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Stechend, bohrend oder pochend – Kindlicher Kopfschmerz: Welcher ist gefährlich?

08.08.2007
Die neunjährige Elisa sitzt mit ihrer Mutter im Wartebereich des Sozialpädiatrischen Zentrums (SPZ) am Elisabeth-Krankenhaus in Essen. Sie ist ein wenig aufgeregt, weil sie nicht weiß, was sie bei der bevorstehenden Untersuchung erwartet.

Auch die Mutter ist nervös, zeigt es aber nicht, um ihre Tochter nicht noch mehr zu beunruhigen. In ein paar Minuten wird das Mädchen dem Arzt erzählen, warum sie gekommen ist: Elisa hat schon seit Monaten immer wieder starke Kopfschmerzen.

In der kinderneurologischen Sprechstunde des SPZ werden fast täglich Kinder mit Kopfschmerzen vorgestellt. Das ist nicht verwunderlich, denn eine Studie mit fast 7.000 Schülern hat gezeigt, dass etwa 90 Prozent der Kinder in Deutschland bis zum zwölften Lebensjahr bereits Kopfschmerzerfahrungen haben. Im Vorschulalter sind es 20 Prozent, die gelegentlich über diese Schmerzen klagen, am Ende der Grundschulzeit dann bereits mehr als 50 Prozent. „Hinter dem Symptom Kopfschmerz können sich viele verschiedene Krankheiten verbergen“, weiß Dr. Claudio Finetti, Oberarzt im SPZ am Elisabeth-Krankenhaus. „Für uns ist es wichtig herauszubekommen, ob es sich bei den Schmerzen um so genannte primäre Kopfschmerzen handelt oder ob es sekundäre Schmerzen sind.“

Primär oder sekundär?

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Migräne oder Spannungskopfschmerzen sind Beispiele für primäre Kopfschmerzprobleme, die auch schon im Kindesalter auftreten können. „Die Diagnose eines primären Kopfschmerzes ist immer eine Ausschlussdiagnose, da keine Ursache durch gängige apparative oder klinische Untersuchungen für die Schmerzen gefunden werden kann. Dieser Kopfschmerztyp stellt keine unmittelbare Bedrohung für den Patienten dar“, erklärt Dr. Finetti. „Anders verhält es sich beim sekundären Kopfschmerz, der etwa in zehn Prozent der Fälle vorliegt. Er ist immer Ausdruck einer morphologisch oder biochemisch nachweisbaren Erkrankung innerhalb oder außerhalb des Zentralen Nervensystems. Eine rasche Abklärung der Ursachen ist hier entscheidend, denn manchmal kann sich der sekundäre Kopfschmerz sogar zu einer Notfallsituation entwickeln.“

Durch gezielte Fragen und eine eingehende Untersuchung kann diagnostiziert werden, um welchen Kopfschmerztyp es sich handelt. Dabei ist der Charakter des Schmerzes wichtig. Ist er bohrend, stechend oder pochend? Auch die Häufigkeit und Länge der Schmerzattacken lassen Rückschlüsse auf die Ursache zu. Weitere Fragen betreffen die Lokalisation, Intensität und mögliche Auslöser der Schmerzen. Zusätzlich wird nach lindernden Faktoren oder Medikamenten gefragt, sowie nach Begleitsymptomen wie Übelkeit, Erbrechen, Schwindel, Gewichtsabnahme. Neben der Befragung und der körperlichen Untersuchung können eventuell auch apparative Checks notwendig sein – beispielsweise die Messung der Hirnströme mittels Elektroenzephalographie oder eine röntgenstrahlenfreie Schichtaufnahme des Gehirns im Magnetresonanztomographen.

„Wichtig bei der Abklärung der Kopfschmerzen ist es zu wissen, welche Strukturen am und im Kopf überhaupt in der Lage sind, Schmerzen zu erzeugen. Das Gehirn selbst hat interessanterweise nämlich gar keine Schmerzfasern und –rezeptoren. Es ist also gar nicht in der Lage, einen Schmerzreiz auszulösen. Einige Hirntumore fallen daher gar nicht durch Kopfschmerzen auf“, so Dr. Finetti. „Aber woher kommt dann der Kopfschmerz? Die großen Gefäße im Gehirn – sowohl die Arterien als auch die Venen – sind beispielsweise in der Lage, Schmerzreize zu entwickeln. Außerdem können die Hirnhäute, die Hirnnerven und Nervenwurzeln, aber auch die Muskeln am Kopf für Kopfschmerzen verantwortlich sein.“

Rote Flaggen

Wann sollte der Arzt bei einem Kind mit Kopfschmerzen an den gefährlichen, sekundären Typ denken und weitere Maßnahmen veranlassen? „Warnhinweise, so genannte ‚rote Flaggen’, sind für uns immer die neben den Schmerzen auftretenden zusätzlichen Symptome“, erläutert der Experte aus Essen. „Fieber mit Nackensteifigkeit kann in Kombination mit starken Kopfschmerzen beispielsweise ein Hinweis auf eine Hirnhautentzündung sein. Zeichen eines gesteigerten Hirndrucks und neurologische Herdzeichen sowie Bluthochdruck sind auch bei Kindern Symptome eines möglichen Schlaganfalls oder einer akuten Blutung. Ein Hirntumor kann sich mit Kopfschmerzen in Verbindung mit epileptischen Anfällen, Gangunsicherheit oder Gewichtsverlust darstellen. Insbesondere bei Tumoren des Kleinhirns und der Mittellinie treten im Krankheitsverlauf früh neben Schmerzen auch Erbrechen, Nackensteife oder Wesensveränderungen auf. Weitere Warnsignale sind akuter, heftigster, bisher nicht gekannter Kopfschmerz, aber auch eine Änderung der Schmerzsymptomatik oder über Monate zunehmender, therapieresistenter Dauerschmerz. Aber keine Angst: Ein großer Teil der Hirntumore im Kindesalter manifestiert sich zwar zuerst mit Kopfschmerzen, aber hinter auftretenden Kopfschmerzen steckt höchst selten ein Hirntumor.“

Kopfschmerztagebuch

Elisa und ihre Mutter sind erleichtert, als sie das Untersuchungszimmer wieder verlassen. Elisa, weil der Arzt ihr keine Spritze gegeben hat, und die Mutter, weil keine Hinweise auf einen sekundären Kopfschmerz festgestellt wurden. Die Neunjährige muss nun in den nächsten drei Monaten ein Kopfschmerztagebuch führen, in dem sie genau notieren soll, wann die Schmerzen auftreten, wie lange sie anhalten und wie stark sie sind. Zusätzlich soll sie aufschreiben, ob es eventuelle Auslöser für die Kopfschmerzen gibt. „Manche Kinder reagieren auf verschiedene Käsesorten oder auf Knoblauch mit Kopfschmerzen“, so Dr. Finetti. „Dies gilt es herauszufinden.“ Da Elisa schon bei einem Augenarzt war, scheidet eine Fehlsichtigkeit als Ursache für ihre Kopfschmerzen aus. Jetzt soll das Mädchen auch noch einmal einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt aufsuchen, denn bei manchen Kindern ist eine chronische Verstopfung der Nebenhöhlen für häufig auftretende Kopfschmerzen verantwortlich.

Im SPZ hat Elisa erfahren, was sie tun kann, wenn sie wieder mal starke Kopfschmerzen hat. Der Arzt hat ihr geraten, sich in einen verdunkelten Raum zurückzuziehen, zu versuchen, sich zu entspannen und vielleicht auch zu schlafen. Ein nasser, kalter Waschlappen auf der Stirn könne auch hilfreich sein. Um Kopfschmerzen vorzubeugen, sei es außerdem ganz wichtig, ausreichend zu trinken – das gälte nicht nur für ältere Leute, sondern auch schon für Kinder. Elisas Mutter wurde aufgeklärt, welche Medikamente bei starken Kopfschmerzen für ihre Tochter in Frage kommen und wie diese zu dosieren sind. Auch diese Maßnahmen – insbesondere die Medikamenteneinnahme – müssen in den Kopfschmerzkalender eingetragen werden. In drei Monaten werden Elisa und ihre Mutter wieder nach Essen ins SPZ kommen. Wenn dann der ausgefüllte Kopfschmerzkalender mit dem Arzt besprochen wird, werden die beiden sicher etwas entspannter sein.

Dr. Finetti | EKE Presse Newsletter
Weitere Informationen:
http://www.elisabeth-essen.de

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