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Kinderwunsch nach Krebs soll allen Frauen in Europa ermöglicht werden

18.06.2007
Neu gegründete "Europäische Task Force zum Schutz der Fruchtbarkeit bei Frauen mit Krebserkrankungen" wird von Heidelberger Reproduktionsmedizinern koordiniert

Junge Krebspatientinnen müssen nicht kinderlos bleiben. Moderne medizinische Methoden können die Fruchtbarkeit erhalten; auch eine künstliche Befruchtung von vor der Behandlung entnommenen Eizellen kann eine Schwangerschaft ermöglichen.

Diese innovativen Methoden sollen jetzt allen Frauen in Europa zugute kommen. Dafür wurde im April 2007 eine "Europäische Task Force zum Schutz der Fruchtbarkeit bei Frauen mit Krebserkrankungen" in Brüssel gegründet. Die Initiative ging von Spezialisten aus Heidelberg und Berlin aus. Dachorganisation ist die "European Society of Human Reproduction and Embryology" (ESHRE).

Das europäische Netzwerk greift auf die weltweit einzigartigen Erfahrungen des Deutschen Netzwerks für fertilitätserhaltende Maßnahmen bei Chemo- und Strahlentherapien, "FertiPROTEKT" zurück, das 2006 seine Arbeit aufgenommen hat.

Rund 75 Prozent aller geheilten, jungen Krebspatienten wünschen sich Kinder

"Immer mehr Frauen können von ihrer Krebserkrankung geheilt werden", erklären Professor Dr. Michael von Wolff, Leitender Oberarzt, und Professor Dr. Thomas Strowitzki, Direktor der Abteilung für Gynäkologische Endokrinologie und Fertilitätsstörungen, Heidelberg, die die Gründung des Task Force gemeinsam mit Professor Dr. Heribert Kentenich, Chefarzt der Frauenklinik der DRK Kliniken, Berlin-Westend, auf den Weg gebracht haben.

Chemotherapie oder Bestrahlung können die Eierstöcke jedoch irreversibel schädigen. Insbesondere die Behandlung von Blut- und Brustkrebs kann eine Unfruchtbarkeit zur Folge haben. Studien haben jedoch gezeigt, dass sich viele Patientinnen, die geheilt werden konnten, später ein Kind wünschten.

Vorbild für Europäische Task Force ist das Deutsche Netzwerk FertiPROTEKT

Inzwischen gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten, die Fruchtbarkeit bei Frauen während einer Chemo- oder Strahlentherapie zu erhalten. Allerdings handelt es sich nicht um Routineverfahren, so dass nur erfahrene reproduktionsmedizinische Zentren in diesem Bereich tätig werden sollten.

Das in Deutschland 2006 gegründet Netzwerk, FertiPROTEKT umfasst 35 universitäre reproduktionsmedizinische Zentren und bietet flächendeckend sowie wissenschaftlich kontrolliert diese Maßnahmen an. "Die hervorragenden Erfahrungen aus diesem Netzwerk haben uns dazu motiviert, auch anderen Frauen in Europa optimale Chancen für eine Schwanger-schaft nach einer Krebserkrankung geben zu wollen", so Professor von Wolff, einer der Koordinatoren des deutschen Netzwerks und Koordinator der Europäischen Task Force.

Das deutsche Netzwerk profitiert auch von den Erfahrungen der Nachbarländer. So sind die Belgier und Dänen derzeit führend bei der Transplantation von Eierstockgewebe, das den Frauen vor der Krebserkrankung entnommen und eingefroren wird. Die EU-Task Force profitiert wiederum von den Erfahrungen in Deutschland bei der Entnahme und Konservierung von Eizellen. "Letztlich ist der Fertilitätserhalt bei Krebserkrankungen eine internationale Herausforderung, die sich am besten im internationalen Verbund meistern lässt", sagt Professor Strowitzki.

Langfristiges Ziel: Einführung von schonenden Chemotherapien

Mindestens genauso wichtig ist es, das Risiko für die Schädigung der Eierstöcke besser abschätzen zu können sowie Chemotherapien zu verabreichen, die die Eierstöcke sehr wenig schädigen. "Zu diesem Zweck haben wir eine klinische Studie in Angriff genommen, die die Schädlichkeit verschiedener Therapien mit Hilfe von speziellen Proteinen, die die Eierstöcke produzieren, in ganz Deutsachland und bei allen verabreichten Therapien überprüft" erklärt Professor von Wolff. "Solche Mammutprojekte sind nur dank der großartigen Unterstützung aller beteiligten Zentren möglich."

Schließlich werden sich die Experten mit wichtigen medizinischen und ethischen Fragen beschäftigen, die durch neue therapeutische Optionen aufgeworfen werden: Wie kann die Wirksamkeit der Techniken erhöht werden? Welche Technik eignet sich am besten für welche Erkrankung? Sollen und können solche Maßnahmen auch bei jungen Mädchen angewendet werden?

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Michael von Wolff
Universitäts-Frauenklinik,
Abteilung für Gynäkologische Endokrinologie und Fertilitätsstörungen
Vossstrasse 9, 69115 Heidelberg
Tel. 06221 / 56 379 46
E-mail: Michael.von.Wolff@med.uni-heidelberg.de
Weitere Information im Internet:
www.uniklinikum-heidelberg.de/gyn-endo-repro
www.fertiprotekt.de
Bei Rückfragen von Journalisten:
Dr. Annette Tuffs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Universitätsklinikums Heidelberg
und der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 45 36
Fax: 06221 / 56 45 44
E-Mail: annette.tuffs(at)med.uni-heidelberg.de

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.fertiprotekt.de
http://www.uniklinikum-heidelberg.de/gyn-endo-repro
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/presse

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