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Wie ein Gewitter im Kopf – Epilepsie, die häufigste Erkrankung des Gehirns

25.07.2007
Ein epileptischer Krampfanfall bei einem Kind ist immer ein sehr dramatisches und erschreckendes Ereignis – vor allem für die Eltern. Dabei sind Krampfanfälle im Kindesalter keine Seltenheit. Ungefähr fünf Prozent aller Kinder erleiden einen Krampfanfall. Dabei ist das Wort Krampfanfall eigentlich etwas irreführend: Denn nicht jeder epileptische Anfall geht mit einer Verkrampfung einher und nicht jeder Krampf bedeutet automatisch auch ein epileptisches Geschehen. Besser und treffender ist daher die Bezeichnung: epileptischer Anfall.

Doch was passiert nun eigentlich im Kopf bei einem solchen Anfall? „Epileptische Anfälle sind Störungen des Gehirns aufgrund von kurzdauernder vermehrter Entladung von Nervenzellen“, erklärt Dr. Claudio Finetti, Oberarzt im Sozialpädiatrischen Zentrum am Essener Elisabeth-Krankenhaus. „Man kann sich das wie ein Gewitter im Gehirn vorstellen. Betrifft diese vermehrte Entladung alle Nervenzellen des Gehirns sprechen wir von einem generalisierten Anfall. Ist nur ein Teil der Nervenzellen betroffen, nennt man das einen fokalen Anfall. Diese möglichen unterschiedlichen Formen sind der Grund dafür, dass epileptische Anfälle sehr verschieden aussehen können. Gehen sie mit Bewusstlosigkeit und Zuckungen der Arme und Beine einher, heißen sie in der Fachsprache generalisierte tonisch-klonische Anfälle. Bewusstlosigkeit und Krämpfe treten aber nicht immer auf. Bei einer bestimmten Art von epileptischen Anfällen – Absencen genannt – sieht es so aus, als würde das Kind nur träumen. Andere können sogar so harmlos sein, dass weder die Kinder noch die Eltern etwas davon mitbekommen. Diese Kinder fallen dann häufig nur durch eine Verzögerung der Sprachentwicklung oder durch Verschlechterung der schulischen Leistungen auf.“

Gelegenheitsanfälle

Aus einem epileptischen Anfall folgt nicht zwangsläufig auch eine Epilepsie. Im Kindesalter sind die meisten epileptischen Anfälle so genannte Fieberkrämpfe. Diese gehören zu den epileptischen Gelegenheitsanfällen und treten nur im Kleinkindesalter bis etwa zum fünften Lebensjahr auf. Die Kinder sind dabei in der Regel bewusstlos und zucken rhythmisch am ganzen Köper. Ein schlimmer Anblick, der viele Eltern glauben lässt, ihr Kind würde sterben. „Medizinisch gesehen sind die meisten Fieberkrämpfe jedoch harmlos“, beruhigt Dr. Finetti. „Sie treten zumeist im Rahmen banaler Infekte auf – besonders zu Beginn der Erkrankung bei raschem Anstieg der Temperatur. Fieberkrämpfe dauern in der Regel weniger als fünf Minuten und hören von selber wieder auf. Eine erhöhte Gefahr, dass das Kind nach einem Fieberkrampf eine Epilepsie entwickelt, ist nicht gegeben. Auch die weitere Entwicklung des Kindes ist nicht gestört.“ Und doch sollte jedes Kind nach einem Fieberkrampf von einem Arzt untersucht werden, da ein Krampfanfall bei Fieber in seltenen Fällen auch ein Symptom einer Hirnhautentzündung sein kann. Um dies festzustellen bedarf es einer eingehenden Untersuchung durch einen Fachmann, meist verbunden mit einer kurzen stationären Überwachung im Krankenhaus.

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Genaue Diagnose entscheidend für Therapie

Hatte ein Kind mehrere unprovozierte epileptische Anfälle, spricht man von einer Epilepsie. Etwa zwei bis vier Prozent der Menschen sind davon betroffen. Die Epilepsie ist damit die häufigste Erkrankung des Gehirns überhaupt. Das Risiko zu erkranken ist im ersten Lebensjahr und jenseits des 60. Lebensjahres am größten und fällt im mittleren Lebensalter deutlich ab. Die Ursachen der Epilepsie sind vielfältig und bleiben bei etwa einem Drittel der Fälle unbekannt, da sich keine Grunderkrankungen des Gehirns finden lassen. Im Kindesalter beginnende Epilepsien sind häufig genetisch bedingt. „Die Abklärung, um welche Form einer Epilepsie es sich handelt, ist wichtig für die Therapie und die Prognose. Sie sollte selbstverständlich von einem Spezialisten durchgeführt werden“, so Dr. Finetti. „Zur guten Diagnostik gehört immer auch eine genaue Anamnese, in der erforscht wird, ob es Familienangehörige mit gleichen Problemen gibt oder ob Hinweise auf Störungen in der bisherigen Entwicklung des Kindes vorliegen. Die wichtigste Untersuchung zur weiteren Abklärung ist die Messung der Hirnströme mittels Elektroenzephalographie – kurz EEG genannt. Das EEG ist die einzige Methode zum direkten Nachweis einer Epilepsie. Falls notwendig, kann zusätzlich auch eine Magnetresonanztomographie – eine röntgenstrahlenfreie Schichtaufnahme des Gehirns – durchgeführt werden.“

Ein Leben ohne Einschränkungen

Einzelne epileptische Anfälle sind nicht behandlungsbedürftig. Die meisten Epilepsien jedoch müssen – meistens über mehrere Jahre – medikamentös eingestellt werden. Abhängig von der Art der Epilepsie, der Häufigkeit und Schwere der Anfälle sowie des Alters des Kindes werden die entsprechenden Medikamente verordnet. Regelmäßige Kontrolluntersuchungen bei einem Spezialisten sollten selbstverständlich sein. „Es gibt Epilepsien, die nach wenigen Jahren aufhören. Manche verschwinden beispielsweise mit der Pubertät. Einige Menschen behalten ihre Erkrankung jedoch auch ihr gesamtes Leben lang“, weiß Dr. Finetti. „Mit Hilfe moderner Medikamente sowie einer adäquaten Lebensführung haben Menschen mit Epilepsie aber eine große Chance auf ein Leben ohne Einschränkungen. Dies gilt vor allem bei Kindern. Wichtig ist jedoch eine schnelle und genaue Diagnose und eine konsequente Behandlung. Dann haben die betroffenen Kinder die besten Voraussetzungen, sich ganz normal zu entwickeln.“

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