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Vom Tod der schwarzen Gehirnzellen

10.07.2007
Für seine Arbeiten in der Parkinson-Forschung hat der Würzburger Professor Manfred Gerlach den Forschungspreis der Senator-Dr.-Franz-Burda-Stiftung für das Jahr 2006 erhalten. Die mit 5.000 Euro dotierte Auszeichnung wurde ihm zusammen mit Professor Wolf-Dieter Rausch (Wien) am 23. Juni bei der Eröffnung des 39th International Danube Symposium und 1st International Congress on ADHD im Congress-Centrum Würzburg verliehen.

Manfred Gerlach, 1954 in Hammelburg geboren, studierte Chemie, Biologie und Pharmazie in Würzburg und Bielefeld und promovierte 1981 an der Uni Würzburg mit einer Arbeit "Zur Synthese von einigen Silizium-haltigen Arzneimitteln mit zentraler Wirkung". Schon seit seiner Diplomarbeit beschäftigt er sich mit der Entwicklung neuer Therapiestrategien gegen die Parkinson-Krankheit. 1991 habilitierte er sich in Klinischer Neurochemie an der Uni Bochum und wurde dort 1998 zum außerplanmäßigen Professor ernannt. Seit 2001 leitet Gerlach an der Uni Würzburg das Labor für Klinische Neurobiologie an der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie. Der Botenstoff Dopamin, der bei der Parkinson-Krankheit eine Rolle spielt, ist auch für kinder- und jugendpsychiatrische Erkrankungen von Bedeutung.

Der Name der Stiftung geht auf den Verleger Franz Burda zurück, der an der Parkinson-Krankheit litt und bei dem Wiener Neurologen und Mitentdecker der L-DOPA-Therapie, Professor Walther Birkmayer, in Behandlung war. Aus Dankbarkeit stiftete er 1984 eine Million österreichische Schilling für die Parkinson-Forschung. Erstmals wurde der Forschungspreis 1985 an den späteren schwedischen Nobelpreisträger Professor Arvid Carlsson für seine grundlegenden Arbeiten über Dopamin vergeben.

Die Parkinson-Krankheit trifft vor allem ältere Menschen. In einer schwarz gefärbten Region des Mittelhirns sterben dabei nach und nach Nervenzellen ab, die den Botenstoff Dopamin produzieren und das dunkel gefärbte Pigment Neuromelanin enthalten. Dopamin benötigt der Mensch für die willkürliche Steuerung seiner Bewegungen. Wegen des Absterbens der Nervenzellen entsteht ein Dopamin-Mangel, der zu Bewegungslosigkeit, Muskelzittern, Muskelstarre und zum Verlust der Körperkontrolle führt. Durch die Behandlung mit der Dopamin-Vorstufe L-DOPA, die ins Gehirn eindringen kann, lassen sich die Symptome jedoch unterdrücken.

Derzeit erforscht Manfred Gerlach vor allem die physiologische Funktion des dunklen Pigments Neuromelanin. Wenn man hierüber Bescheid wüsste, könnte man auch verstehen, warum Neuromelanin enthaltende Nervenzellen vorwiegend bei Parkinson-Kranken zugrunde gehen. Zusammen mit Professor Peter Riederer und Wissenschaftlern von der Uni Bochum hat der Preisträger erstmals ermittelt, aus welchen Proteinen die so genannten Neuromelanin-Organellen (das sind Zellstrukturen für spezielle Stoffwechselleistungen) zusammengesetzt sind. So kamen die Wissenschaftler zu dem Schluss, dass Neuromelanin kein Abfallprodukt der Zelle ist, sondern dass es gezielt nach einem genetischen Programm gebildet wird, um bestimmte Aufgaben zu erfüllen.

Das wissenschaftliche Engagement von Professor Gerlach dokumentiert sich auch in zahlreichen Buchbeiträgen und Aufsätzen über die Parkinson-Krankheit. Mit seinen Kollegen Peter Riederer und Heinz Reichmann hat er ein Buch über die Grundlagen, Klinik und Therapie der Parkinson-Krankheit verfasst, das im Jahr 2000 erstmals im Springer-Verlag erschien und 2007 bereits in der vierten Auflage gedruckt wurde. Es gilt mittlerweile als Standardwerk.

Kontakt: Prof. Dr. Manfred Gerlach, T (0931) 201-77940, manfred.gerlach@mail.uni-wuerzburg.de

Robert Emmerich | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-wuerzburg.de

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