Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Therapie-Empfehlung: Strahlentherapie auch bei Brustkrebsvorstufe nötig

11.06.2007
Wenn Frauen mit einer Vorstufe von Brustkrebs, einem sogenannten Ductalen Carcinoma in situ (DCIS), brusterhaltend operiert werden, sollte unbedingt eine Strahlentherapie folgen. So lautet - aufgrund neuer Erkenntnisse - die neue Empfehlung der "Expertengruppe Mammakarzinom" der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie, die auf der Jahreskonferenz der Gesellschaft in Hannover vorgestellt und diskutiert wird. Ärzte rechnen damit, dass der Anteil dieser Tumoren aufgrund der Screening- Mammographie in der Zukunft bis zu 40 Prozent aller Brustkrebsfälle ausmachen könnte.

Bei bis zu 20 Prozent aller Patientinnen, die mit der Diagnose "Brustkrebs" konfrontiert werden, handelt es sich noch nicht um einen bösartigen Tumor, sondern um eine Krebsvorstufe, ein kurz DCIS genanntes Ductales Carcinoma in situ. Dieses Karzinom, es gibt davon verschiedene Formen, wächst auf die Milchgänge begrenzt und breitet sich in diesen diffus aus, ohne jedoch aggressiv in das Brustgewebe vorzudringen. Ein DCIS ist daher oft nicht tastbar, sondern wird zumeist bei einer Mammographie entdeckt. Ein solcher Tumor bildet auch keine Tochtergeschwülste (Metastasen). Keine Patientin muss an einem DCIS sterben: frühzeitig erkannt und richtig behandelt, ist es fast zu 100 Prozent heilbar.

Dennoch kann aus einem DCIS eine potentiell lebensbedrohliche Erkrankung werden, da es unbehandelt in ein invasives Karzinom, also einen bösartigen Brustkrebs, übergehen kann.

Paradoxerweise war es bis vor wenigen Jahren Standard, bei einem DCIS die Brust zu amputieren. Der Grund: Diese Tumoren sind schwer vom gesunden Brustgewebe abzugrenzen. Entsprechend werden durch eine Brustamputation 100 Prozent der Frauen mit einem DCIS geheilt.

... mehr zu:
»Bestrahlung »DCIS »Strahlentherapie

Brusterhaltende Eingriffe möglich.

Doch inzwischen operieren die Ärzte diesen Tumor zumeist brusterhaltend. Folgt danach keine Bestrahlung, beträgt das Rückfallrisiko nach 25 Jahren 40 bis 50 Prozent. In diesem Fall können die Ärzte meistens nicht sicher bestimmen, ob es sich um einen Rückfall der DCIS-Erkrankung oder um einen neuen Krebs in derselben Brust handelt. Ebenso ist es bis heute nicht möglich, bei einer Patientin mit einem DCIS individuell vorherzusagen, ob bei ihr ein Erkrankungsrückfall auftreten wird oder nicht. Das Tückische am Rückfall ist, dass sich die ursprüngliche Krebsvorstufe bei knapp der Hälfte der Patientinnen dann jedoch in eine bösartige Geschwulst verwandelt hat.

Mehrere Studien belegen, dass eine Strahlentherapie nach brusterhaltender Operation das Rückfallrisiko deutlich senken kann. Dennoch gab es unter Ärzten verschiedener Fachrichtungen unterschiedliche Auffassungen darüber, ob und welchen Patientinnen sie eine Bestrahlung empfehlen sollen.

Die Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) veröffentlichte im Jahre 2006 Leitlinien zur Bestrahlung bei Brustkrebs. Bei der Sonderform DCIS empfahlen die Ärzte nach brusterhaltender Operation im Allgemeinen eine Strahlentherapie, eine mögliche Ausnahme sahen sie jedoch bei besonders günstigen Risikofaktoren, wie z.B. kleinen Tumoren (unter 2.5 cm), einem Alter über 50 Jahre und großzügiger Operation mit mehr als 1 cm Sicherheitsabstand.

Neue Empfehlungen der Expertengruppe.

Dies hat sich nun geändert: Die "Expertengruppe Brustkrebs" der DEGRO stellt in Hannover neue Empfehlungen vor, die allen Patientinnen mit DCIS eine Bestrahlung empfehlen, wenn die Brust erhalten wurde.

Erstmalig zeigt nämlich eine Studie an der Harvard Universität in Boston, an der 158 Patientinnen mit DCIS teilnahmen, dass auch bei Frauen mit vermeintlich günstigen Risi-kofaktoren ohne Strahlentherapie eine beträchtliche Anzahl an Rückfällen auftritt. Alle Frauen dieser Studie wurden mit einem großen Sicherheitsabstand von über einem Zentimeter operiert, erhielten dann aber keine Nachbestrahlung, sondern wurden engmaschig nachbeobachtet. Die Studie musste aus ethischen Gründen vorzeitig abgebrochen werden, da eine Rückfallquote von 12 Prozent (nach 5 Jahren) errechnet wurde. In 31 Prozent waren die Tumore auch in dieser ausgewählten Gruppe mit günstigen Prognosefaktoren bösartig.

PD Dr. Rainer Souchon (Hagen), der die Empfehlungen im Namen der Expertengruppe in Hannover vorstellt, weist ausdrücklich daraufhin, dass aufgrund dieser neuen Daten "alle Patientinnen mit DCIS nach brusterhaltender Operation bestrahlt werden sollten." Diese Empfehlung gelte, so der Experte weiter, "bis wir wissen, ob wir aufgrund neuer operativer Verfahren und zusätzlicher Untersuchungen Untergruppen von Patientinnen definieren können, die keine Bestrahlung benötigen. Bis dahin sollten wir keiner Frau mit DCIS nach brusterhaltender Operation die Bestrahlung als Sicherheitsmaßnahme vorenthalten."

Pressekontakt: Prof. Dr. med. Marie-Luise Sautter-Bihl
Pressesprecherin der DEGRO
Direktorin der Klinik für Strahlentherapie
Städt. Klinikum Karlsruhe Moltkestr. 90 · 76133 Karlsruhe
Tel.: 0721 9744001 · Fax: 0721 9744009
strahlentherapie@klinikum-karlsruhe.de
WÄHREND DES KONGRESSES: Hannover Congress Centrum · Theodor-Heuss-Platz 1-3 Konferenzraum 23 Tel.: 0511 8113-750 · Fax: 0511 8113-751

Barbara Ritzert | idw
Weitere Informationen:
http://www.degro.org

Weitere Berichte zu: Bestrahlung DCIS Strahlentherapie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Wachablösung im Immunsystem: wie Dendritische Zellen ihre Bewaffnung an Mastzellen übergeben
16.11.2017 | Universitätsklinikum Magdeburg

nachricht Wie Lungenkrebs zur Entstehung von Lungenhochdruck führt
16.11.2017 | Justus-Liebig-Universität Gießen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

IfBB bei 12th European Bioplastics Conference mit dabei: neue Marktzahlen, neue Forschungsthemen

22.11.2017 | Veranstaltungen

Zahnimplantate: Forschungsergebnisse und ihre Konsequenzen – 31. Kongress der DGI

22.11.2017 | Veranstaltungen

Tagung widmet sich dem Thema Autonomes Fahren

21.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Bakterien als Schrittmacher des Darms

22.11.2017 | Biowissenschaften Chemie

Ozeanversauerung schädigt Miesmuscheln im Frühstadium

22.11.2017 | Biowissenschaften Chemie

Die gefrorenen Küsten der Arktis: Ein Lebensraum schmilzt davon

22.11.2017 | Geowissenschaften