Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Lebertumor: Über gut & böse entscheiden zwei Signalwege

30.07.2007
Die Verknüpfung zweier Signalwege in Zellen des Lebertumors hat deutlichen Einfluss auf dessen Bösartigkeit. Entscheidend für diese Verknüpfung ist dabei die Aktivierung des Botenmoleküls "Platelet-Derived Growth Factor"
(PDGF).
Diese Erkenntnis über die Entwicklung des Leberkrebses wurde im Rahmen eines aktuellen Projekts des Wissenschaftsfonds FWF gewonnen und nun im Journal Oncogene veröffentlicht. Tatsächlich nehmen Lebertumorzellen, bei denen die Signalwege verbunden wurden, Eigenschaften von Krebsstammzellen an, die sich grundsätzlich einer Chemotherapie widersetzen. Das neue Verständnis der beteiligten Signalübertragungswege bietet zukünftige Ansätze für modifizierte Therapien.

Wenn aus Epithelzellen Zellen des Mesenchyms werden, kann das gut sein ­ oder schlecht. Gut ist dies während der Embryonalentwicklung, bei Entzündungen oder bei Gewebeerneuerung. Sehr schlecht ist es, wenn diese als "Epithelial to Mesenchymal Transition" (EMT) bezeichnete Umwandlung in Krebszellen auftritt. Denn Krebszellen erhalten so die Fähigkeit, in andere Gewebe auszuwandern ­ also die Fähigkeit, Metastasen zu bilden.
SUPPRESSOR ODER AGGRESSOR?
Die Beteiligung eines Signalwegs des "Transforming Growth Factor" (TGF)-Beta an der EMT war bereits bekannt. Da dieser Botenstoff aber die Zellvermehrung eher verhindert und sogar Zellen für einen körpereigenen Schutzmechanismus empfindlich macht, war er bisher eher als Tumor-Suppressor betrachtet worden. Seit kurzem weiß man nun aber auch, dass TGF-Beta in Zellen, die bereits entartet sind, zu deren Aggressivität beiträgt. Wie genau dies passiert, war aber bislang nicht bekannt.

Jetzt gelang es dem Team um Prof. Wolfgang Mikulits vom Institut für Krebsforschung der Medizinischen Universität Wien, einen großen Schritt zum besseren Verständnis dieser Vorgänge zu machen. Sie fanden heraus, dass der Signalweg des TGF-Beta über die Aktivierung des Platelet-Derived Growth Factor (PGDF) die Anreicherung eines weiteren Botenstoffes bewirkt, der bisher nicht in Zusammenhang mit dem Signalweg des TGF-Beta gebracht wurde:

Beta-Catenin.

Dazu Prof. Mikulits: "PGDF ist also quasi eine Brücke, die zwei bisher als unabhängig betrachtete Signalwege miteinander verbindet. Diese Entdeckung war in sich selbst schon spannend. Als wir aber dann die Wirkung des Beta-Catenin weiter untersuchten, wurden wir völlig überrascht."

LANGSAM & UNEMPFINDLICH
Bisher war Beta-Catenin eher mit einer erhöhten Zellteilungsrate ­ also schnellerem Tumorwachstum ­ in Zusammenhang gebracht worden. Das Team um Prof. Mikulits konnte aber in Zellkulturen ein ganz anders Zellverhalten in Reaktion auf Beta-Catenin feststellen: "Wir beobachteten, dass es tatsächlich Beta-Catenin war, das die Verminderung der Zellteilungsrate verursachte. An sich ist das ja keine schlechte Sache für einen Tumor, doch macht dies die Zellen als Ziel für eine Chemotherapie ungeeignet. Zusätzlich wiesen die Zellen, in denen Beta-Catenin vorkam, noch eine andere Eigenschaft auf. Sie waren weniger anfällig für einen natürlichen Schutzmechanismus des Körpers, der Zellen eliminiert, die aus Organen abwandern." Diese beiden Merkmale ­ geringe Teilungsrate und Entkommen der Schutzmechanismen ­ sind bei Tumorzellen aber als typische Eigenschaften von Krebsstammzellen bekannt ­ also von Zellen, die durch den Blutstrom verbreitet und an anderen Stellen neue Tumore erzeugen können: Metastasen.

Die Verbindung der Signalwege von TGF-Beta und Beta-Catenin durch PGDF trägt also zur Aggressivität des Lebertumors entscheidend bei ­ und bietet so einen neuen Angriffspunkt für zukünftige Therapien von Leberkrebs. Aber bereits jetzt zeigen die Ergebnisse dieses FWF-Projekts Möglichkeiten auf, die Therapie des Leberkrebses zu optimieren. Die Anhäufung von Beta-Catenin in Krebszellen lässt sich nämlich bereits vor Therapiebeginn diagnostizieren. In weiterer Folge könnte dann die Behandlung auf die Aggressivität des Tumors abgestimmt werden.

Originalpublikation:
Alexandra N. Fischer, Eva Fuchs, Mario Mikula, Heidemarie Huber, Hartmut Beug and Wolfgang Mikulits. 2007. PDGF essentially links TGF-beta signaling to nuclear beta-catenin accumulation in hepatocellular carcinoma progression. Oncogene 26:3395.

Wissenschaftlicher Kontakt:
Prof. Wolfgang Mikulits
Medizinische Universität Wien
Institut für Krebsforschung
1090 Wien
T +43 / 1 / 4277 - 65250
F +43 / 1 / 4277 - 65239
E wolfgang.mikulits@meduniwien.ac.at
Der Wissenschaftsfonds FWF:
Mag. Stefan Bernhardt
Haus der Forschung
Sensengasse 1
1090 Wien
T +43 / 1 / 505 67 40 - 8111
E stefan.bernhardt@fwf.ac.at

Mag. Michaela Fritsch | PR&D
Weitere Informationen:
http://www.meduniwien.ac.at
http://www.fwf.ac.at

Weitere Berichte zu: Beta-Catenin Leberkrebs Signalweg TGF-Beta

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Die neue Achillesferse von Blutkrebs
22.05.2018 | Ludwig Boltzmann Gesellschaft

nachricht Schnelltests für genauere Diagnose bei Hirntumoren
17.05.2018 | Universitätsklinikum Heidelberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: GRACE Follow-On erfolgreich gestartet: Das Satelliten-Tandem dokumentiert den globalen Wandel

Die Satellitenmission GRACE-FO ist gestartet. Am 22. Mai um 21.47 Uhr (MESZ) hoben die beiden Satelliten des GFZ und der NASA an Bord einer Falcon-9-Rakete von der Vandenberg Air Force Base (Kalifornien) ab und wurden in eine polare Umlaufbahn gebracht. Dort nehmen sie in den kommenden Monaten ihre endgültige Position ein. Die NASA meldete 30 Minuten später, dass der Kontakt zu den Satelliten in ihrem Zielorbit erfolgreich hergestellt wurde. GRACE Follow-On wird das Erdschwerefeld und dessen räumliche und zeitliche Variationen sehr genau vermessen. Sie ermöglicht damit präzise Aussagen zum globalen Wandel, insbesondere zu Änderungen im Wasserhaushalt, etwa dem Verlust von Eismassen.

Potsdam, 22. Mai 2018: Die deutsch-amerikanische Satellitenmission GRACE-FO (Gravity Recovery And Climate Experiment Follow On) ist erfolgreich gestartet. Am...

Im Focus: Faserlaser mit einstellbarer Wellenlänge

Faserlaser sind ein effizientes und robustes Werkzeug zum Schweißen und Schneiden von Metallen beispielsweise in der Automobilindustrie. Systeme bei denen die Wellenlänge des Laserlichts flexibel einstellbar ist, sind für spektroskopische Anwendungen und die Medizintechnik interessant. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT) haben, im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekts „FlexTune“, ein neues Abstimmkonzept realisiert, das erstmals verschiedene Emissionswellenlängen voneinander unabhängig und zeitlich synchron erzeugt.

Faserlaser bieten im Vergleich zu herkömmlichen Lasern eine höhere Strahlqualität und Energieeffizienz. Integriert in einen vollständig faserbasierten...

Im Focus: LZH zeigt Lasermaterialbearbeitung von morgen auf der LASYS 2018

Auf der LASYS 2018 zeigt das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) vom 5. bis zum 7. Juni Prozesse für die Lasermaterialbearbeitung von morgen in Halle 4 an Stand 4E75. Mit gesprengten Bombenhüllen präsentiert das LZH in Stuttgart zudem erste Ergebnisse aus einem Forschungsprojekt zur zivilen Sicherheit.

Auf der diesjährigen LASYS stellt das LZH lichtbasierte Prozesse wie Schneiden, Schweißen, Abtragen und Strukturieren sowie die additive Fertigung für Metalle,...

Im Focus: Achema 2018: Neues Kamerasystem überwacht Destillation und hilft beim Energiesparen

Um chemische Gemische in ihre Einzelbestandteile aufzutrennen, ist in der Industrie die energieaufwendige Destillation gängig, etwa bei der Raffinerie von Rohöl. Forscher der Technischen Universität Kaiserslautern (TUK) entwickeln ein Kamerasystem, das diesen Prozess überwacht. Dabei misst es, ob es zu einer starken Tropfenbildung kommt, was sich negativ auf die Trennung der Komponenten auswirken kann. Die Technik könnte hier künftig automatisch gegensteuern, wenn sich Messwerte ändern. So ließe sich auch Energie einsparen. Auf der Prozesstechnik-Messe Achema in Frankfurt stellen sie die Technik vom 11. bis 15. Juni am Forschungsstand des Landes Rheinland-Pfalz (Halle 9.2, Stand A86a) vor.

Bei der Destillation werden Flüssigkeiten durch Verdampfen und darauffolgende Kondensation des Dampfes in ihre Bestandteile getrennt. Ein bekanntes Beispiel...

Im Focus: Vielseitige Nanokugeln: Forscher bauen künstliche Zellkompartimente als molekulare Werkstatt

Wie verleiht man Zellen neue Eigenschaften ohne ihren Stoffwechsel zu behindern? Ein Team der Technischen Universität München (TUM) und des Helmholtz Zentrums München veränderte Säugetierzellen so, dass sie künstliche Kompartimente bildeten, in denen räumlich abgesondert Reaktionen ablaufen konnten. Diese machten die Zellen tief im Gewebe sichtbar und mittels magnetischer Felder manipulierbar.

Prof. Gil Westmeyer, Professor für Molekulare Bildgebung an der TUM und Leiter einer Forschungsgruppe am Helmholtz Zentrum München, und sein Team haben dies...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

22. Business Forum Qualität: Vom Smart Device bis zum Digital Twin

22.05.2018 | Veranstaltungen

48V im Fokus!

21.05.2018 | Veranstaltungen

„Data Science“ – Theorie und Anwendung: Internationale Tagung unter Leitung der Uni Paderborn

18.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Rotierende Rugbybälle unter den massereichsten Galaxien

23.05.2018 | Physik Astronomie

Invasive Quallen: Strömungen als Ausbreitungsmotor

23.05.2018 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Matrix-Theorie als Ursprung von Raumzeit und Kosmologie

23.05.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics