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Protest bei Patienten: Allergiker fordern mehr Beachtung und ganzheitliche Behandlungen

20.03.2002


Der Frühling kommt und mit ihm die Pollen. Allergiker denken bei dem erwachenden Grün nicht nur an die Schönheit der Pflanzen, sondern oft auch an juckende Augen, verstopfte Nasen und Niesanfälle. Die von Schulmedizinern verschriebenen Anti-Histaminika helfen meist nur kurzfristig und eine Heilung oder langfristige Verbesserung des Gesamtzustandes wird nicht erzielt. Unzufriedenheit und Missmut macht sich bei den Patienten deutlich bemerkbar.

Besonders stark erfährt dies auch die Deutsche Gesellschaft für Psycho-Allergologie e.V. Tägliche Anfragen von Allergikern nach erweiterten Behandlungsmöglichkeiten zeigen die bestehende Unzufriedenheit. Häufigster Grund: jahrelange Krankheitssymptome und keine Behandlungserfolge. Viele Patienten beklagen auch, dass sie von Arzt zu Arzt weitergereicht werden würden, sich aber nichts ändert. Viele denken, dass sie in eine Schublade gesteckt worden sind und so auch therapiert werden.

"Die klassische Medizin behandelt Allergien mit lindernden Medikamenten und empfiehlt als wirksamstes therapeutisches Mittel die Allergenkarenz. Die Patienten lernen ihrer Krankheit hilflos ausgeliefert zu sein. Nach Erkenntnissen der Psycho-Neuroimmunologie gibt es Hinweise, dass übertriebene Angst oder Stress den Organismus derart negativ beeinflusst, dass eine allergische Reaktion begünstigt wird", so Dr. Klaus Witt, erster Vorsitzender Deutsche Gesellschaft für Psycho-Allergologie e.V. Aus psychologischer Sicht sei nur eine Karenz zu empfehlen, wenn sie wirklich umsetzbar sei und nicht durch die Unmöglichkeit der Forderung zu verstärkter Hilflosigkeit und Angst führe. Gräser- oder Blütenpollen aus dem eigenen Leben auszuschließen ist schwer. Heuschnupfenpatienten erzählen, sie hätten Angst im Frühjahr oder Sommer das Haus zu verlassen, da sie genau wissen, dass es ihnen dann schlechter geht.
Witt: "Der Patient muss sich nicht vor Allergenen verstecken. Der Körper kann lernen, anders auf Allergene zu reagieren. Verfügt der Mensch über Erfahrungen, in denen er im Kontakt mit Allergenen die gewünschte gesunde Reaktion zeigte, gilt es, diese physiologischen Mechanismen als neue Wahrnehmungsverarbeitungsstrategie zu trainieren." Der Allergiker soll also lernen, beim Anblick von grünen Wiesen nicht mehr von vornherein an Niesen und Atemnot zu denken, wodurch die allergischen Reaktionen gefördert werden würde, sondern die Wiese mit schönen Gefühlen zu verbinden, zum Beispiel barfuss durch hohes Gras zu laufen.
Die Wirksamkeit trainierter Wahrnehmungen wurde 1998 in einer Studie zum Thema Effekte mentaler Allergiebehandlungen, Evaluation des Hildesheimer Gesundheitstrainings zur mentalen Beeinflussung der allergischen Immunantwort auf Birkenpollen am Universitätskrankenhaus Hamburg Eppendorf klinisch getestet und konnte bestätigt werden.

Zu diesem und anderen Themen, wie psychosoziale Faktoren bei Allergien und klassische Konditionierung einer gesunden Immunreaktion, organisiert die Gesellschaft für Psycho-Allergologie e.V. kostenlose Informationsveranstaltungen deutschlandweit für Betroffene, Heilkundige und Interessierte.
Die nächsten Termine sind:

13.04.2002 in Hannover, Referent ist Dr. Ingo Wilcke
17.04.2002 in Rodenbach, Referent ist Karl-Heinz Wenzel
18.04.2002 in Bargteheide/ Hamburg, Referent ist Dr. Klaus Witt
25.04.2002 in Bad Nauheim, Referent ist Karl-Heinz Wenzel
25.04.2002 in Waldshut Tiengen, Referentin ist Petra Felber

Anmeldungen unter Tel: 04532/ 500 696

Margareta Hinz | idw
Weitere Informationen:
http://www.psycho-allergologie.de/

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