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Seltener Hormontherapie in oder nach den Wechseljahren

28.06.2007
Nach den Berichten über die Risiken der Hormontherapie in der (Post)Menopause, also bei Frauen in oder nach den Wechseljahren, ist in den vergangenen Jahren die Zahl derjenigen gesunken, die solche Präparate einnehmen.

Am deutlichsten ist der Rückgang in der höchsten Sozialschicht. Das mittlere Alter der Anwenderinnen lag bei 55 Jahren. Das sind einige der Ergebnisse eines vom RKI koordinierten Forschungsprojektes. Es liefert erstmals bundesweit repräsentative Daten dazu, wie sich die Verbreitung der Hormontherapie entwickelt hat, und erste Hinweise zu Anwendungsverhalten und Informiertheit bei Migrantinnen. Die Ergebnisse der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanzierten Studie wurden am 27.06.2007 auf einem Symposium in Berlin vorgestellt.

Das Forschungsvorhaben läuft noch bis Ende 2007 und besteht aus drei Teilprojekten. Beteiligt sind neben dem RKI die Charité Universitätsmedizin (Campus Virchow, Frauenklinik), das IGES - Institut für Gesundheits- und Sozialforschung und die Alice-Salomon-Fachhochschule (ASFH), alle in Berlin. Die Ergebnisse wird das RKI in seiner Reihe "Beiträge der Gesundheitsberichtstattung" veröffentlichen (Vorbestellung unter gbe@rki.de, Fax 030-18754-3513 oder RKI, GBE, Seestr. 10, 13353 Berlin).

In den Wechseljahren lässt die Produktion von Sexualhormonen nach. Die Veränderungen im Hormonhaushalt können Beschwerden wie Hitzewallungen oder Schlafstörungen verursachen, zugleich erhöht sich das Osteoporose-Risiko. In den Jahren 2002 und 2003 belegten zwei große Studien in den USA bzw. Großbritannien deutliche Gesundheitsrisiken der Hormontherapie. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte empfahl daher 2004, die konventionelle Hormontherapie nicht mehr als Mittel der Wahl zur Vorbeugung von Osteoporose einzusetzen. Zur Osteoporosevorbeugung müssten die Mittel sehr lange eingenommen werden, und Risiken wie Brustkrebs, Gebärmutterschleimhautkrebs, Herzinfarkt und Schlaganfall stiegen mit der Dauer einer Hormontherapie (siehe http://www.bfarm.de > Pharmakovigilanz).

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Das RKI analysierte Daten aus zwei Gesundheitssurveys von 2004 und 1998: die Zahl derjenigen, die zur Befragungszeit Hormone einnahmen, sank von 16,9 % auf 10,1 %. Die Unterschiede des Rückgangs in Abhängigkeit vom Sozialstatus reflektieren möglicherweise Unterschiede im Informationsstand und in der Motivation für die Anwendung der Hormontherapie. IGES wertete Abrechungsdaten einer gesetzlichen Krankenversicherung für den Zeitraum von 2000 bis 2005 aus. Untersucht wurde bei 38.897 menopausalen Frauen, ob und wie sich die Verordnungssituation in Deutschland nach 2002/2003 verändert hat. Obwohl danach insgesamt ein Verordnungsrückgang beobachtet wurde, überrascht, dass weiterhin relativ viele Hormonbehandlungen durchgeführt oder sogar neu begonnen wurden. Die von der ASFH und der Charité durchgeführte Studie zeigte, dass die meisten Frauen unabhängig von Bildungsgrad und Ethnizität die Wechseljahre als natürliche vorübergehende Phase erleben (Deutsche: 89 %; Türkinnen: 71 %, Asiatinnen: 89 %). Türkeistämmige Migrantinnen waren aber deutlich schlechter über das Thema Wechseljahre und die Ergebnisse der oben genannten Studien informiert, berichteten über stärkere Wechseljahresbeschwerden und nutzten häufiger die Hormontherapie.

Ob der Rückgang der Hormontherapie in Deutschland schon zu abnehmenden Erkrankungszahlen an Brustkrebs geführt hat, müssen die folgenden Schätzungen der Zahl auftretender Krebskrankheiten im RKI (Dachdokumentation Krebs) erst noch bestätigen.

Herausgeber
Robert Koch-Institut
Nordufer 20
D-13353 Berlin
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Pressestelle
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(Pressesprecherin)
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Susanne Glasmacher | idw
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