Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Zielstrukturen für Diagnostik / Therapie von Darm-Tumoren

06.06.2007
Manche Darmtumoren weisen einen bestimmten Typ von genetischer Instabilität auf, die sogenannte Mikrosatelliteninstabilität (MSI), die zur Synthese zahlreicher abnormaler Proteine in diesen MSI-Tumorzellen führt. Im Vergleich zu Darmtumoren ohne MSI haben sie eine bessere Prognose und scheinen Chemotherapie-resistenter zu sein. In einem von der Wilhelm-Sander-Stiftung geförderten Projekt sucht das Forscherteam um Prof. Dr. Jürgen Kopitz und Dr. Johannes Gebert nach den von MSI betroffenen Zielgenen und nutzt das spezielle Protein-Makeup dieser MSI-Tumorzellen, um neue Diagnostik- und Therapiestrategien zu entwickeln.

Etwa 15% aller sporadischen Dickdarm-, Gebärmutterschleimhaut- und Magenkarzinome sowie die meisten Tumoren, die im Rahmen des sogenannten Lynch-Syndroms (eine erblich bedingte Darmkrebserkrankung) entstehen, weisen einen Funktionsverlust des zellulären DNA Mismatch-Reparatursystems auf. Dieses System dient der Korrektur von Fehlern in der zellulären Erbsubstanz (DNA), die während der Zellteilung auftreten können. Als Folge des Defekts akkumulieren betroffene Tumorzellen während der Zellteilung zahlreiche Mutationen (meist kleine Deletionen und Insertionen von Nukleotiden), die besonders häufig repetitive DNA Sequenzen (Mikrosatelliten) betreffen und damit zur Mikrosatelliteninstabilität (MSI) im gesamten Tumorzellgenom führen.

Da in MSI-Tumorzellen auch codierende, d.h. translatierte Mikrosatelliten, bestimmter Gene von diesen Deletionen/Insertionen betroffen sind, kommt es durch dieVerschiebung des Leserasters zur Synthese von oftmals verkürzten Proteinen mit veränderter Aminosäuresequenz (Neo-Peptide) am C-terminalen Ende. Man geht davon aus, dass MSI-Tumorzellen eine Vielzahl solcher Proteine mit Neo-Peptiden synthetisieren. Diese Neo-Peptide sind Tumor-spezifische Zielstrukturen und eröffnen damit als potentielle Tumormarker völlig neue Möglichkeiten für die Diagnostik und Therapie von MSI-Tumoren. Bisher gibt es noch keine systematischen Untersuchungen zum Nachweis solcher Neo-Peptid-Proteine in MSI Tumorzellen. Ursache dafür ist der vergleichsweise geringe Anteil dieser aberranten Proteine am gesamten Proteingehalt der Zelle.

Die Forschergruppe um Prof. Kopitz und Dr. Gebert fokussiert ihre Untersuchungen auf Membran-spannende oder sekretierte Proteine von MSI Darmtumorzellen, da Neo-Peptide dieser Proteine an der Zelloberfläche exponiert oder als Neo-Peptid Proteine in die extrazelluläre Umgebung sezerniert werden. Mit Hilfe bioinformatischer Verfahren werden alle codierenden Mikrosatelliten für Gene dieser beiden Proteinklassen aus einer speziellen Datenbank identifiziert und deren Leserastermutationsfrequenz in MSI-Darmtumor-Zellinien und -Geweben bestimmt. Von denjenigen Kandidatengenen, die die höchste Mutationsfrequenz aufweisen, sollen rekombinante Neo-Peptid-Proteine hergestellt werden. Für diese gereinigten Neo-Peptid-Proteine werden zunächst an MSI Darmtumorzellinien biochemische Fraktionierungs- und Nachweismethoden etabliert und optimiert, um anschliessend mittels Routine-Assays diese MSI-spezifischen Markerproteine in Gewebe- und Serumproben von MSI Tumorpatienten nachzuweisen.

... mehr zu:
»MSI »Neo-Peptid
Kontakt:
Prof. Dr. Jürgen Kopitz, Heidelberg
Tel: 06221-562683, Fax: 06221-565983,
email: juergen.kopitz@med.uni-heidelberg.de;
Dr. Johannes Gebert, Heidelberg
Tel: 06221-562878,
email: johannes.gebert@med.uni-heidelberg.de;
Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert dieses Forschungsprojekt mit über 180.000 €. Stiftungszweck der Stiftung ist die medizinische Forschung, insbesondere Projekte im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden dabei insgesamt über 160 Mio. Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Bernhard Knappe | idw
Weitere Informationen:
http://www.wilhelm-sander-stiftung.de

Weitere Berichte zu: MSI Neo-Peptid

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Tollwutviren zeigen Verschaltungen im gläsernen Gehirn
19.01.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Sicher und gesund arbeiten mit Datenbrillen
13.01.2017 | Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Latest News

Helmholtz International Fellow Award for Sarah Amalia Teichmann

20.01.2017 | Awards Funding

An innovative high-performance material: biofibers made from green lacewing silk

20.01.2017 | Materials Sciences

Ion treatments for cardiac arrhythmia — Non-invasive alternative to catheter-based surgery

20.01.2017 | Life Sciences