Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die "Tarnkappen" menschlicher Embryos

02.08.2007
Forscher des "Placenta-Labors" des Uniklinikums Jena starten Austauschprojekt mit Indien

Jedes neue Leben ist ein kleines Wunder. Zugegeben, das ist eine Binsenwahrheit. Was die Fortpflanzung der Säugetiere - inklusive des Menschen - betrifft, steckt in dieser Floskel jedoch weit mehr als nur ein wahrer Kern. "Im Grunde dürfte eine Schwangerschaft gar nicht funktionieren", bringt PD Dr. Udo Markert vom Universitätsklinikum Jena das "Paradoxon Schwangerschaft" auf den Punkt. "Schließlich ist der Embryo für den Körper der Mutter ein Fremdorganismus, da er neben den mütterlichen auch väterliche Merkmale enthält", so der Leiter des "Placenta-Labors" der Universitätsklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe weiter. Und das macht den Embryo eigentlich zu einem klaren Fall für die Immunabwehr.

Die geht normalerweise mit Eindringlingen, wie Viren oder Bakterien, wenig zimperlich um: Erkennen die Zellen des Immunsystems körperfremde Zellen, so werden diese mit giftigen Substanzen bombardiert und von Fresszellen eliminiert. "Damit der Embryo das nicht nur überlebt, sondern sich unbeschadet in die Gebärmutter einnisten und entwickeln kann, muss das Immunsystem der Mutter dort für den Zeitraum der Schwangerschaft ausgeschaltet werden", sagt Dr. Markert. Wie das geschieht, untersucht der Jenaer Mediziner mit seinem Team.

Bei ihrer Forschung werden die Wissenschafter um Dr. Markert in den kommenden zwei Jahren eng mit Fachkollegen des Indischen National Institut of Immunology in Neu Delhi zusammenarbeiten. Die Forscher haben ein Austauschprojekt ins Leben gerufen, das vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) gefördert wird. Im Rahmen seiner Programme des Projektbezogenen Personenaustauschs (PPP) finanziert der DAAD insgesamt zehn Wissenschaftlern - sechs aus Jena und vier aus Neu Delhi - einen Forschungsaufenthalt im jeweils anderen Institut. Jetzt trat Dr. Pankaj Suman als erster indischer Gast seinen Forschungsaufenthalt im Jenaer "Placenta-Labor" an.

... mehr zu:
»Embryo

In der bevorstehenden gemeinsamen Arbeit wollen die Reproduktionsimmunologen untersuchen, welche Mechanismen es den Embryos erlauben, sich in die Gebärmutter einzunisten und dort - unerkannt vom Immunsystem - zu wachsen. "Es handelt sich um ein komplexes Zusammenspiel vieler genau aufeinander abgestimmter Vorgänge", weiß Udo Markert bereits. So weisen die Zellen der äußeren Hülle des Embryos etwa veränderte Oberflächenstrukturen auf, die sie für die Immunabwehr praktisch unsichtbar machen.

Der Forscher von der Uni Jena interessiert sich für diese Mechanismen jedoch nicht nur, um das "Rätsel Schwangerschaft" zu lösen. Die gewonnenen Erkenntnisse lassen sich auch nutzen, um neue Strategien für ein ganz anderes medizinisches Problem finden. "Das Einnisten des Embryos in die Gebärmutter hat große Ähnlichkeit mit dem invasiven Wachstum eines Tumors", so Markert. Auch Tumorzellen "tarnen" sich vor der Immunabwehr und dringen - wie ein Embryo in die Gebärmutter - in andere Zellen und Gewebe ein. Aus dem besseren Verständnis der zellulären Vorgänge bei einer Schwangerschaft erhoffen sich die Forscher deshalb auch neue therapeutische Ansätze, um das Tumorwachstum zu stoppen.

Neben der nun angestoßenen Kooperation mit indischen Kollegen wirken die Forscher um Dr. Markert bereits seit einigen Jahren als einzige Thüringer Arbeitsgruppe aus der Medizin an einem Europäischen Exzellenznetzwerk mit. So gehört das Jenaer "Placenta-Labor" seit 2004 als einer von nur zwei deutschen Partnern dem "European Network of Excellence on Embryo Implantation Control" (EMBIC) an. Zudem wurde Udo Markert kürzlich in das Council der internationalen Dachgesellschaft der Reproduktionsimmunologen (International Society of Reproductive Immunology) gewählt. Der Jenaer Mediziner wird dem achtköpfigen Gremium für die kommenden drei Jahre angehören.

Kontakt:
PD Dr. Udo Markert
"Placenta-Labor" der Abteilung für Geburtshilfe des Universitätsklinikums Jena
Bachstraße 18, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 933763
E-Mail: markert[at]med.uni-jena.de

Ute Schönfelder | idw
Weitere Informationen:
http://www.placenta-labor.de

Weitere Berichte zu: Embryo

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Mikrobiologen entwickeln Methode zur beschleunigten Bestimmung von Antibiotikaresistenzen
13.02.2018 | Westfälische Wilhelms-Universität Münster

nachricht Überschreiben oder Speichern? Die Gewissensfrage zur Vergesslichkeit
13.02.2018 | PhytoDoc Ltd.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Im Focus: In best circles: First integrated circuit from self-assembled polymer

For the first time, a team of researchers at the Max-Planck Institute (MPI) for Polymer Research in Mainz, Germany, has succeeded in making an integrated circuit (IC) from just a monolayer of a semiconducting polymer via a bottom-up, self-assembly approach.

In the self-assembly process, the semiconducting polymer arranges itself into an ordered monolayer in a transistor. The transistors are binary switches used...

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Im Focus: Quantenbits per Licht übertragen

Physiker aus Princeton, Konstanz und Maryland koppeln Quantenbits und Licht

Der Quantencomputer rückt näher: Neue Forschungsergebnisse zeigen das Potenzial von Licht als Medium, um Informationen zwischen sogenannten Quantenbits...

Im Focus: Demonstration of a single molecule piezoelectric effect

Breakthrough provides a new concept of the design of molecular motors, sensors and electricity generators at nanoscale

Researchers from the Institute of Organic Chemistry and Biochemistry of the CAS (IOCB Prague), Institute of Physics of the CAS (IP CAS) and Palacký University...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Aachener Optiktage: Expertenwissen in zwei Konferenzen für die Glas- und Kunststoffoptikfertigung

19.02.2018 | Veranstaltungen

Konferenz "Die Mobilität von morgen gestalten"

19.02.2018 | Veranstaltungen

Von Bitcoins bis zur Genomchirurgie

19.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Die Zukunft wird gedruckt

19.02.2018 | Architektur Bauwesen

Fraunhofer HHI präsentiert neueste VR- und 5G-Technologien auf dem Mobile World Congress

19.02.2018 | Messenachrichten

Stabile Gashydrate lösen Hangrutschung aus

19.02.2018 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics