Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie und wann die Hoden ihren Platz finden

29.08.2000


Übersicht über das Herabsteigen der Hoden

von Phase I bis zum erwachsenen Zustand



... mehr zu:
»Gubernaculum
Mit einem reich bebilderten Band schaffen Klaus J. Barteczko, wissenschaftlicher Zeichner, und Dr. med. Monika J. Jacob (Medizinische Fakultät der RUB, Institut für Anatomie und Embryologie, Leiter: Prof. Dr.
Hans Georg Mannherz) endlich Klarheit in einer lange unbeantworteten Frage: wie und wann die menschlichen Hoden ihren Weg aus dem Unterleib in ihre endgültige Position im Hodensack finden. Über 100 Jahre anatomische Forschung hatten darüber keine klaren Ergebnisse liefern können.

Wie und wann die Hoden ihren Platz finden
RUB-Forscher räumen anatomische Irrtümer aus
Endlich Klarheit über Embryonalentwicklung

Mit einem reich bebilderten Band schaffen Klaus J. Barteczko, wissenschaftlicher Zeichner, und Dr. med. Monika J. Jacob (Medizinische Fakultät der RUB, Institut für Anatomie und Embryologie, Leiter: Prof. Dr. Hans Georg Mannherz) endlich Klarheit in einer lange unbeantworteten Frage: wie und wann die menschlichen Hoden ihren Weg aus dem Unterleib in ihre endgültige Position im Hodensack finden. Über 100 Jahre anatomische Forschung hatten darüber keine klaren Ergebnisse liefern können. Mittels Licht- und Rasterelektronenmikroskopie, immunhistochemischen Untersuchungen sowie dreidimensionaler Rekonstruktionen von Material aus der Embryonensammlung des 1997 verstorbenen Bochumer Wissenschaftlers Prof. Dr. Klaus V. Hinrichsen, konnten sie die Entwicklung erstmals genau verfolgen.

Säugetier ist nicht gleich Säugetier
Bisherige Studienergebnisse waren häufig fehlerbehaftet, da sie auf Untersuchungen von Tieren, etwa Ratten, basierten. Wie groß die Unterschiede zwischen den einzelnen Säugetieren sind, zeigt sich jedoch schon darin, dass manche gar keine Hodensäcke haben, sondern die Hoden im Unterleib tragen, wo sie trotz der höheren Kerntemperatur funktionierende Spermien produzieren, so etwa Elefanten und Wale. Erst die Betrachtungen der Entwicklungsstadien bei menschlichen Embryonen schaffte Klarheit über die Fragen, ob die Hoden schon vor dem Austritt im Inneren des Körpers herabsteigen, wie und wann das Leitband des Hodens (Gubernaculum Hunteri) entsteht, was sein Schicksal ist und wie die Nebenhoden und Samenleiter (Hodenadnexe) in ihre definitive Position gelangen. Ebenso klärten die Forscher die Entstehung zweier gonadaler Bänder bei der Frau, die zum Halteapparat der Ovarien gehören.

Phasen und Funktionen des Gubernaculum Hunteri

Anhand der Untersuchungen konnten sie den bisher umstrittenen inneren Abstieg der Sexualorgane vor dem Austritt der Hoden in den Hodensack beim Menschen beweisen: Die Anlage für die Eierstöcke und die Hoden steigen gleichermaßen herab, beim weiblichen Embryo erreichen die Ovarien ihre Position schon recht früh. Das Schicksal des Gubernaculum Hunteri teilten die Forscher in fünf Phasen ein, von seiner Entstehung in der ersten, über sein starkes Wachstum in der zweiten Phase, erste sexuell unterschiedliche Entwicklungen in der dritten Phase bis hin zu seinem Weg in den Hodensack, wohin es die Hoden begleitet. In keiner der Phasen verbindet das Leitband die Hoden mit dem Boden des Hodensacks; daraus folgt, dass die Hoden nicht - wie früher angenommen - durch eine Verkürzung des gummibandähnlichen Gubernaculum in den Hodensack hineingezogen werden können. Das Gubernaculum hat demnach verschiedene Funktionen, z. B. weitet es durch seine Verdickung besonders im 7. Lebensmonat des Fötus den Leistenkanal, durch den die Hoden schließlich den Unterleib verlassen.

