoll sind, um diese Kombinationsbehandlung bis zu einer Zulassung zu entwickeln. Voraussetzung ist, dass die Patienten Vorteile davon haben und die Erkrankung nicht weiter fortschreitet", so Mross.

Stichwort: CESAR
Die Studie wird an mehreren Behandlungszentren im Rahmen des europäischen Netzwerks CESAR (Central European Anticancer Drug Research) durchgeführt (siehe unter www.cesar.or.at). Die Klinik für Tumorbiologie ist eines dieser CESAR Zentren.
Stichwort: Kinase-Hemmstoffe
Derzeit sind mehr als 500 Kinasen bekannt. Kinasen leiten Zellsignale weiter und beeinflussen zahlreiche biologische Prozesse im Körper. Eine Reihe von Kinasen steht im Verdacht, bei Krebs, Entzündungsprozessen oder kardiovaskulären Erkrankungen eine zentrale Rolle zu spielen. Die Kinasen bilden ein komplexes Netzwerk, das bei diesen Erkrankungen gestört ist. Durch Medikamente, die einzelne Kinasen hemmen, kann inzwischen das Tumorwachstum therapeutisch beeinflusst werden. Der Durchbruch für diese neue Generation von Medikamenten gelang mit einem Wirkstoff, der 2001 gegen Chronisch Myeloische Leukämie und 2002 gegen Gastrointestinale Stromatumore zugelassen wurde (Proteinkinase-Inhibitor: Imatinib). Inzwischen sind bereits zwei weitere Kinase-Inhibitoren für die Behandlung von Krebserkrankungen (Nierenzellkrebs) zugelassen worden (Sunnitinib und Sorafenib). Zwischen 50 und 100 Kinase-Inhibitoren befinden sich in klinischer Entwicklung. Das heißt sie sind derzeit nur im Rahmen von klinischen Studien verfügbar.
Kontakt:
Barbara Riess M.A.
Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit
Klinik für Tumorbiologie
Breisacher Str. 117
79106 Freiburg
Tel.: 0761 206 1109
Fax: 0761 206 1107
riess@tumorbio.uni-freiburg.de
www.tumorbio.uni-freiburg.de
weitere Informationen:
Tel.: 0761 206 1220
Fax: 0761 206 1814
pdir@tumorbio.uni-freiburg.de

Barbara Riess | idw
Weitere Informationen:
http://www.cesar.or.at
http://www.tumorbio.uni-freiburg.de

Weitere Berichte zu: Kinase-Hemmstoffe Lungenkrebs Tumorwachstum

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Computermodell weist den Weg zu effektiven Kombinationstherapien bei Darmkrebs
13.12.2017 | Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg

nachricht Gefäßregeneration: Wie sich Wunden schließen
12.12.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Im Focus: Electromagnetic water cloak eliminates drag and wake

Detailed calculations show water cloaks are feasible with today's technology

Researchers have developed a water cloaking concept based on electromagnetic forces that could eliminate an object's wake, greatly reducing its drag while...

Im Focus: Neue Einblicke in die Materie: Hochdruckforschung in Kombination mit NMR-Spektroskopie

Forschern der Universität Bayreuth und des Karlsruhe Institute of Technology (KIT) ist es erstmals gelungen, die magnetische Kernresonanzspektroskopie (NMR) in Experimenten anzuwenden, bei denen Materialproben unter sehr hohen Drücken – ähnlich denen im unteren Erdmantel – analysiert werden. Das in der Zeitschrift Science Advances vorgestellte Verfahren verspricht neue Erkenntnisse über Elementarteilchen, die sich unter hohen Drücken oft anders verhalten als unter Normalbedingungen. Es wird voraussichtlich technologische Innovationen fördern, aber auch neue Einblicke in das Erdinnere und die Erdgeschichte, insbesondere die Bedingungen für die Entstehung von Leben, ermöglichen.

Diamanten setzen Materie unter Hochdruck

Im Focus: Scientists channel graphene to understand filtration and ion transport into cells

Tiny pores at a cell's entryway act as miniature bouncers, letting in some electrically charged atoms--ions--but blocking others. Operating as exquisitely sensitive filters, these "ion channels" play a critical role in biological functions such as muscle contraction and the firing of brain cells.

To rapidly transport the right ions through the cell membrane, the tiny channels rely on a complex interplay between the ions and surrounding molecules,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Materialinnovationen 2018 – Werkstoff- und Materialforschungskonferenz des BMBF

13.12.2017 | Veranstaltungen

Innovativer Wasserbau im 21. Jahrhundert

13.12.2017 | Veranstaltungen

Innovative Strategien zur Bekämpfung von parasitären Würmern

08.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rest-Spannung trotz Megabeben

13.12.2017 | Geowissenschaften

Computermodell weist den Weg zu effektiven Kombinationstherapien bei Darmkrebs

13.12.2017 | Medizin Gesundheit

Winzige Weltenbummler: In Arktis und Antarktis leben die gleichen Bakterien

13.12.2017 | Geowissenschaften