Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Hautregeneration mit Erythropoietin bei Verbrennungen

12.06.2007
Bundesforschungsministerium fördert klinische Studie an sieben deutschen Verbrennungszentren

Das die Bildung roter Blutkörperchen verstärkende Erythropoietin (EPO) kann in der Verbrennungsmedizin für die Hautregeneration genutzt werden. Eine klinische Multicenterstudie dazu an sieben deutschen Verbrennungszentren wurde am Zentrum für Schwerbrandverletzte des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein, Campus Lübeck, konzipiert. Sie wird jetzt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit 1,1 Millionen Euro gefördert.

Bei Patienten mit großflächigen Verbrennungs- oder Verbrühungsverletzungen kann eine wiederholte Spalthautentnahme von derselben Entnahmestelle notwendig sein, um zu transplantierende Areale decken zu können. Häufig regenerieren die Entnahmestellen jedoch nicht ausreichend schnell, so dass bei solchen Patienten ein Mangel an Spenderhaut zu weiteren und weitreichenden Komplikationen mit fatalem Ausgang führen kann.

Seit etwa drei Jahren sind zahlreiche regenerative und zytoprotektive Effekte von niedrigdosiertem Erythropoietin bekannt. In der Mulicenterstudie sollen diese Effekte sowohl auf die Entnahmestellen von Spalthaut als auch auf die Verbrennungs-und Verbrühungsverletzungen selbst untersucht werden. Die Ergebnisse sollen zur Etablierung einer neuen Therapie mit einer deutlichen Verringerung der Morbidität und Mortalität schwerbrandverletzter Patienten führen.

... mehr zu:
»Verbrennung

Leiter der Studie "Regenerative Effekte von niedrig dosiertem Erythropoietin bei Verbrennungs- und Verbrühungsverletzungen" ("A multicenter study on regenerative effects of low-dose erythropoietin, LDE, in burn and scald injuries") ist Prof. Dr. med. Hans-Günther Machens aus der Sektion für Plastische und Handchirurgie und dem Zentrum für Schwerbrandverletzte des Universitätsklinikums in Lübeck. Beteiligt sind die Verbrennungszentren am Krankenhaus Bogenhausen, am Universitätsklinikum der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen, am Klinikum Köln-Merheim, an den Berufsgenossenschaftlichen Kliniken Bergmannstrost in Halle/Saale, an der Eberhard-Karls-Universität und der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik Tübingen und am Klinikum Nürnberg-Süd. Die Analytik erfolgt am Biotechnologisch-Biomedizinischen Zentrum Leipzig und am Institut für Physiologie der Universität zu Lübeck, die Biostatistik und Datenverarbeitung am Institut für Forschung in der Operativen Medizin der Universität Witten/Herdecke.

Mindestens 150 Patienten, bei denen aufgrund der Verletzung die Indikation zur Spalthauttransplantation besteht, werden untersucht. Sie werden prospektiv randomisiert und zusätzlich doppelblind zur Standardtherapie entweder niedrig-dosiertes Erythropoeitin (200 IE/kg KG/Woche) subkutan erhalten oder ein Placebo. Die Injektionen erfolgen jeden zweiten Tag über eine Gesamtdauer von 28 Tagen. Das follow-up dauert zwölf Monate nach Trauma. Als objektivierbarer Primärendpunkt der Studie wird die Dauer bis zur Reepithelialisierung einer definierten Spalthautentnahmestelle bei betroffenen Patienten genannt.

Während der Studiendauer werden den Patienten zusätzlich 110 Milliliter Blut entnommen sowie zwei Millimeter durchmessende Stanzbiopsien aus den Spalthautentnahmearealen, der kontralateralen gesunden Haut und aus tief dermalen Verbrennungs- und Verbrühungsverletzungen. Die wissenschaftlichen Arbeitsziele der damit verbundenen Analytik umfassen die Aufklärung der Wirkungsweise von EPO bei der Geweberegeneration nach einer Hautverbrennung oder Hautverbrühung zweiten oder dritten Grades. Wichtig wird die Abgrenzung der systemischen Wirkung von EPO zur direkten gewebespezifischen Wirkung bei der beschleunigten Wundheilung. Des Weiteren soll mit Hilfe genomischer und proteomischer Untersuchungsmethoden festgestellt werden, ob diese Wirkung über einen hämatopoetischen oder nicht hämatopoetischen Mechanismus erfolgt.

Die Förderung der Studie über drei Jahre erfolgt im Rahmen des Programms der Bundesregierung "Gesundheitsforschung: Forschung für den Menschen" und in enger Abstimmung mit der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG).

Rüdiger Labahn | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-luebeck.de/aktuelles/pressemitteilungen/2007/0611lde.php

Weitere Berichte zu: Verbrennung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz gegen Gastritis
10.08.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Wenn Schimmelpilze das Auge zerstören
10.08.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Im Focus: Exotic quantum states made from light: Physicists create optical “wells” for a super-photon

Physicists at the University of Bonn have managed to create optical hollows and more complex patterns into which the light of a Bose-Einstein condensate flows. The creation of such highly low-loss structures for light is a prerequisite for complex light circuits, such as for quantum information processing for a new generation of computers. The researchers are now presenting their results in the journal Nature Photonics.

Light particles (photons) occur as tiny, indivisible portions. Many thousands of these light portions can be merged to form a single super-photon if they are...

Im Focus: Wissenschaftler beleuchten den „anderen Hochtemperatur-Supraleiter“

Eine von Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) geleitete Studie zeigt, dass Supraleitung und Ladungsdichtewellen in Verbindungen der wenig untersuchten Familie der Bismutate koexistieren können.

Diese Beobachtung eröffnet neue Perspektiven für ein vertieftes Verständnis des Phänomens der Hochtemperatur-Supraleitung, ein Thema, welches die Forschung der...

Im Focus: Tests der Quantenmechanik mit massiven Teilchen

Quantenmechanische Teilchen können sich wie Wellen verhalten und mehrere Wege gleichzeitig nehmen, um an ihr Ziel zu gelangen. Dieses Prinzip basiert auf Borns Regel, einem Grundpfeiler der Quantenmechanik; eine mögliche Abweichung hätte weitreichende Folgen und könnte ein Indikator für neue Phänomene in der Physik sein. WissenschafterInnen der Universität Wien und Tel Aviv haben nun diese Regel explizit mit Materiewellen überprüft, indem sie massive Teilchen an einer Kombination aus Einzel-, Doppel- und Dreifachspalten interferierten. Die Analyse bestätigt den Formalismus der etablierten Quantenmechanik und wurde im Journal "Science Advances" publiziert.

Die Quantenmechanik beschreibt sehr erfolgreich das Verhalten von Partikeln auf den kleinsten Masse- und Längenskalen. Die offensichtliche Unvereinbarkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

Sensibilisierungskampagne zu Pilzinfektionen

15.08.2017 | Veranstaltungen

Anbausysteme im Wandel: Europäische Ackerbaubetriebe müssen sich anpassen

15.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Neue Einblicke in die Welt der Trypanosomen

16.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Maschinensteuerung an Anwender: Intelligentes System für mobile Endgeräte in der Fertigung

16.08.2017 | Informationstechnologie

Komfortable Software für die Genomanalyse

16.08.2017 | Informationstechnologie