Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Innovatives Medikament soll Morphin als Goldstandard ablösen

05.06.2007
Mit einem Ersatzmittel für Morphin, das ein bisher einzigartiges Profil zur Linderung postoperativer Schmerzen aufweist, will die britische CeNeS Pharmaceutical plc in der Schmerztherapie einen neuen Goldstandard etablieren. Das Medikament durchläuft gegenwärtig klinische Tests der Phase III und soll spätestens 2009 in Europa auf den Markt kommen.

Bisher gilt Morphium als Goldstandard bei der Behandlung mäßiger bis starker postoperativer Schmerzen oder Tumorschmerzen. Allerdings weist Morphium eine Reihe unerwünschter Nebenwirkungen, darunter Übelkeit oder Neigung zum Brechreiz, auf. Die gefährlichste Komplikation ist die so genannte Atemwegsdepression mit einer Abflachung der Atemzüge, die im Extremfall bis hin zum Atemstillstand führen kann.

Das von CeNeS (Central Nervous System) entwickelte Präparat M6G (Morphin-6-Glukoronid) ist im Gegensatz zum herkömmlichen Morphin ein pharmakologisch potenter Morphin-Metabolit, dessen schmerzlindernde Wirkung mit der des Morphins vergleichbar ist. Der besondere Clou der Innovation besteht darin, dass mit M6G ein biochemisches Stoffwechselprodukt auf den Markt kommen soll, das im Gegensatz zum Morphin bestimmte Abbauprozesse im Körper nicht mehr durchlaufen muss, woraus ein verringertes Nebenwirkungsprofil erwartet werden darf. So wird Morphin im menschlichen Körper hauptsächlich durch die so genannte Glucuronidierung abgebaut, die zum größten Teil in der Leber stattfindet. Dabei entstehen die morphin-analog wirksamen Metabolite Morphin-6-Glucuronid (M6G) und Morphin-6-Sulfat sowie das unwirksame Morphin-3-Glucuronid (M3G). Überraschenderweise ist das höchst wirksame Morphin-6-Glucuronid hirngängig, was für einen konjugierten Metaboliten mit seinen hydrophilen Eigenschaften eine Ausnahme darstellt.

Risiko signifikant gesenkt

... mehr zu:
»Goldstandard »M6G »Morphin

Auf der Basis von insgesamt 18 klinischen Studien, die zum Teil beendet oder zum Teil noch durchgeführt werden, zeigt sich, dass M6G bei gleicher schmerzlindernder Wirkung im Gegensatz zu Morphin deutlich verringerte Nebenwirkungen aufweist. So konnten die beim Morphin häufig beobachteten Nebenwirkungen wie Übelkeit und Brechreiz nach den bisher vorliegenden Ergebnissen um rund 30 Prozent reduziert werden. Ähnliches gilt für die unerwünschte starke Sedierung mit Atemwegsdepression, die bei Verabreichung von Morphin mit einer Häufigkeit von 27 Prozent auftritt. Nach den bisher vorliegenden Ergebnissen tritt diese Komplikation nach der Verabreichung von M6G nur noch in 6 Prozent aller beobachten Fälle auf, wodurch das Risiko für die Patienten signifikant gesenkt wird.

Ein Plus an medizinischer Sicherheit

Hinzu kommt, dass M6G bei gleicher Analgesie eine gegenüber Morphin deutlich länger anhaltende Wirkung aufweist. Das liegt daran, dass M6G als Morphin-Metabolit an einen Zucker gekoppelt ist, wodurch die Blut-Hirn-Schranke im Gegensatz zum Morphin langsamer überwunden wird. Dadurch ist M6G gegenüber Morphin mit einer Sicherheitsfunktion ausgestattet, wodurch sich die Intensität der Patientenüberwachung reduzieren lässt. Auf diese Weise lassen sich nicht nur die Aufenthaltszeiten in der Intensivstation sondern auch im Krankenhaus allgemein verkürzen.

Hohes Marktpotenzial

Das geschätzte Marktpotenzial im Schmerzbereich insgesamt liegt Analysten zufolge bei rund 1 Mrd. US-$. In den USA und im Bereich der EU finden jährlich zusammen 14.4 Mio. größere chirurgische Eingriffe im Unterleibs-, gynäkologischen und orthopädischen Bereich statt, die postoperativ mit potenten Schmerzmitteln bis zu 72 Stunden lang behandelt werden müssen. Dieser Markt befindet sich vorerst im Fokus von M6G und wird weltweit auf 200 Mio. US-$ geschätzt.

Rolf Froböse | Rolf Froböse
Weitere Informationen:
http://www.cenes.com

Weitere Berichte zu: Goldstandard M6G Morphin

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Wachablösung im Immunsystem: wie Dendritische Zellen ihre Bewaffnung an Mastzellen übergeben
16.11.2017 | Universitätsklinikum Magdeburg

nachricht Wie Lungenkrebs zur Entstehung von Lungenhochdruck führt
16.11.2017 | Justus-Liebig-Universität Gießen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Reibungswärme treibt hydrothermale Aktivität auf Enceladus an

Computersimulation zeigt, wie der Eismond Wasser in einem porösen Gesteinskern aufheizt

Wärme aus der Reibung von Gestein, ausgelöst durch starke Gezeitenkräfte, könnte der „Motor“ für die hydrothermale Aktivität auf dem Saturnmond Enceladus sein....

Im Focus: Frictional Heat Powers Hydrothermal Activity on Enceladus

Computer simulation shows how the icy moon heats water in a porous rock core

Heat from the friction of rocks caused by tidal forces could be the “engine” for the hydrothermal activity on Saturn's moon Enceladus. This presupposes that...

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kinderanästhesie aktuell: Symposium für Ärzte und Pflegekräfte

23.11.2017 | Veranstaltungen

IfBB bei 12th European Bioplastics Conference mit dabei: neue Marktzahlen, neue Forschungsthemen

22.11.2017 | Veranstaltungen

Zahnimplantate: Forschungsergebnisse und ihre Konsequenzen – 31. Kongress der DGI

22.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Kinderanästhesie aktuell: Symposium für Ärzte und Pflegekräfte

23.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Seminar „Leichtbau im Automobil- und Maschinenbau“ im Haus der Technik Berlin am 16. - 17. Januar 2018

23.11.2017 | Seminare Workshops

Biohausbau-Unternehmen Baufritz erhält von „ Capital“ die Auszeichnung „Beste Ausbilder Deutschlands“

23.11.2017 | Unternehmensmeldung