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Richtige Diagnose von Teilleistungsstörungen ist wichtig

19.07.2000


Bei vier bis neun Prozent aller Kinder mit sonst normaler Intelligenz lässt sich eine Lese-Rechtschreibschwäche feststellen, vor allem bei Diktaten und beim Lesen. Die richtige Diagnose dieser Teilleistungsstörung könne Eltern vor dem Vorwurf bewahren, ihr Kind nicht genügend gefördert zu haben. Darauf wies der Würzburger Humangenetiker Prof. Dr. Tiemo Grimm im Rahmen der Tagung "Forschung in der klinischen Sozialpädiatrie" hin.

Die Diagnose einer Lese-Rechtschreibschwäche verpflichte heutzutage die Schulen, so Grimm weiter, die Voraussetzung für eine gerechte Benotung der Kinder zu schaffen. Dies dürfe aber keinesfalls dazu führen, dass gezielte Therapiemaßnahmen wie Ergotherapie oder Logopädie zurückgefahren werden.

Prof. Grimm, Leiter der Abteilung für Medizinische Genetik im Institut für Humangenetik der Universität Würzburg, hielt bei der Tagung das Hauptreferat: Er stellte den aktuellen Wissensstand zur Rolle der Molekulargenetik bei Teilleistungsstörungen vor.

Die Tagung fand am 24. Juni 2000 im Hörsaal der Kinderklinik der Universität Würzburg statt. In seiner Eröffnungsansprache vor rund 80 Teilnehmern, überwiegend Mitarbeiter Sozialpädiatrischer Zentren, wies der Organisator Prof. Dr. Hans-Michael Straßburg auf Probleme und Chancen der sozialpädiatrischen Forschungsaktivitäten in Deutschland hin. Hierbei geht es vor allem um die interdisziplinäre Behandlung von Kindern mit schwerwiegenden Entwicklungsauffälligkeiten.

In weiteren Vorträgen kamen die Zusammenhänge zwischen Teilleistungs- und Aufmerksamkeitsstörungen mit Veränderungen der elektrischen Hirnströme (EEG) zur Sprache, wobei vor allem die oft nur im Schlaf nachweisbaren Spitzenentladungen eine wichtige Rolle spielen können. Mehrere Referate beschäftigten sich mit den Möglichkeiten der objektiven Bewertung von Therapiemaßnahmen in Sozialpädiatrischen Zentren, zum Beispiel der Physiotherapie bei Kindern mit Gehirnlähmung (Zerebralparese) sowie der logopädischen und ergotherapeutischen Behandlung bei Sprachentwicklungsstörungen. Schließlich befassten sich mehrere Gruppen mit Maßnahmen zur Qualitätssicherung sowie mit der Langzeitprognose von Risikogruppen, zum Beispiel von Frühgeborenen mit einem Geburtsgewicht unter 1.000 Gramm.

Abschließend wurde vereinbart, dass zwischen den mittlerweile über 100 Sozialpädiatrischen Zentren in Deutschland eine verstärkte Zusammenarbeit stattfinden sollte, um die Befunde gemeinsam analysieren und besser vergleichen zu können.

Weitere Informationen: Sekretariat des Frühdiagnosezentrums Würzburg, T (0931) 201-3709, Fax (0931) 201-5858.

Robert Emmerich |

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