Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die Fledermaus: ein sonderbarer Wirt für Tollwut

19.07.2007
Unbehandelt kann die Tollwut, die von verschiedenen Wild- oder Haustieren, einschließlich Fledermäusen, übertragen wird, zum Tod führen. Jährlich fallen dieser Krankheit weltweit 50.000 Tiere zum Opfer. In den seltenen Fällen, in denen Menschen betroffen waren (lediglich 4 beschriebene Fälle in Europa seit 1985), ging die Ansteckung auf Fledermäuse zurück.

Dieser berühmte Grottenbewohner macht mit seinen ungefähr tausend verschiedenen Unterarten 20 % der Säugetiere aus und bildet ein unerschöpfliches Reservoir an potentiellen Viren, wie den Lyssavirus, den Erreger der Tollwut, aber auch zahlreiche andere Viren (Ebola, Hendra, Nipah…).

Aus diesem Grund führten die Forschungseinheit „Dynamik des Lyssavirus und Anpassung an den Wirt“ des Pasteur- Instituts unter der Leitung von Hervé Bourhy und das Team um Jordi Serra-Cobo der Abteilung für Tierbiologie der Universität Barcelona gemeinsam eine der größten Studien zum Thema Tollwut bei Fledermäusen durch. Insgesamt wurden mehr als 800 insektenfressende Fledermäuse über 12 Jahre auf den Balearen studiert. Auf diese Weise konnten die Forscher beobachten, dass im Unterschied zu anderen Wirten des Tollwutvirus, die Infektion bei Fledermäusen nicht tödlich verläuft und sie nicht zwangsläufig zu Verhaltensveränderungen führt. Des Weiteren konnten die Forscher aus den erhaltenen Ergebnissen eine durchschnittliche Dauer von 5 Tagen ermitteln, während der eine infizierte Fledermaus ansteckend ist. Der Nachweis dieses begrenzten Infektionsrisikos unterstützt die für Europa getroffene Entscheidung diese Tiere zu schützen und nicht deren Kolonien zu zerstören, die eine Tollwutinfektion aufweisen.

Die einzig vernünftige Präventivmaßnahme, so wie sie bereits auf den Balearen umgesetzt wird, ist, den Zugang zu den Grotten zu verbieten, in denen infizierte Fledermäuse vermutet werden. Derzeit sind die Forschungsarbeiten des Teams um Hervé Bourhy, in Kooperation mit einer weiteren Einheit des Pasteur-Instituts und dem Team aus Barcelona, auf zwei Gebiete orientiert. Einerseits wollen sie die Mechanismen des Ausbruchs einer Infektion in Fledermauskolonien untersuchen, und anderseits wollen sie, durch Mitarbeit des tunesisches Pasteur-Instituts, eine Parallele zwischen der Migration von Tieren zwischen Europa und Afrika und der Ausbreitung des Lyssavirus ziehen.

... mehr zu:
»Fledermaus »Lyssavirus »Tollwut
Kontakt:
25, 28 rue du Docteur Roux 75724 Paris CEDEX 15 @ hbourhy@pasteur.fr
+33 1 40 61 30 20
http://www.pasteur.fr
Quelle: Pressemitteilung des Pasteur Instituts, 27.06.2007
Redakteurin: Mathilde Renault, mathilde.renault@diplomatie.gouv.fr
Wissenschaft-Frankreich (Nummer 125, 18. Juli 2007)
Französische Botschaften in Deutschland, Österreich und der Schweiz
Kostenloses Abonnement durch E-Mail : sciencetech@botschaft-frankreich.de

| Wissenschaft-Frankreich
Weitere Informationen:
http://www.wissenschaft-frankreich.de/allemand

Weitere Berichte zu: Fledermaus Lyssavirus Tollwut

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Gefäßregeneration: Wie sich Wunden schließen
12.12.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Mit 3D-Zellkulturen gegen Krebsresistenzen
11.12.2017 | Universität Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Im Focus: Electromagnetic water cloak eliminates drag and wake

Detailed calculations show water cloaks are feasible with today's technology

Researchers have developed a water cloaking concept based on electromagnetic forces that could eliminate an object's wake, greatly reducing its drag while...

Im Focus: Neue Einblicke in die Materie: Hochdruckforschung in Kombination mit NMR-Spektroskopie

Forschern der Universität Bayreuth und des Karlsruhe Institute of Technology (KIT) ist es erstmals gelungen, die magnetische Kernresonanzspektroskopie (NMR) in Experimenten anzuwenden, bei denen Materialproben unter sehr hohen Drücken – ähnlich denen im unteren Erdmantel – analysiert werden. Das in der Zeitschrift Science Advances vorgestellte Verfahren verspricht neue Erkenntnisse über Elementarteilchen, die sich unter hohen Drücken oft anders verhalten als unter Normalbedingungen. Es wird voraussichtlich technologische Innovationen fördern, aber auch neue Einblicke in das Erdinnere und die Erdgeschichte, insbesondere die Bedingungen für die Entstehung von Leben, ermöglichen.

Diamanten setzen Materie unter Hochdruck

Im Focus: Scientists channel graphene to understand filtration and ion transport into cells

Tiny pores at a cell's entryway act as miniature bouncers, letting in some electrically charged atoms--ions--but blocking others. Operating as exquisitely sensitive filters, these "ion channels" play a critical role in biological functions such as muscle contraction and the firing of brain cells.

To rapidly transport the right ions through the cell membrane, the tiny channels rely on a complex interplay between the ions and surrounding molecules,...

Im Focus: Stabile Quantenbits

Physiker aus Konstanz, Princeton und Maryland schaffen ein stabiles Quantengatter als Grundelement für den Quantencomputer

Meilenstein auf dem Weg zum Quantencomputer: Wissenschaftler der Universität Konstanz, der Princeton University sowie der University of Maryland entwickeln ein...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Innovative Strategien zur Bekämpfung von parasitären Würmern

08.12.2017 | Veranstaltungen

Hohe Heilungschancen bei Lymphomen im Kindesalter

07.12.2017 | Veranstaltungen

Der Roboter im Pflegeheim – bald Wirklichkeit?

05.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mit Quantenmechanik zu neuen Solarzellen: Forschungspreis für Bayreuther Physikerin

12.12.2017 | Förderungen Preise

Stottern: Stoppsignale im Gehirn verhindern flüssiges Sprechen

12.12.2017 | Biowissenschaften Chemie

E-Mobilität: Neues Hybridspeicherkonzept soll Reichweite und Leistung erhöhen

12.12.2017 | Energie und Elektrotechnik