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Endometriose - Die unerkannte Krankheit

03.08.2007
Jährlich erkranken etwa 40 000 Frauen in ihren besten Jahren an Endometriose - bis zur definitiven Diagnose leiden die Patientinnen zumeist bereits über fünf Jahre unter den Symptomen.

Damit stellt dieses Leiden die zweithäufigste Krankheit der Frau dar. Doch die Erkrankung ist noch immer unzureichend erforscht, ihre Ursache ist unbekannt. Deshalb gibt es bisher keine ursächlichen Behandlungsmöglichkeiten, durch die eine Endometriose grundsätzlich beseitigt oder geheilt werden könnte. Es gibt ebenfalls keine Behandlung, die das Entstehen einer Endometriose verhindert.

Bei den Betroffenen handelt es sich um junge Frauen im reproduktionsfähigen Alter. Im 25. bis 27. sowie im 34. bis 39. Lebensjahr wird am häufigsten der Befund Endometriose gestellt, wobei das Auftreten der Krankheit bereits mit der ersten Regelblutung einher gehen kann. Die Patientinnen beschreiben ihre starken Beschwerden zumeist bis zum Eintritt in die Wechseljahre.

"Die Gefährdung entsteht in erster Linie aus der Verzögerung der Diagnosestellung und der inkonsequenten Behandlung der betroffenen Frauen. Es ist bekannt, dass ein langes Intervall zwischen dem Auftreten der ersten Symptome und der Diagnose liegt. Daher entsteht häufig ein sehr hoher Leidensdruck", berichtet Doreen Jackisch, Leiterin der Beratungsstelle der Endometriose-Vereinigung Deutschland e.V. Es gibt gute Daten aus Amerika und aus England, die besagen, dass in diesen Ländern nach Erstsymptomen die Diagnose erst 6 bis 8 Jahre später tatsächlich feststeht. In dieser Zeit kann diese gutartige Erkrankung natürlich weiter wachsen und die Beschwerden teilweise auch chronifizieren.

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Durch den chronischen Verlauf der Erkrankung kommt es in vielen Fällen zu oft mehrfachen Operationen und in allen Fällen zu starken Schmerzen. Dies zieht anhaltende Arbeitsausfälle und Krankschreibungen nach sich und hat Auswirkungen auf das gesamte soziale Umfeld der Patientin und deren Lebensqualität. Als Stichwörter seien hier zu nennen: Kinderlosigkeit, Partnerschaftsverlust, Einschränkung sozialer Kontakte, Medikamentenmissbrauch. Hier müssen gezielte Verbesserungen im diagnostischen Bereich greifen.

Einen ersten Schritt zur umfassenden Beschreibung der Endometriose und somit zur eindeutigen Klassifizierung bilden die im vergangenen Jahr von der Arbeitsgemeinschaft gynäkologische Endoskopie (AGE) der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) aufgestellten Leitlinien Endometriose. Diese Leitlinien sollen sowohl Medizinern Hilfestellung bei der Erkennung einer Endometriose geben als auch Rat suchende Betroffene ansprechen. Überdies empfehlen die Leitlinien dringend eine sorgfältige Nachbehandlung zur Wiedererlangung des körperlichen, seelischen und sozialen Wohlbefindens.

Aus Sicht der Rehabilitationsmedizin sollte der Zugang zu spezialisierten gynäkologischen Rehabilitationsmaßnahmen deutlich verbessert werden, möglichst zu einem früheren Zeitpunkt im Krankheitsgeschehen, um Fehlverarbeitung und Chronifizierung vorzubeugen. Dies forderte die Chefärztin des Median Klinikum für Rehabilitation Bad Salzuflen, Dr. Christiane Niehues, anlässlich des 16. Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquiums im März dieses Jahres in Berlin. Sie stellte erstaunliche Daten aus den Jahren 2000 bis 2004 vor, wonach im Schnitt lediglich ca. 350 Endometriose-Patientinnen pro Jahr Leistungen zur medizinischen Rehabilitation zuteil wurden. Die Empfehlungen seitens der Mediziner zu einer Anschlussheilbehandlung sollte deutlich gesteigert werden, um die Eingliederung der betroffenen Frauen in einen normalen Arbeits- und Lebensrhythmus zu erhöhen.

"Die Endometriose stellt nicht nur ein immenses menschliches, sondern auch ein gravierendes volkswirtschaftliches Problem dar, das auch im modernen Europa des 21. Jahrhunderts aufgrund des tradierten Frauenbildes in seiner Tragweite unterschätzt wird", so der Direktor der Klinik für Gynäkologie und Geburtsmedizin des Vivantes Humboldt-Klinikums Berlin, Prof. Dr. med. Dr. phil. Dr. h.c. Andreas D. Ebert.

