Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Tumorschmerzen - Forschung für neue Therapieansätze

20.06.2007
Tumorpatienten leiden sehr oft unter chronischen Schmerzen, die insbesondere bei Infiltration peripherer Nerven und Destruktion der Knochen durch Knochenmetastasen schwer zu behandeln sind. Um diesen Patienten besser helfen zu können, werden neue therapeutische Angriffspunkte gesucht.
In einem von der Wilhelm Sander Stiftung geförderten Projekt analysiert das Forscherteam um Prof. Irmgard Tegeder und Prof. Jörn Lötsch die Bedeutung des Enzyms, GTP Cyclohydrolase, für die Manifestation für Tumorschmerzen. Durch die geplanten Untersuchungen soll geklärt werden, ob eine Modifikation der Aktivität dieses Enzyms zu neuen therapeutische Möglichkeiten führen kann.

Tumorschmerzen entstehen durch Infiltration, Kompression und Destruktion gesunden Gewebes. Insbesondere bei Schädigung von Nerven und Knochenmetastasen treten schwer behandelbare chronische Schmerzen auf, die die Lebensqualität betroffener Patienten erheblich beeinträchtigen.

Um mögliche neue Therapieansätze zu finden, haben wir untersucht, welche Gene nach einer Schädigung des Ischiasnerven in Dorsalganglien und Rückenmark der Ratte verstärkt oder vermindert gebildet werden. Unter zahlreichen Genen stach dabei eine Enzymkaskade besonders hervor, bei der mehrere hintereinander geschaltete Enzyme verstärkt gebildet wurden. Diese Enzymkaskade beginnt mit der GTP Cyclohydrolase und führt zur Bildung von Tetrahydrobiopterin (BH4).

BH4 ist ein Enzym-Hilfsfaktor, der für die Bildung von Botenstoffen des Nervensystems und Stickstoffmonoxid essentiell ist. Eine übermäßige Produktion von BH4 trägt jedoch zur Schmerzentwicklung bei. Die direkte Injektion von BH4 löst bei Nagern Schmerz-ähnliches Verhalten aus, dagegen führt die Normalisierung der BH4-Produktion zu wesentlicher Schmerzreduktion in verschiedenen neuropathischen und entzündlichen Schmerzmodellen.
... mehr zu:
»BH4 »Cyclohydrolase »GCH1 »GTP »Tumorschmerzen

Beim Menschen gibt es genetische Varianten des Gens, das für die GTP Cyclohydrolase (GCH1) kodiert. Eine bestimmte GCH1 Variante, die bei 2.5% der Menschen auf beiden Chromosomen und bei 25% der Menschen auf einem Chromosom vorkommt, vermindert chronische neuropathische Schwerden bei Bandscheibenleiden, und reduziert ebenfalls die Schmerzempfindlichkeit bei gesunden Freiwilligen in verschiedenen experimentellen Schmerztests. Träger dieser schmerzprotektiven Genvariante zeigen nach Stimulation im Vergleich zu Nicht-Trägern keine überschießende BH4 Produktion. Die physiologische Produktion ist dagegen normal, so dass mit dieser genetischen Variante keine Krankheitssymptome verbunden sind.

In einem Knochentumor-Modell bei der Maus untersuchen Prof. Tegeder und Prof. Lötsch nun die Rolle der GTP Cyclohydrolase und des Tetrahydrobiopterin für die Entstehung und Intensität von Tumorschmerzen sowie die molekularen Mechanismen, die bei dieser besonderen Schmerzform von Bedeutung sind.

Da eine Diagnose der GCH1 Variante beim Patienten helfen könnte, das individuelle Risiko für Tumorschmerzen einschätzen zu können, wird in Kooperation mit Frau Prof. Elke Jäger, Klinik für Onkologie und Hämatologie am Nordwestkrankernhaus Frankfurt am Main, untersucht, ob eine Assoziation zwischen GCH1 Varianten und Auftreten und Intensität der Tumorschmerzen besteht. Es könnte beispielsweise möglich sein, Patienten zu identifizieren, die aufgrund eines hohen individuellen Schmerzrisikos von frühzeitiger analgetischer Behandlung profitieren würden. Zudem scheint es denkbar, neue Analgetika zu entwickeln, die die Auswirkungen der genetischen GCH1 Variation nachahmen, d.h. bei schmerzhaftrer Stimulation eine exzessive BH4 Bildung in Nervenzellen verhindern, jedoch die physiologisch notwendige BH4 Produktion nicht beeinträchtigen.

Kontakt: Prof. Dr. Irmgard Tegeder, Frankfurt/M. und Jörn Lötsch
Institut für Klinische Pharmakologie / ZAFES
Klinikum der Johann Wolfgang Goethe Universität, Frankfurt am Main
Tel. +49 (69) 6301 7621 Fax: +49 (69) 6301 7636
e-mal: tegeder@em.uni-frankfurt.de
Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert dieses Forschungsprojekt mit über 185.000 €. Stiftungszweck der Stiftung ist die medizinische Forschung, insbesondere Projekte im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden dabei insgesamt über 160 Mio. Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Bernhard Knappe | idw
Weitere Informationen:
http://www.wilhelm-sander-stiftung.de

Weitere Berichte zu: BH4 Cyclohydrolase GCH1 GTP Tumorschmerzen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein
02.12.2016 | Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

nachricht Epstein-Barr-Virus: von harmlos bis folgenschwer
30.11.2016 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie