Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Strahlentherapie bei Lungenkrebs soll optimiert werden

20.03.2002


Auf dem Weg zum Tumor wird bei der Strahlentherapie auch gesundes Lungengewebe getroffen. Die potenziellen Nebenwirkungen - Entzündung und Fibrose - stehen im Mittelpunkt eines von der Deutschen Krebshilfe geförderten Forschungsprojekts.
Grafik: Kolb


Bei bestimmten Fällen von Lungenkrebs könnte eine Strahlentherapie im Prinzip den gesamten Tumor zerstören - wären da nicht die Nebenwirkungen auf das gesunde Lungengewebe. Darum untersuchen Wissenschaftler von der Uni Würzburg, was nach einer Bestrahlung in den gesunden Zellen der Lunge passiert. Ihr Projekt wird von der Deutschen Krebshilfe mit rund 150.000 Euro gefördert.

Der Lungenkrebs ist eine der häufigsten Krebserkrankungen beim Menschen und wird leider meist erst in fortgeschrittenen Stadien erkannt. In der Regel ist er nur durch eine Operation heilbar. Oft ist ein solcher Eingriff aber nicht möglich: Entweder befindet sich der Tumor zu nahe beim Herzen oder bei großen Blutgefäßen, oder es sind zum Zeitpunkt der Diagnosestellung bereits Metastasen im Körper des Patienten vorhanden.

In diesen Fällen stellen Strahlen- und Chemotherapie eine Alternative dar: Häufig können damit ein Aufschub der Erkrankung und eine Linderung der Beschwerden, manchmal auch eine dauerhafte Heilung erreicht werden.

Bei lokal ausgedehnten Tumoren, die auf den Brustraum beschränkt sind und noch keine Metastasen abgeschnürt haben, könnte eine Strahlentherapie prinzipiell die vollständige Zerstörung der Geschwulste bewirken - wären da nicht die Nebenwirkungen: Die Strahlen müssen auf ihrem Weg zum Tumor gesundes Lungengewebe passieren und können dabei Zellen der Lungenbläschen und der kleinen Atemwege schädigen.

Zwar sind diese Zellen weit weniger strahlenempfindlich als die bösartigen Tumorzellen, es kann aber trotzdem, abhängig von der Dosis, zu Entzündungsreaktionen und zur übermäßigen Bildung von Bindegewebe und Narben kommen. Dadurch kann letzten Endes eine Lungenfibrose entstehen, die unter Umständen zu einer Lungenversteifung und - je nach deren Ausdehnung - zu einer schweren Atemnot führt.

Diese potenziell schwer wiegende Nebenwirkung wird vermutlich durch eine gestörte Kommunikation der beteiligten Zellen in der Lunge hervorgerufen. Zellen verständigen sich über unterschiedlichste Botenstoffe, so genannte Zytokine. Wird eine gesunde Lunge bestrahlt, dann sind in den bestrahlten und später vernarbenden Bereichen verstärkt solche Zytokine nachweisbar, die Entzündungen fördern und das Bindegewebe stimulieren - vor allem der "Transforming Growth Factor beta" (TGF beta).

Dr. Martin Kolb von der Medizinischen Klinik und Dr. Jochen Willner von der Klinik für Strahlentherapie wollen die Kommunikation zwischen bestrahlten gesunden Zellen der Lunge erforschen und Störungen erkennen. Zu diesem Zweck werden Zellen aus Lungenbläschen, Atemwegen und dem Bindegewebe der Lunge gemeinsam in einer Zellkultur bestrahlt. Danach untersuchen die Wissenschaftler die Reaktionen und Wechselwirkungen der Zellen auf molekularer Ebene.

Ein Schwerpunkt liegt auf der Analyse der Kollagensynthese der Bindegewebszellen, da Kollagen der Hauptbestandteil der Narben ist. Auch TGF beta steht im Mittelpunkt des Interesses, da dieses Zytokin als Schlüsselfaktor bei der Reaktion einer gesunden Lunge auf Bestrahlung gilt. Gegen TGF beta stehen bereits mehrere spezifische Hemmstoffe zur Verfügung.

