Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Herzklappenimplantation am schlagenden Herzen

29.06.2007
Weltweit erstmalig wurde in der Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie am Deutschen Herzzentrum München eine CoreValve Aortenklappe erfolgreich über die Herzspitze eingesetzt.

Das Team um die Herzchirurgen Prof. Dr. Rüdiger Lange und Prof. Dr. Robert Bauernschmitt operierte am 26.06.2007 zwei Patientinnen mit einem revolutionären, minimal invasiven Verfahren, bei dem eine Stilllegung des Herzens und ein Anschluss an die Herz-Lungen-Maschine nicht mehr notwendig ist. Die Dauer des Eingriffes ist damit wesentlich kürzer und die Operation deutlich schonender als konventionelle Verfahren.

"Insbesondere für ältere Hochrisikopatienten, bei welchen die herkömmliche Operation nicht indiziert ist, eröffnet diese Methode ganz neue Therapiemöglichkeiten", erläutert Prof. Dr. Rüdiger Lange, Direktor der Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie. Für die 87-jährige Patientin wäre ein Eingriff am offenen Herzen unter Einsatz der Herz-Lungen-Maschine zu riskant gewesen, da bei ihr noch weitere Begleiterkrankungen vorlagen. Bei dem neuen Verfahren, der so genannten transapikalen Implantation, wird die Herzspitze lediglich über einen kleinen Hautschnitt im Rippenbereich freigelegt. Über ein spezielles Ballonkathetersystem erweitern die Chirurgen zunächst den Bereich der alten, durch Kalk und Ablagerungen verengten Herzklappe. Anschließend wird die neue Aortenklappe über den Katheter in diese Position vorgeschoben, wo sie sich von selbst entfaltet. Die Klappenimplantation wird unter ständiger Ultraschall- und Röntgenkontrolle durchgeführt und dauert nur wenige Minuten.

Eine weitere Möglichkeit, eine defekte Aortenklappe am schlagenden Herzen zu ersetzen, stellt der transfemorale Zugang dar. Hier ist lediglich die Punktion eines Leistengefäßes notwendig; über die Arteria femoralis wird der Katheter über den Aortenbogen bis in die linke Herzkammer vorgeschoben. Diese Methode wandten die Münchner Chirurgen am gleichen Tag erfolgreich bei einer 73-jährigen Patientin an.

Prof. Dr. Robert Bauernschmitt, Geschäftsführender Oberarzt der Klinik: "Bei beiden Patientinnen konnte mit diesen minimal invasiven bzw. interventionellen Verfahren die Klappenfunktion perfekt wiederhergestellt werden". Durch die Anwendung der neuen Verfahren wird der Krankenhausaufenthalt erheblich verkürzt. Bereits nach wenigen Tagen kann der Patient wieder nach Hause entlassen werden. Mit diesen neuen Methoden können die Herzchirurgen nun auch schwerstkranken Patienten, für die eine Operation mit herkömmlichen Verfahren zu risikoreich wäre, eine optimale Therapie anbieten.

Das Deutsche Herzzentrum München (DHM) der Technischen Universität München ist eines der führenden Spezialzentren zur Behandlung von Herz- und Kreislauferkrankungen bei Erwachsenen und Kindern in Deutschland. Die Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie des Deutschen Herzzentrums München ist international wegweisend auf dem Gebiet der operativen Behandlung erworbener Herzfehler, wie z. B. der Bypasschirurgie und der Herzklappenchirurgie. Darüber hinaus ist das DHM das größte Zentrum zur Behandlung angeborener Herzfehler in Deutschland.

In der Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie wird lückenlos das gesamte Spektrum der Eingriffe am Herzen und an den großen Blutgefäßen von der Säuglingschirurgie über Klappenrekonstruktionsverfahren, Herzkranzarterien-Revaskularisation und operative Rekonstruktion bzw. interventionelle Stentbehandlung der großen intrathorakalen Körperschlagader bis hin zur Herztransplantation und zum Kunstherzersatz durchgeführt. Prof. Dr. Rüdiger Lange ist seit 1999 Direktor der Klinik.

Dr. Ulrich Marsch | idw
Weitere Informationen:
http://www.dhm.mhn.de

Weitere Berichte zu: Aortenklappe Gefäßchirurgie Herzzentrum Katheter

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz: Nierenschädigungen therapieren, bevor Symptome auftreten
20.09.2017 | Universitätsklinikum Regensburg (UKR)

nachricht Neuer Ansatz zur Therapie der diabetischen Nephropathie
19.09.2017 | Universitätsklinikum Magdeburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zum Biomining ab Sonntag in Freiberg

22.09.2017 | Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

DFG bewilligt drei neue Forschergruppen und eine neue Klinische Forschergruppe

22.09.2017 | Förderungen Preise

Lebendiges Gewebe aus dem Drucker

22.09.2017 | Biowissenschaften Chemie