Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Therapie: Spezial-Schrittmacher kräftigt schwache Herzen

14.08.2000


Jena. (14.08.00) Eine neuartige Schrittmacher-Therapie setzen Ärzte am Klinikum der Friedrich-Schiller-Universität erfolgreich bei Patienten mit chronischer Herzmuskelschwäche ein. Mit so genannten biventrikulären
Herzschrittmachern kann eine verzögerte elektrische Reizleitung in beiden Herzkammern resynchronisiert und damit die mechanische Arbeit des Herzens verbessert werden.

Prof. Dr. Hans-Reiner Figulla und sein Team an der Klinik für Innere Medizin III haben bislang zwölf Patienten mit einem solchen Schrittmacher-System versorgt. "Wir sind damit bei dieser Behandlungsform nach Magdeburg die Klinik mit den meisten OP-Zahlen in Deutschland und die einzige in Thüringen", erklärt Figullas Oberarzt PD Dr. Helmut Kühnert.

Allerdings eigne sich diese Therapie nicht für alle Patienten mit chronischer Herzmuskelschwäche. Figulla: "Vielen, die von dieser häufigen und zunehmenden - letztlich tödlich verlaufenden - Herzkrankheit befallen sind, bleibt nur das qualvolle Warten auf ein Spenderherz." Bevor die Jenaer Mediziner zu der aufwändigen Therapieform greifen, werden die Herzkranken eingehend auf die Erfolgsaussichten der Operation hin untersucht.

Infrage kommen nur solche Patienten, deren Hauptproblem auf hochgradigen Leitungsstörungen beruht, d. h. die elektrische Stimulation ihres Herzmuskels aus dem Lot geraten ist. Der Eingriff zählt selbst für erfahrene Kardiologen nicht zum Alltag, weil neben den üblichen Elektroden im rechten Vorhof und der rechten Herzkammer auch eine dritte Elektrode in einem Nebenast der großen Herzvene positioniert und fixiert werden muss.

Das ist technisch sehr schwierig; allerdings stehen in Zusammenarbeit mit der Industrie weitere Vereinfachungen in Aussicht. Bei drei ihrer Patienten setzten die Jenaer Operateure außerdem einen Defibrillator ein, um die Gefahr eines lebensbedrohlichen Herzrasens zu bannen.

"Mit den Ergebnissen sind wir bislang hoch zufrieden", resümiert PD Dr. Helmut Kühnert bei der heutigen Pressekonferenz. "Bei acht Patienten hat sich die Leistungsfähigkeit des Herzens erheblich verbessert, sie können sogar wieder Treppensteigen, nachdem sie vorher bettlägrig waren." Bei zwei weiteren Patienten hat sich der Zustand stabilisiert, einer ist allerdings verstorben. "Trotzdem gehen wir davon aus, dass sich die Überlebensprognose für unsere Patienten deutlich verbessert", erklärt Oberärztin Dr. Gudrun Dannberg, die die meisten Patienten mit schwerer Herzschwäche an der JenaerUni-Klinik betreut.

Am liebsten wäre es den Jenaer Kardiologen indes, wenn die hohen Fallzahlen in Thüringen durch eine entsprechende Vorsorge abnähmen. Als Hauptursache für eine chronische Herzmuskelschwäche gelten Verengungen der Herzkranzgefäße, die zu einem Herzinfarkt führen.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Hans-Reiner Figulla
Klinik für Innere Medizin III der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Tel.: 03641/939138, Fax: 939363

Friedrich-Schiller-Universität
Referat Öffentlichkeitsarbeit
Dr. Wolfgang Hirsch
Fürstengraben 1
07743 Jena
Tel.: 03641/931031
Fax: 03641/931032
E-Mail: h7wohi@sokrates.verwaltung.uni-jena.de

Dr. Wolfgang Hirsch |

Weitere Berichte zu: Herzmuskelschwäche Kardiologie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Starkes Übergewicht: Magenbypass und Schlauchmagen vergleichbar
17.01.2018 | Universität Basel

nachricht Therapieansatz: Kombination von Neuroroboter und Hirnstimulation aktiviert ungenutzte Nervenbahnen
16.01.2018 | Universitätsklinikum Tübingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Im Focus: Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen

Sogenannte vorverspannte Zustände beschleunigen auch photochemische Reaktionen

Was ermöglicht den schnellen Transfer von Elektronen, beispielsweise in der Photosynthese? Ein interdisziplinäres Forscherteam hat die Funktionsweise wichtiger...

Im Focus: Scientists decipher key principle behind reaction of metalloenzymes

So-called pre-distorted states accelerate photochemical reactions too

What enables electrons to be transferred swiftly, for example during photosynthesis? An interdisciplinary team of researchers has worked out the details of how...

Im Focus: Erstmalige präzise Messung der effektiven Ladung eines einzelnen Moleküls

Zum ersten Mal ist es Forschenden gelungen, die effektive elektrische Ladung eines einzelnen Moleküls in Lösung präzise zu messen. Dieser fundamentale Fortschritt einer vom SNF unterstützten Professorin könnte den Weg für die Entwicklung neuartiger medizinischer Diagnosegeräte ebnen.

Die elektrische Ladung ist eine der Kerneigenschaften, mit denen Moleküle miteinander in Wechselwirkung treten. Das Leben selber wäre ohne diese Eigenschaft...

Im Focus: The first precise measurement of a single molecule's effective charge

For the first time, scientists have precisely measured the effective electrical charge of a single molecule in solution. This fundamental insight of an SNSF Professor could also pave the way for future medical diagnostics.

Electrical charge is one of the key properties that allows molecules to interact. Life itself depends on this phenomenon: many biological processes involve...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - März 2018

17.01.2018 | Veranstaltungen

2. Hannoverscher Datenschutztag: Neuer Datenschutz im Mai – Viele Unternehmen nicht vorbereitet!

16.01.2018 | Veranstaltungen

Fachtagung analytica conference 2018

15.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Projekt "HorseVetMed": Forscher entwickeln innovatives Sensorsystem zur Tierdiagnostik

17.01.2018 | Agrar- Forstwissenschaften

Seltsames Verhalten eines Sterns offenbart Schwarzes Loch, das sich in riesigem Sternhaufen verbirgt

17.01.2018 | Physik Astronomie

Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

17.01.2018 | Physik Astronomie