Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Fortschritte bei Forschungen zur Xenotransplantation

11.06.2007
Angesichts des Mangels an menschlichen Spenderorganen setzen Mediziner große Hoffnungen in die Xenotransplantation, die Übertragung von Zellen und Organen von Tieren auf den Menschen.

Neue Erfahrungen aus experimentellen Transplantationen und vielversprechende Forschungsergebnisse diskutierten Experten am 7. und 8. Juni 2007 im Robert Koch-Institut, auf einer Tagung der Deutschen Arbeitsgemeinschaft Xenotransplantation (DAX). Das internationale Symposium mit Transplantationsmedizinern, Immunologen und Molekularbiologen findet zum zehnten Mal seit 1998 statt. "Ohne die interdisziplinäre Zusammenarbeit und den intensiven Informationsaustausch hätte es die bisherigen großen Fortschritte nicht so rasch gegeben " unterstreicht Reinhard Kurth, Präsident des Robert Koch-Instituts.

So basieren z.B. die neuen Ergebnisse aus dem RKI zur Virussicherheit bei Schweineorganen auf einer engen Zusammenarbeit mit dem Institut für Tierzucht in Mariensee. Schweine sind die favorisierten Spendertiere: wegen ihres Stoffwechsels, der dem des Menschen ähnelt, wegen der vergleichsweise großen mikrobiologischen Sicherheit und aus Kostengründen. Hindernisse für die Xenotransplantation sind die Abstoßungsreaktionen des Immunsystems, die physiologischen Unterschiede zwischen Tier- und Menschenorganen und die mögliche Übertragung von Mikroorganismen.

So genannte porcine endogene Retroviren (PERV) stellen ein besonderes Problem dar. Die Viren sind im Erbgut aller Schweine fest verankert, sie können als Viruspartikel freigesetzt werden und menschliche Zellen infizieren. In den letzten Jahren wurden Strategien entwickelt, die die Übertragung von PERV bei der Xenotransplantation verhindern sollen. Besonders effektiv ist die Strategie, genetisch veränderte (transgene) Schweine zu gewinnen, bei denen die Virus-Aktivität durch die so genannte RNA-Interferenz unterdrückt wird.

... mehr zu:
»Schwein »Xenotransplantation

Dabei schleusen die Wissenschaftler erbgutähnliche regulatorische Moleküle ("shRNA") in Schweinezellen ein, entnehmen den Zellkern und züchten daraus Schweine. Durch die eingeschleusten Blockade-Moleküle können die in den Schweinezellen vorhandenen Virus-Erbanlagen nicht aktiviert und keine neue Viruspartikel hergestellt werden (die sonst im Falle einer Übertragung der Schweinezellen auf den Menschen möglicherweise eine Erkrankung verursachten). Joachim Denner vom Robert Koch-Institut und Heiner Niemann vom Institut für Tierzucht in Mariensee konnten so die weltweit ersten Schweine gewinnen, bei denen in verschiedenen Organen die Produktion der Retroviren herunterreguliert wurde.

In einzelnen Fällen gibt es bereits experimentelle klinische Ansätze. So berichtete ein neuseeländisches Unternehmen kürzlich, dass ein Diabetiker, der vor fast zehn Jahren Inselzellen vom Schwein erhalten hatte, immer noch funktionstüchtige Schweinezellen in sich trug und es keine Anzeichen für eine Infektion mit Viren vom Schwein gab. Auf dem vorjährigen Symposium berichteten zwei Forschergruppen aus den USA von erfolgreichen Übertragungen von Schweineherzen auf Paviane mit beachtlichen Überlebenszeiten. Die Forschergruppen planen erste klinische Behandlungen für 2010.

DAX ist eine interdisziplinäre Plattform und wird geleitet von Joachim Denner (Robert Koch-Institut) und Ralf Tönjes (Paul-Ehrlich-Institut). Weitere Informationen sind abrufbar unter www.rki.de > Gesundheit A-Z > Xenotransplantation.

Herausgeber:
Robert Koch-Institut
Nordufer 20
D-13353 Berlin
Pressestelle:
Susanne Glasmacher
(Pressesprecherin)
Günther Dettweiler
(stellv. Pressesprecher)
Claudia Eitner
Heidi Golisch
Kontakt:
Tel.: 030 18754 -2239, -2562 und -2286
Fax: 030 18754 -2265
E-Mail: presse@rki.de

Susanne Glasmacher | idw
Weitere Informationen:
http://www.rki.de

Weitere Berichte zu: Schwein Xenotransplantation

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Dual-Layer Spektral-CT: Bessere Therapieplanung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs
18.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

nachricht MRT-Kontrastmittel: Neue Studie spricht für Sicherheit
17.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Im Focus: Neuer Ionisationsweg in molekularem Wasserstoff identifiziert

„Wackelndes“ Molekül schüttelt Elektron ab

Wie reagiert molekularer Wasserstoff auf Beschuss mit intensiven ultrakurzen Laserpulsen? Forscher am Heidelberger MPI für Kernphysik haben neben bekannten...

Im Focus: Wafer-thin Magnetic Materials Developed for Future Quantum Technologies

Two-dimensional magnetic structures are regarded as a promising material for new types of data storage, since the magnetic properties of individual molecular building blocks can be investigated and modified. For the first time, researchers have now produced a wafer-thin ferrimagnet, in which molecules with different magnetic centers arrange themselves on a gold surface to form a checkerboard pattern. Scientists at the Swiss Nanoscience Institute at the University of Basel and the Paul Scherrer Institute published their findings in the journal Nature Communications.

Ferrimagnets are composed of two centers which are magnetized at different strengths and point in opposing directions. Two-dimensional, quasi-flat ferrimagnets...

Im Focus: XENON1T: Das empfindlichste „Auge“ für Dunkle Materie

Gemeinsame Meldung des MPI für Kernphysik Heidelberg, der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster

„Das weltbeste Resultat zu Dunkler Materie – und wir stehen erst am Anfang!“ So freuen sich Wissenschaftler der XENON-Kollaboration über die ersten Ergebnisse...

Im Focus: World's thinnest hologram paves path to new 3-D world

Nano-hologram paves way for integration of 3-D holography into everyday electronics

An Australian-Chinese research team has created the world's thinnest hologram, paving the way towards the integration of 3D holography into everyday...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

14. Dortmunder MST-Konferenz zeigt individualisierte Gesundheitslösungen mit Mikro- und Nanotechnik

22.05.2017 | Veranstaltungen

Branchentreff für IT-Entscheider - Rittal Praxistage IT in Stuttgart und München

22.05.2017 | Veranstaltungen

Flugzeugreifen – Ähnlich wie PKW-/LKW-Reifen oder ganz verschieden?

22.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Myrte schaltet „Anstandsdame“ in Krebszellen aus

22.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

22.05.2017 | Physik Astronomie

Wie sich das Wasser in der Umgebung von gelösten Molekülen verhält

22.05.2017 | Biowissenschaften Chemie