Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Behandlungsverfahren bei der Osteoporose

27.03.2002


Minimal-invasive Zementierungstechniken lindern deutlich die Schmerzen

Dank wachsender medizinischer Möglichkeiten und besserer Lebensumstände werden immer mehr Menschen immer älter. Die Kehrseite: Auch eine Reihe von Krankheiten nimmt mit steigendem Alter zu. Eine davon ist die Osteoporose, bei der im Laufe der Jahre Knochensubstanz abgebaut wird. Sie gilt als die häufigste chronische Erkrankung des Skeletts, bleibt oft unbehandelt, in vielen Fällen sogar unerkannt. In Deutschland leiden etwa sechs Millionen Menschen daran; die Folgekosten werden derzeit mit 5 Milliarden Euro pro Jahr angegeben. Durch den osteoporotischen Abbau treten vermehrt Brüche des Oberschenkelhalses auf, vor allem aber ist die Wirbelsäule in Mitleidenschaft gezogen: Die einzelnen Wirbelkörper sintern, sie sacken zusammen oder brechen ein - ein schmerzhafter Prozess. Annähernd jede dritte Frau über 60 Jahre ist betroffen. Schon heute werden in der Europäischen Union (EU) jährlich rund 41.000 Patienten aufgrund solcher Veränderungen der Wirbelkörper durchschnittlich zehn bis dreißig Tage stationär im Krankenhaus behandelt.

Im Langzeitverlauf einer Osteoporose kann sich die Wirbelsäule verkürzen und verbiegen - die Ärzte sprechen von Kyphose. Dies ist teilweise mit erheblichen Schmerzen verbunden und mit erhöhter Sterblichkeit beispielsweise durch Lungenerkrankungen. Entsprechend nachdrücklich werden verbesserte Vorsorgemaßnahmen gefordert und gleichzeitig Anstrengungen unternommen, um den Folgen der Krankheit effektiver zu begegnen.

Wenn Wirbelkörper sintern und einbrechen, können zwei minimal-invasive Zementierungstechniken helfen: Ein mittlerweile etabliertes Verfahren ist die Vertebroplastik, bei der osteoporotische Wirbelkörper perkutan, also durch die Haut, unter Röntgenkontrolle mit Knochenzement gefüllt und auf diese Weise stabilisiert werden. Der Eingriff lässt sich überwiegend unter lokaler Betäubung ambulant vornehmen. Verblüffendes Ergebnis: Bei 80 bis 90 Prozent der Patienten sind die Schmerzen kurz danach deutlich gelindert. Noch größeren Erfolg verspricht eine weitergehende, relativ neue Technik: die Kyphoplastik. Hier wird mit Hilfe eines Ballons zunächst versucht, zusammengesackte Wirbelkörper wieder aufzurichten, bevor sie mit Zement gefüllt werden.

Die Vorteile der perkutanen Zementierungstechniken scheinen offenkundig: Lange Krankenhaus- und Rehabilitations-Aufenthalte erübrigen sich, auf orthopädische Hilfsmittel und Medikamente kann weitgehend verzichtet werden. Ungeklärt ist allerdings bisher der genaue Mechanismus, der die meist drastische Verringerung der Schmerzen bewirkt. Ebenfalls unbeantwortet die Frage, wie nichttherapierte Nachbarwirbel langfristig reagieren. Außerdem: Wie ist die Langzeitreaktion des Knochens auf den injizierten Zement und wie sieht das ideale Material aus? Es sollte nicht nur einfach durch die Haut applizierbar sein und sofort wirken, sondern auch mit der Zeit im Körper abgebaut oder integriert werden.

An der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) sind die neuen Therapieverfahren seit August 2001 bei 20 Patientinnen und Patienten eingesetzt worden. "Erste klinische Ergebnisse", sagt Professor Dr. Christian Krettek, Direktor der Unfallchirurgischen Klinik, "sind sehr positiv." Ob die Patienten tatsächlich über die reine Schmerzlinderung hinaus von den Verfahren profitieren, sollen größer angelegte Studien zeigen. Dr. Ulrich Berlemann von der Unfallchirurgischen Klinik hat zuvor am Inselspital in Bern Erfahrungen mit den Zementierungstechniken gesammelt. Er will künftig insbesondere die Wertigkeit der Verfahren überprüfen und das Indikationsspektrum klarer definieren. In Vorbereitung einer europaweiten Multicenter-Studie führt Dr. Berlemann gegenwärtig an der MHH einen Lehrgang zur Kyphoplastik durch.

Weitere Informationen geben gern Professor Dr. Christian Krettek unter E-Mail: Krettek@compuserve.com sowie Dr. Ulrich Berlemann, E-Mal: uberlemann@hotmail.com

Christa Möller | idw

Weitere Berichte zu: Osteoporose Wirbelkörper Zementierungstechnik

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz gegen Gastritis
10.08.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Wenn Schimmelpilze das Auge zerstören
10.08.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wissenschaftler entdecken seltene Ordnung von Elektronen in einem supraleitenden Kristall

In einem Artikel der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Nature“ berichten Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe in Dresden von der Entdeckung eines seltenen Materiezustandes, bei dem sich die Elektronen in einem Kristall gemeinsam in einer Richtung bewegen. Diese Entdeckung berührt eine der offenen Fragestellungen im Bereich der Festkörperphysik: Was passiert, wenn sich Elektronen gemeinsam im Kollektiv verhalten, in sogenannten „stark korrelierten Elektronensystemen“, und wie „einigen sich“ die Elektronen auf ein gemeinsames Verhalten?

In den meisten Metallen beeinflussen sich Elektronen gegenseitig nur wenig und leiten Wärme und elektrischen Strom weitgehend unabhängig voneinander durch das...

Im Focus: Wie ein Bakterium von Methanol leben kann

Bei einem Bakterium, das Methanol als Nährstoff nutzen kann, identifizierten ETH-Forscher alle dafür benötigten Gene. Die Erkenntnis hilft, diesen Rohstoff für die Biotechnologie besser nutzbar zu machen.

Viele Chemiker erforschen derzeit, wie man aus den kleinen Kohlenstoffverbindungen Methan und Methanol grössere Moleküle herstellt. Denn Methan kommt auf der...

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

International führende Informatiker in Paderborn

21.08.2017 | Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer IPM präsentiert »Deep Learning Framework« zur automatisierten Interpretation von 3D-Daten

22.08.2017 | Informationstechnologie

Globale Klimaextreme nach Vulkanausbrüchen

22.08.2017 | Geowissenschaften

RWI/ISL-Containerumschlag-Index erreicht neuen Höchstwert

22.08.2017 | Wirtschaft Finanzen