Geht man von 1,5 bis 2 Millionen Endometriose-Patientinnen aus und weiß man, dass es in mindestens 30 Prozent dieser Fälle zu Arbeitsausfällen von mehr als 10 Tagen pro Jahr kommt, berücksichtigt man, dass allein in Berlin 1000 Patientinnen mit der Diagnose Endometriose operiert werden und dass die Krankheit als chronisch zu bewerten ist, so wird schnell klar, dass für Endometriose bisher eindeutig zu wenig Initiative und Engagement aufgewendet wurde. Von Endometriose sind letztlich alle betroffen. Zwar nicht von der Krankheit an sich, aber von deren Auswirkungen.

"Es muss klar werden, dass das Problem Endometriose ein gesamtgesellschaftliches ist, an dem alle Beteiligten als Partner auf das eine Ziel hinarbeiten sollten - die Ausrottung dieser Erkrankung durch Prävention. Insbesondere der Politik und den Krankenkassen kommt hier eine maßgebliche Rolle zu, da sich diese Institutionen an Schnittstellen befinden, die eine Koordination und Bündelung der Kräfte ermöglichen", fordert Ebert im Vorfeld des 7. Deutschen Endometriose-Kongresses, der vom 26. bis 29. September 2007 in Berlin stattfindet.

Dieser Kongress bietet der Krankheit alle zwei Jahre ein Podium zur Diskussion, zur Koordination des Engagements verschiedenster Interessengruppen und erneuert das Anliegen, die Endometriose aus ihrem Schattendasein zu befreien. Den "Tag der Endometriose in Deutschland" am 29. September 2007 gestaltet die Endometriose-Vereinigung Deutschland e. V. mit Patientenforen, in denen Betroffene untereinander und mit Ärzten ins Gespräch kommen können. Das ist eine einmalige Gelegenheit für Patientinnen und deren Angehörige mit medizinischen Experten ins Gespräch zu treten, die Behandlungsweisen aber auch kritisch zu hinterfragen.

Terminankündigung

7. Deutscher Endometriose-Kongress in Berlin
Thema: "Endometriose, Gebärmutter, Fruchtbarkeit"
26. bis 29. September 2007, Hotel Berlin
Diskussionspunkte:
Endometriose im Europa des 21. Jahrhunderts - ein Gender-Problem?
Neuigkeiten aus der Diagnostik - was sagen die Leitlinien?
Neues aus der Wissenschaft - Translationale Forschung
Die gesellschaftliche Dimension der Endometriose
Medikamentöse Therapie und konservative Therapie
Ist Endometriose eine gutartige Erkrankung?
Der Kongress wird unter der wissenschaftlichen Leitung der Stiftung Endometriose-Forschung in Zusammenarbeit mit der Endometriose-Vereinigung Deutschland e. V. und der Europäischen Endometriose-Liga sowie der Deutschen, Österreichischen und Schweizerischen Gesellschaften für Gynäkologie und Geburtshilfe veranstaltet. Erstmalig sind auch die Arbeitsgemeinschaft gynäkologische Endoskopie (AGE) in der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) und die Deutsche Gesellschaft für Reproduktionsmedizin (DGRM) aktive Mitveranstalter. Weitere Informationen zum Kongress finden Sie unter http://www.conventus.de/endometriose.

Als Informationsmöglichkeiten zum Thema bieten sich die Websites folgender Gesellschaften an:

Stiftung Endometriose-Forschung http://www.endometriose-sef.de/
Europäische Endometriose-Liga http://www.endometriose-liga.eu/
Endometriose-Vereinigung Deutschland http://www.endometriose-vereinigung.de/
Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (Leitlinien)
http://www.dggg.de/leitlinien-2006/pdf-2006/2-onko-gyn/2-1-3-endometriose.pdf
Kontaktadresse für Interviews:
Prof. Dr. med. Dr. phil. Dr. h. c. Andreas D. Ebert
Direktor der Klinik für Gynäkologie und Geburtsmedizin
Babyfreundliches Krankenhaus der WHO/UNICEF
Endometriosezentrum Berlin Stufe III
Vivantes Humboldt-Klinikum
Am Nordgraben 2, D-13509 Berlin
Telefon +49 30 41 94 12 61
Telefax +49 30 41 94 12 62
andreas.ebert@vivantes.de

Wolfgang Müller | idw
Weitere Informationen:
http://www.conventus.de/endometriose

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