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Impfstoff-Entwicklung gegen Epstein-Barr-Virus

15.08.2007
Impfung soll vor allem Risikopatienten vor Krebs schützen

Das Epstein-Barr-Virus ist eines der wenigen bekannten Viren, die Krebs auslösen können. Insbesondere bei Menschen mit einem geschwächten Immunsystem kann das Virus an der Entstehung von Lymphknotenkrebs beteiligt sein. Bis heute existiert kein Impfstoff gegen das Epstein-Barr-Virus. Die Deutsche Krebshilfe fördert jetzt ein Forschungsprojekt am GSF-Forschungszentrum und am Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität in München mit dem Ziel, eine Impfstrategie zu entwickeln. Die gemeinnützige Organisation finanziert das Projekt mit über 250.000 Euro.

"Infektionen mit dem Epstein-Barr-Virus kommen weltweit relativ häufig vor. Gemessen an der großen Zahl der EBV-infizierten Menschen sind dadurch bedingte Tumoren jedoch sehr selten", erklärt Privatdozent Dr. Reinhard Zeidler, Projektleiter am Universitätsklinikum Großhadern, Arbeitsgruppe Tumorimmunologie. "Bei uns stellt das Virus vor allem für Menschen, deren Immunsystem nicht intakt oder dauerhaft geschwächt ist, ein besonderes Krebsrisiko dar." Dazu zählen beispielsweise AIDS-Patienten oder Menschen nach einer Organ-Transplantation, bei denen das Immunsystem unterdrückt werden muss, um Abstoßungsreaktionen zu verhindern. Ein sicherer und effizienter Impfstoff gegen EBV wäre für diese Patienten von großem Nutzen.

"Die Komplexität und die biologischen Eigenheiten des Virus haben die Entwicklung eines Impfstoffs jedoch bislang verhindert", erklärt Zeidler. Zusammen mit Professor Dr. Wolfgang Hammerschmidt, GSF-Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit, arbeitet der Münchener Wissenschaftler jetzt an einer neuen Impfstrategie gegen das Epstein-Barr-Virus. Das Virus infiziert vor allem die Schleimhäute von Nase, Mund und Rachen sowie die B-Lymphozyten, eine Untergruppe der weißen Blutkör-perchen. Die infizierten Zellen können dabei durch verschiedene Mechanismen entarten: Das Virus verhindert den programmierten Zelltod und setzt zudem zelleigene Eiweiße außer Kraft, die ein kontrolliertes Zellwachstum überwachen.

Im Mittelpunkt der neuen Impfmethode stehen so genannte Exosomen: kleine, kugelige Gebilde, die von verschiedenen Zellarten im Körper freigesetzt werden und an der körpereigenen Immunreaktion beteiligt sind. Diesen Zusammenhang machen sich die Forscher zu Nutze: "Wir haben Exosomen gentechnologisch hergestellt, die Proteine des Virus enthalten. Werden diese von bestimmten Zellen des Abwehrsystems aufgenommen, sollen sie EBV-spezifische Immunreaktionen im Körper hervorrufen", erklärt Zeidler.

Die ersten Versuche seien sehr viel versprechend: Bei infizierten Mäusen haben die Wissenschaftler bereits eine verstärkte Immunantwort gegen das Epstein-Barr-Virus ausgelöst. Nun wollen sie prüfen, inwiefern eine Impfung mit diesen Exosomen vor einer Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus und somit vor einer möglichen Tumorentstehung schützt. "Die gentechnisch produzierten Exosomen könnten sich als sicherer, wirksamer und kontrolliert herstellbarer Impfstoff gegen EBV erweisen", so Zeidler.

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Infokasten: Epstein-Barr-Virus
Das Epstein-Barr-Virus (EBV) gehört zu den Herpesviren. Die bekannteren Vertreter dieser Gruppe verursachen beispielsweise Lippenherpes, Windpocken oder Gürtelrose. Die meisten Herpesviren haben mit der Krebsentstehung nichts zu tun. Das Epstein-Barr-Virus hingegen kann zu Lymphknotenkrebs (Lymphome), Tumoren des Nasen-Rachenraums oder Magenkrebs führen. Dies gilt insbesondere für Menschen, deren Immunsystem nicht intakt ist. Krebserkrankungen aufgrund einer EBV-Infektion im Nasen- und Rachenraum treten fast ausschließlich in Ostasien auf. Das Burkitt-Lymphom, eine besondere Lymphomart, kommt vorwiegend in Zentral- und Ostafrika vor.
Projekt-Nr.: 107793

Dr. med. Eva M. Kalbheim | idw
Weitere Informationen:
http://www.krebshilfe.de

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