Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Nachdenkliches zum Welt-AIDS-Tag 2000 ...

30.11.2000


... mehr zu:
»Aids »HIV-Infektion »Infektion »Virus
"Wir müssen Grenzen überwinden, das Virus tut es ständig" - anlässlich des Welt-AIDS-Tages morgen, 1. Dezember 2000, warnt der Vorsitzende der Deutschen AIDS-Gesellschaft, Prof. Dr. Norbert Brockmeyer
(Klinik für Dermatologie und Allergologie am St. Josef-Hospital, Klinikum der Ruhr-Universität Bochum) davor, sich in Europa auf der sicheren Seite zu fühlen. AIDS beschränke sich nicht nur auf die Entwicklungsländer und werde auch im neuen Jahrtausend eine der großen medizinischen Herausforderungen sein, insbesondere in den osteuropäischen Ländern.

Ungebrochene Epidemie

"Derzeit werden noch die HIV-Zahlen in Afrika als abschreckende Mahnung in der Welt verbreitet. Dabei übersehen wir aber, dass vor unseren eigenen Haustür, nämlich in Osteuropa, die HIV-Epidemie explodiert", so Brockmeyer. Sie erscheint weltweit ungebrochen: 19 Jahre nach der Entdeckung dieser neuen und tödlichen Erkrankung AIDS und 17 Jahre nach der Entdeckung des Virus und seiner Übertragung und Ausbreitung gelang es bisher nur in einigen Ländern dieser Erde, die Ausbreitung der Infektion so einzuschränken, dass die Zahl der jährlichen Neuinfektionen hinter denen des Vorjahres liegt.

Trauriger Rekord

Mit Ausnahme weniger Länder der Dritten Welt, in denen mit großem Engagement die Möglichkeiten der Prävention erprobt und nachgewiesen werden konnten (z. B. Uganda), führt die unverminderte Ausbreitung dieser tödlichen Infektion in dem produktivsten, nämlich dem jungen Teil der Bevölkerung zu einer gesellschaftlichen Katastrophe. Das Bruttosozialprodukt wird in diesen Ländern in den nächsten Jahren um bis zu 20 % sinken. Armut, fehlende Bildung, Kriege und Hungersnöte aber auch politische Ignoranz sind heute die Grundlage, auf der unter Kenntnis der Ätiologie und Übertragungsmechanismen die Ausbreitung der HIV-Infektion ungehemmt wächst. Im Jahr 2000 sind 3 Millionen Menschen an AIDS gestorben, 36,1 Millionen sind mit dem HI-Virus infiziert (davon 5.3 Millionen Neuinfizierte) - ein neuer trauriger Rekord.

Unterstützung und Prävention in Osteuropa

In den neuen unabhängigen Ländern Osteuropas waren 1999 420.000 Menschen infiziert. Nun ein Jahr später werden die Infektionszahlen auf 700.000 geschätzt. Allein in Russland haben sich im letzten Jahr 50.000 Menschen neu infiziert - das sind mehr, als zwischen 1989 und 1999 insgesamt in diesem Land infiziert waren. "Hier gilt es von unserer Seite, Unterstützung bei der Prävention und auch bei der Versorgung dieser Menschen zu geben", so Brockmeyer. "Sollte es uns nicht gelingen, die HIV-Infektionen in den osteuropäischen Ländern einzudämmen, werden wir sie aufgrund der Reisetätigkeit und anderer Faktoren reimportieren."

Grenzen überwinden

Der 8. Deutsche Aids-Kongress, der unter dem Motto steht "Grenzen überwinden" wird gerade die Problematik der HIV-Infektion in Osteuropa an einem ganzen Tag aufgreifen und Forscher und Betroffene aus diesen Ländern zusammenführen, um Probleme sichtbar zu machen und Lösungsansätze zu formulieren. Neben der Prävention ergibt sich auch die Frage, wie können die gut wirksamen Medikamente, insbesondere neue Medikamente mit neuen Wirkmechanismen wie z. B. Fusionsinhibitoren, die den Eintritt des Virus in die Zelle und somit die Infektion verhindern, den Infizierten in Osteuropa zugänglich gemacht werden? Die Probleme um die HIV-Infektion werden uns auch in den nächsten Jahren begleiten und zunehmend fordern. Der 8. Deutsche AIDS-Kongress vom 4.-7.Juli 2001 wird diese Fragen aufgreifen und versuchen, Antworten zu geben.

Weitere Informationen
Prof. Dr. Norbert Brockmeyer, Klinik für Dermatologie und Allergologie im St. Josef Hospital Bochum - Klinikum der Ruhr-Universität Bochum. Gudrunstr. 56, 44791 Bochum, Tel.: 0234/509-3471, -3474, Fax: 0234/509-3472, E-Mail: N.Brockmeyer@derma.de

Dr. Josef König | idw

Weitere Berichte zu: Aids HIV-Infektion Infektion Virus

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Eine Teleskopschiene für Nanomaschinen
20.04.2018 | Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme, Standort Stuttgart, Stuttgart

nachricht Künstlicher Leberfleck als Frühwarnsystem
19.04.2018 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Software mit Grips

Ein computergestütztes Netzwerk zeigt, wie die Ionenkanäle in der Membran von Nervenzellen so verschiedenartige Fähigkeiten wie Kurzzeitgedächtnis und Hirnwellen steuern können

Nervenzellen, die auch dann aktiv sind, wenn der auslösende Reiz verstummt ist, sind die Grundlage für ein Kurzzeitgedächtnis. Durch rhythmisch aktive...

Im Focus: Der komplette Zellatlas und Stammbaum eines unsterblichen Plattwurms

Von einer einzigen Stammzelle zur Vielzahl hochdifferenzierter Körperzellen: Den vollständigen Stammbaum eines ausgewachsenen Organismus haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Berlin und München in „Science“ publiziert. Entscheidend war der kombinierte Einsatz von RNA- und computerbasierten Technologien.

Wie werden aus einheitlichen Stammzellen komplexe Körperzellen mit sehr unterschiedlichen Funktionen? Die Differenzierung von Stammzellen in verschiedenste...

Im Focus: Spider silk key to new bone-fixing composite

University of Connecticut researchers have created a biodegradable composite made of silk fibers that can be used to repair broken load-bearing bones without the complications sometimes presented by other materials.

Repairing major load-bearing bones such as those in the leg can be a long and uncomfortable process.

Im Focus: Verbesserte Stabilität von Kunststoff-Leuchtdioden

Polymer-Leuchtdioden (PLEDs) sind attraktiv für den Einsatz in großflächigen Displays und Lichtpanelen, aber ihre begrenzte Stabilität verhindert die Kommerzialisierung. Wissenschaftler aus dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPIP) in Mainz haben jetzt die Ursachen der Instabilität aufgedeckt.

Bildschirme und Smartphones, die gerollt und hochgeklappt werden können, sind Anwendungen, die in Zukunft durch die Entwicklung von polymerbasierten...

Im Focus: Writing and deleting magnets with lasers

Study published in the journal ACS Applied Materials & Interfaces is the outcome of an international effort that included teams from Dresden and Berlin in Germany, and the US.

Scientists at the Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) together with colleagues from the Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) and the University of Virginia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

124. Internistenkongress in Mannheim: Internisten rücken Altersmedizin in den Fokus

19.04.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Juni 2018

17.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Birke, Kiefer, Pappel – heilsame Bäume

20.04.2018 | Unternehmensmeldung

Licht macht Ionen Beine

20.04.2018 | Physik Astronomie

Software mit Grips

20.04.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics