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Qualität bei der Operation des Enddarmkrebses verbessern

05.07.2007
Chirurgische Universitätsklinik Heidelberg startet europäisches Trainingsprojekt für radikale, aber schonendere Operationsmethode

Die Chirurgische Universitätsklinik Heidelberg bietet erstmals in Deutschland ein umfassendes Trainingsprogramm für Chirurgen zu einer Operationsmethode bei Enddarmkrebs an, mit der das Risiko einer Rückkehr des Tumors wesentlich gesenkt werden kann. Auch ein permanenter künstlicher Darmausgang ist bei diesem Verfahren seltener erforderlich; Blasenstörungen und Impotenz treten ebenfalls weniger häufig auf.

Bei dieser effektiven, aber gleichzeitig schonenden Operationsmethode handelt es sich um die "Totale Mesorektale Exzision" (TME), eine komplette Entfernung des sogenannten "Mesorektums", zusätzlich zum tumortragenden Darmabschnitt. Diese Hüllschicht des Enddarms besteht aus Binde- und Fettgewebe und enthält besonders viel Lymphbahnen und Blutgefässe, in die Tumorzellen bevorzugt abwandern. Die Operationsmethode wurde von Professor Richard Heald in England entwickelt. Zwar wird sie seit vielen Jahren auch in Deutschland praktiziert; der Behandlungserfolg hängt jedoch entscheidend von der Ausbildung und Erfahrung des Chirurgen ab.

Intensivkurs in Heidelberg wird alle zwei Monate angeboten

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Der Intensiv-Kurs über zwei Tage in Zusammenarbeit mit Professor Heald wird, alternierend in deutscher und englischer Sprache, alle zwei Monate in Heidelberg angeboten und findet wieder am 5. / 6. Juli 2007 statt. Die Teilnehmer werden anhand von Vorlesungen und Live-Operationen in der Operationsmethode geschult. Ziel ist es, die positiven Erfahrungen, die andere Länder mit derartigen Trainingsprogrammen gemacht haben, auch in Deutschland und anderen Ländern umzusetzen und Patienten, die an Enddarmkrebs leiden, ein optimales Behandlungsergebnis zu ermöglichen.

Bösartige Tumoren des Dick- und Enddarms sind - mit über 70. 000 betroffenen Frauen und Männern pro Jahr - die häufigsten bösartigen Erkrankungen in Deutschland. Etwa die Hälfte entsteht im Mastdarm (Rektumkarzinom). Ihre chirurgische Entfernung, eingebettet in ein interdisziplinäres Behandlungskonzept (Strahlentherapie, Chemotherapie), ist Grundlage der erfolgreichen Behandlung dieser Tumore.

Eine besondere Schwierigkeit der chirurgischen Behandlung dieser Tumoren ergibt sich aus der Nähe zum Schließmuskel des Darmes und ihrer Lage im kleinen Becken. Um ein meist nicht mehr behandelbares lokales Wiederauftreten des Tumors (Lokalrezidiv) zu verhindern, müssen der Tumor und die umliegenden Lymphknoten vollständig entfernt werden. Andererseits sollten die für die Sexual- und Schließmuskelfunktion wichtigen Nerven und auch der Schließmuskel selber möglichst erhalten werden.

Statt bei 50 Prozent kehrt der Tumor nur bei 10 Prozent der Patienten zurück

Durch die Totale Mesorektale Exzision konnte die Qualität der chirurgischen Therapie des Rektumkarzinoms in den vergangenen Jahren entscheidend verbessert werden. "Während bei konventionellen Verfahren bei bis zu 50 Prozent der Patienten die Tumoren wieder auftreten, lässt sich diese Quote durch eine exakte Chirurgie auf deutlich unter 10 Prozent senken", erklärt Professor Dr. Markus W. Büchler, Geschäftsführender Direktor der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg.

Deutlich seltener ist auch die permanente Anlage eines künstlichen Darmausganges notwendig. Ebenso treten andere Funktionsstörungen seltener auf: Litten beispielsweise Männer früher nach einer Mastdarmoperation in bis zu 80 Prozent der Fälle unter Impotenz oder Blasenentleerungsstörungen, lässt sich diese Rate nun auf unter 15 Prozent reduzieren.

Trainingsprogramme sind in anderen europäischen Ländern bereits etabliert

Um die Qualität der chirurgischen Therapie zu verbessern, hat Professor Heald ein chirurgisches Trainingszentrum in Basingstoke, England eingerichtet. Auch in anderen europäischen Ländern wie Schweden und Holland gibt es seit Jahren nationale Ausbildungsinitiativen, die nachweislich die Qualität der chirurgischen Therapie zum Wohle der Patienten verbessert haben. In Deutschland wurde ein solches Ausbildungsprojekt bislang nicht durchgeführt. In Zusammenarbeit mit Prof. Heald wurde daher nun in Heidelberg ein Trainingsprojekt zur Verbesserung der Qualität der Rektumkarzinomchirurgie gestartet.

"Die positiven Erfahrungen aus anderen europäischen Ländern und die Erkenntnis, dass die Qualität der Chirurgie wesentlich das Behandlungsergebnis bei Patienten mit einem Enddarmkrebs beeinflusst, haben uns dazu veranlasst, Chirurgen aus Deutschland und Europa einen solchen Trainingskurs anzubieten", sagt Professor Dr. Jürgen Weitz, Leiter der Sektion Chirurgische Onkologie an der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg.

Die Chirurgische Universitätsklinik Heidelberg gehört zu den führenden Zentren der Dick- und Enddarmkarzinomchirurgie in Deutschland. In enger Zusammenarbeit mit dem Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg werden hier jährlich etwa 250 Patienten mit Dick- und Enddarmkrebs nach modernsten Therapiekonzepten behandelt.

Informationen im Internet:

Chirurgische Universitätsklinik Heidelberg:
www.klinikum.uni-heidelberg.de/Veranstaltungen.100626.0.html
Kontakt:
Onkologische Sprechstunde, Chirurgische Universitätsklinik Heidelberg,
Tel: 06221 / 56 62 52
Prof. Dr. Jürgen Weitz
Leiter der Sektion Chirurgische Onkologie
Chirurgische Universitätsklinik Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 110
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 62 50 (Sekretariat)
E-Mail: juergen.weitz@med.uni-heidelberg.de
Prof. Dr. Markus W. Büchler
Geschäftsführender Direktor
Chirurgische Universitätsklinik Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 110
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 62 01 (Sekretariat)
E-Mail: markus.buechler@med.uni-heidelberg.de
Bei Rückfragen von Journalisten:
Dr. Annette Tuffs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Universitätsklinikums Heidelberg
und der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 45 36
Fax: 06221 / 56 45 44
E-Mail: annette.tuffs(at)med.uni-heidelberg.de

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/presse
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/Veranstaltungen.100626.0.html

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