Mehr Wissen für Kinderärzte

Die neuen Erkenntnisse und die exakte Dokumentation der Vorgänge während der Entwicklung des Embryos werden vor allem für Kinderärzte bei der Behandlung von Kindern, deren Hoden nicht herabgestiegen sind (Kryptorchismus), von Bedeutung sein, da sie Entstehung, Entwicklung und Folgen dieses Phänomens nun besser kennen.

Titelaufnahme

K.J. Barteczko, M.I. Jacob: The Testicular Descent in Human. Origin, Development and Fate of the Gubernaculum Hunteri, Processus Vaginalis Peritonei, and Gonadal Ligaments. (= Advances in Anatomy, Embryology and Cell Biology 156) Berlin, Heidelberg, New York, Springer 2000, ISBN 3-540-67315-6

Weitere Informationen

Klaus J. Barteczko, Medizinische Fakultät der Ruhr-Universität, 44780 Bochum, Tel. 0234/32-25214, Fax: 0234/32-14-474, Email: klaus.barteczko@ruhr-uni-bochum.de

Dr. Josef König |

Weitere Berichte zu: Gubernaculum

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Abstoßung von Spenderorganen: Neue Biomarker sollen Komplikationen verhindern
15.12.2017 | Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

nachricht Antibiotikaresistenzen durch Nanopartikel überwinden?
15.12.2017 | Friedrich-Schiller-Universität Jena

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunsystem - Blutplättchen können mehr als bislang bekannt

LMU-Mediziner zeigen eine wichtige Funktion von Blutplättchen auf: Sie bewegen sich aktiv und interagieren mit Erregern.

Die aktive Rolle von Blutplättchen bei der Immunabwehr wurde bislang unterschätzt: Sie übernehmen mehr Funktionen als bekannt war. Das zeigt eine Studie von...

Im Focus: First-of-its-kind chemical oscillator offers new level of molecular control

DNA molecules that follow specific instructions could offer more precise molecular control of synthetic chemical systems, a discovery that opens the door for engineers to create molecular machines with new and complex behaviors.

Researchers have created chemical amplifiers and a chemical oscillator using a systematic method that has the potential to embed sophisticated circuit...

Im Focus: Nanostrukturen steuern Wärmetransport: Bayreuther Forscher entdecken Verfahren zur Wärmeregulierung

Der Forschergruppe von Prof. Dr. Markus Retsch an der Universität Bayreuth ist es erstmals gelungen, die von der Temperatur abhängige Wärmeleitfähigkeit mit Hilfe von polymeren Materialien präzise zu steuern. In der Zeitschrift Science Advances werden diese fortschrittlichen, zunächst für Laboruntersuchungen hergestellten Funktionsmaterialien beschrieben. Die hiermit gewonnenen Erkenntnisse sind von großer Relevanz für die Entwicklung neuer Konzepte zur Wärmedämmung.

Von Schmetterlingsflügeln zu neuen Funktionsmaterialien

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Call for Contributions: Tagung „Lehren und Lernen mit digitalen Medien“

15.12.2017 | Veranstaltungen

Die Stadt der Zukunft nachhaltig(er) gestalten: inter 3 stellt Projekte auf Konferenz vor

15.12.2017 | Veranstaltungen

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weltrekord: Jülicher Forscher simulieren Quantencomputer mit 46 Qubits

15.12.2017 | Informationstechnologie

Wackelpudding mit Gedächtnis – Verlaufsvorhersage für handelsübliche Lacke

15.12.2017 | Verfahrenstechnologie

Forscher vereinfachen Installation und Programmierung von Robotersystemen

15.12.2017 | Energie und Elektrotechnik