Die Entwicklung von Wirkstoffen, welche die durch Strahlen ausgelösten Schäden an gesundem Lungengewebe verringern können, hätte weit reichende Konsequenzen für den klinischen Einsatz der Strahlentherapie: Die Ärzte könnten die Strahlendosis erhöhen und dadurch bei einer großen Zahl von bösartigen Lungentumoren auch ohne Operation eine Heilung erreichen.

Weitere Informationen: Dr. Martin Kolb, T (0931) 201-3454 oder 201-3556, Fax (0931) 201-2254, E-Mail: 
m.kolb@medizin.uni-wuerzburg.de

Robert Emmerich | idw

Weitere Berichte zu: Bindegewebe Lunge Lungengewebe Lungenkrebs Strahlentherapie TGF Zytokin

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz zur Therapie der diabetischen Nephropathie
19.09.2017 | Universitätsklinikum Magdeburg

nachricht Ein neuer Ansatz bei Hyperinsulinismus
18.09.2017 | Schweizerischer Nationalfonds SNF

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Im Focus: Ultrakurze Momentaufnahmen der Dynamik von Elektronen in Festkörpern

Mit Hilfe ultrakurzer Laser- und Röntgenblitze haben Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik (Garching bei München) Schnappschüsse der bislang kürzesten Bewegung von Elektronen in Festkörpern gemacht. Die Bewegung hielt 750 Attosekunden lang an, bevor sie abklang. Damit stellten die Wissenschaftler einen neuen Rekord auf, ultrakurze Prozesse innerhalb von Festkörpern aufzuzeichnen.

Wenn Röntgenstrahlen auf Festkörpermaterialien oder große Moleküle treffen, wird ein Elektron von seinem angestammten Platz in der Nähe des Atomkerns...

Im Focus: Ultrafast snapshots of relaxing electrons in solids

Using ultrafast flashes of laser and x-ray radiation, scientists at the Max Planck Institute of Quantum Optics (Garching, Germany) took snapshots of the briefest electron motion inside a solid material to date. The electron motion lasted only 750 billionths of the billionth of a second before it fainted, setting a new record of human capability to capture ultrafast processes inside solids!

When x-rays shine onto solid materials or large molecules, an electron is pushed away from its original place near the nucleus of the atom, leaving a hole...

Im Focus: Quantensensoren entschlüsseln magnetische Ordnung in neuartigem Halbleitermaterial

Physiker konnte erstmals eine spiralförmige magnetische Ordnung in einem multiferroischen Material abbilden. Diese gelten als vielversprechende Kandidaten für zukünftige Datenspeicher. Der Nachweis gelang den Forschern mit selbst entwickelten Quantensensoren, die elektromagnetische Felder im Nanometerbereich analysieren können und an der Universität Basel entwickelt wurden. Die Ergebnisse von Wissenschaftlern des Departements Physik und des Swiss Nanoscience Institute der Universität Basel sowie der Universität Montpellier und Forschern der Universität Paris-Saclay wurden in der Zeitschrift «Nature» veröffentlicht.

Multiferroika sind Materialien, die gleichzeitig auf elektrische wie auch auf magnetische Felder reagieren. Die beiden Eigenschaften kommen für gewöhnlich...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

»Laser in Composites Symposium« in Aachen – von der Wissenschaft in die Anwendung

19.09.2017 | Veranstaltungen

Biowissenschaftler tauschen neue Erkenntnisse über molekulare Gen-Schalter aus

19.09.2017 | Veranstaltungen

Zwei Grad wärmer – und dann?

19.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

»Laser in Composites Symposium« in Aachen – von der Wissenschaft in die Anwendung

19.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Zentraler Schalter der Immunabwehr gefunden

19.09.2017 | Biowissenschaften Chemie

Neue Materialchemie für Hochleistungsbatterien

19.09.2017 | Biowissenschaften Chemie