Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Strahlentherapie im Zeitalter der Molekularen Onkologie

11.06.2007
In der modernen Onkologie wächst der Stellenwert molekularer Therapien. Dies machen sich die Strahlentherapeuten zu Nutze: Anlässlich der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) in Hannover beleuchtet Professor Michael Baumann, Dresden, derzeitiger Präsident der Europäischen Gesellschaft für Strahlentherapie (ESTRO), in einem Plenarvortrag mögliche Perspektiven neuer Kombinationstherapien.

Eine Strahlentherapie und eine Behandlung mit sogenannten Monoklonalen Antikörpern, den hochspezifischen Abwehrmolekülen des Immunsystems, haben eines gemeinsam: Beide Therapien entfalten ihre Wirkung im Idealfall ausschließlich an Tumoren. Die Strahlentherapie lässt sich - Dank modernster Technik - immer präziser auf eine Geschwulst fokussieren und schont das umgebende Gewebe.

Monoklonale Antikörper erkennen auf ihrer Reise durch den Körper jeweils nur ganz bestimmte Eiweißstrukturen auf der Oberfläche von Zellen. Sind sie darauf "getrimmt", Strukturen zu erkennen, die vor allem auf Tumorzellen vorkommen, docken sie an diesen Molekülen an - am so genannten Primärtumor ebenso wie an Absiedlungen dieses Tumors an anderen Stellen des Körpers. Im Idealfall führt dies dann zur Vernichtung der Zelle.

Bislang gelang es jedoch nicht, durch eine alleinige Antikörpertherapie Tumorpatienten zu heilen. Auch bei einer ausschließlichen Bestrahlung bleiben gelegentlich einzelne Tumor-Stammzellen übrig, die nach einiger Zeit Ausgangspunkt für ein er-neutes Tumorwachstum sein können. Also liegt es nahe, zu untersuchen, ob man durch eine Kombination beider Verfahren - Strahlentherapie plus Antikörper- Be-handlung - die Heilungschancen verbessern kann.

Seit dem Jahr 2004 ist in Europa ein Cetuximab genannter Monoklonaler Antikörper zugelassen, der eine Bindungsstelle (Rezeptor) für einen bestimmten Wachstumsfaktor, den Epidermalen Wachstumsfaktor (engl.: Epidermal Growth Factor, kurz EGF genannt) auf der Oberfläche von Zellen blockiert. Mit diesem Antikörper behandelten Ärzte bislang fortgeschrittenen Dickdarmkrebs, wenn eine Chemotherapie versagt hat.

Erste Untersuchungen an Mäusen.

Durch die Kombination eines Antikörpers, der den EGF-Rezeptor blockiert, mit einer Bestrahlung im Labor haben Strahlenbiologen bereits vielversprechende Ergebnisse erzielt. Forscher aus Dresden und Houston/Texas hatten bei Nacktmäusen einen Tumor in den Hinterlauf transplantiert und diesen entweder nur bestrahlt oder zusätzlich einen EGF-Rezeptorblocker verabreicht. Die Kombitherapie vernichtete die Tumoren in einem höheren Prozentsatz als die alleinige Strahlentherapie. Die Forscher zogen daraus die Schlussfolgerung, dass der Antikörper die Empfindlichkeit von Tumorzellen gegen Bestrahlung erhöht.

Kombi-Therapie auch in einer klinischen Studie überlegen.

Zwischenzeitlich ist es nun auch zum ersten Male gelungen, die Wirksamkeit dieser Kombinations-Behandlung auch beim Menschen nachzuweisen. Die Ergebnisse einer unlängst veröffentlichten klinischen Studie belegt, dass die Kombination von Strahlentherapie und gleichzeitiger Antikörperbehandlung die Heilungschancen bei Tumoren der Kopf-Hals-Region verbessert. Bei der Untersuchung an mehreren Kliniken in den USA wurden jeweils 200 Patienten entweder nur hochdosiert bestrahlt oder erhielten zusätzlich den Antikörper Cetuximab. Denn Untersuchungen zeigen, dass der Rezeptor für den Epidermalen Wachstumsfaktor auf Zellen von Kopf-Hals-Tumoren vermehrt vorkommt.
In der Gruppe, die zusätzlich zur Strahlentherapie den Antikörper erhalten hatte, lag die Ansprechrate mit 74 Prozent um 10 Prozent höher als bei nur bestrahlten Pati-enten, bei denen nur in 64 Prozent der Fälle ein komplettes oder teilweises Ver-schwinden des Tumors beobachtet werden konnte. Auch die Drei-Jahresüberlebensrate lag bei den kombiniert behandelten Patienten bei 55 Prozent, für die ausschließlich bestrahlten dagegen nur bei 45 Prozent.

Auf der Grundlage dieser Studie erweiterten die Arzneimittelzulassungsbehörden daher nun auch die Zulassung für Cetuximab. Der Antikörper kann nun auch in Kombination bei fortgeschrittenen Tumoren im Kopf-Hals-Bereich eingesetzt werden.

Pressekontakt: Prof. Dr. med. Marie-Luise Sautter-Bihl
Pressesprecherin der DEGRO
Direktorin der Klinik für Strahlentherapie
Städt. Klinikum Karlsruhe Moltkestr. 90 · 76133 Karlsruhe
Tel.: 0721 9744001 · Fax: 0721 9744009
strahlentherapie@klinikum-karlsruhe.de
WÄHREND DES KONGRESSES: Hannover Congress Centrum · Theodor-Heuss-Platz 1-3 Konferenzraum 23 Tel.: 0511 8113-750 · Fax: 0511 8113-751

Barbara Ritzert | idw
Weitere Informationen:
http://www.degro.org

Weitere Berichte zu: Antikörper Bestrahlung Cetuximab Strahlentherapie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz gegen Gastritis
10.08.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Wenn Schimmelpilze das Auge zerstören
10.08.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Im Focus: Exotic quantum states made from light: Physicists create optical “wells” for a super-photon

Physicists at the University of Bonn have managed to create optical hollows and more complex patterns into which the light of a Bose-Einstein condensate flows. The creation of such highly low-loss structures for light is a prerequisite for complex light circuits, such as for quantum information processing for a new generation of computers. The researchers are now presenting their results in the journal Nature Photonics.

Light particles (photons) occur as tiny, indivisible portions. Many thousands of these light portions can be merged to form a single super-photon if they are...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

Sensibilisierungskampagne zu Pilzinfektionen

15.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Scharfe Röntgenblitze aus dem Atomkern

17.08.2017 | Physik Astronomie

Fake News finden und bekämpfen

17.08.2017 | Interdisziplinäre Forschung

Effizienz steigern, Kosten senken!

17.08.2017 | Messenachrichten