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Wechsel nicht ausgeschlossen – Lebensdauer eines künstlichen Hüftgelenks ist endlich

31.05.2007
Senta Berger hat eins, Schauspielerkollege Fritz Wepper auch und Haudegen Bud Spencer ebenfalls. Und wer selber keins hat, kennt mit Sicherheit jemanden in seinem Freundeskreis oder seiner Familie, der auch eins hat. Die Rede ist vom künstlichen Hüftgelenk.

Diese Endoprothese ist heute der häufigste menschliche Gelenkersatz. Erste Versuche, Hüftgelenke zu implantieren, gab es bereits in den 1930-er Jahren. Nennenswerte Erfolge erzielte man aber erst Anfang der 1960-er Jahre. Mittlerweile ist die etwa einstündige Operation ein Routineeingriff. Ein künstliches Hüftgelenk besteht aus einem Schaft im Oberschenkelknochen mit dem Gelenkkopf und der Pfanne im Becken. Je nach Modell werden heute Metall, Kunststoff und Keramik mit- oder untereinander kombiniert. Eine Verankerung der Prothese ist sowohl mit als auch ohne Knochenzement möglich. Allein in der Bundesrepublik werden jährlich etwa 180.000 Hüftgelenkprothesen eingesetzt. Tendenz steigend. Nicht nur, weil die Menschen immer älter werden, auch die Zahl der Jüngeren mit schmerzhaftem Gelenkverschleiß – der so genannten Coxarthrose – nimmt zu.

Ein komplexes Problem

Wer sich bei einer Coxarthrosebehandlung für den Einsatz eines künstlichen Gelenkes entscheidet, wird sich danach wahrscheinlich wieder schmerzfrei bewegen können, sollte sich aber darüber im klaren sein, dass es durchaus möglich ist, dass das Implantat im Laufe des Lebens noch einmal erneuert werden muss. „Ein künstliches Hüftgelenk kann derzeit zehn bis 20 Jahre funktionsfähig bleiben, dann lockern sich häufig die Implantate im Becken bzw. im Oberschenkelknochen“, erläutert Dr. Ulrich Pfeiffer, Chefarzt der Belegklinik für Orthopädie im St. Marien-Hospital Mülheim an der Ruhr. „Die Prothesenlockerung ist ein sehr komplexes Problem, das viele Ursachen haben kann. Nur in seltenen Fällen sind es allein mechanische Gründe. Trotzdem müssen Patienten mit neuem Hüftgelenk wissen, welche Belastung sie diesem zumuten können. Grundsätzlich sollte jeder mit einer Gelenkprothese vorsichtig sein mit körperlichen Aktivitäten, die mit starken Stauch- und Drehbelastungen des Gelenkes einhergehen. Sprung- sowie Ballsportarten mit Gegnerkontakt und plötzlichen Richtungswechseln wie z.B. Tennis, Fußball, Skilaufen oder Judo bergen große Risiken, deshalb raten wir hiervon ab. Man muss sich darüber im Klaren sein, dass das menschliche Hüftgelenk bereits im Alltag Millionen Male pro Jahr mit teilweise dem Mehrfachen des Körpergewichtes belastet wird.“

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Auch die zwangsläufige Alterung der Implantatmaterialien und Reaktionen des umliegenden Gewebes spielen bei der Prothesenlockerung eine Rolle. Man geht aber heute davon aus, dass wahrscheinlich Abriebpartikel des Prothesenmaterials eine Hauptursache für Lockerungsvorgänge sind. „Durch das dauernde mechanische Rotieren der Prothesenkugel in der Pfanne werden mikroskopisch kleine Teilchen gelöst“, erklärt Dr. Pfeiffer. „Lagern sie sich zwischen Prothese und Knochen ab, versucht die körpereigene Abwehr die Partikel mit Hilfe von Fresszellen zu eliminieren. So entsteht eine chronische Entzündung, die schließlich zur Lockerung der Prothese führen kann.“ Bei der Herstellung moderner Implantate ist es deshalb oberstes Ziel, den Abrieb des Produktes später so gering wie möglich zu halten. Die Lockerungsrate neuerer Prothesen wird daher wahrscheinlich zukünftig weiter abnehmen. Dr. Pfeiffer: „Trotzdem sollten alle Patienten mit einem neuen Hüftgelenk in regelmäßigen Abständen zur Nachuntersuchung gehen. Bei einer beginnenden Lockerung kann durch eine frühzeitig durchgeführte Wechseloperation größerer Schaden vermieden werden.“

Keine Alternative

Der Wechsel einer gelockerten Hüftprothese ist auch heute noch eine technisch aufwändige Operation. Jedoch gibt es zu diesem erneuten Eingriff keine alternative Behandlungsmöglichkeit, wenn die Lockerung und Instabilität voranschreitet und Schmerzen bereitet. "Eine Wechsel-OP ist schwieriger und dauert erheblich länger als das erstmalige Einbringen einer künstlichen Hüfte", so der Orthopäde aus Mülheim, „denn die erste Prothese muss zunächst aus dem Knochen gelöst werden. Dies kann zur zusätzlichen Schwächung des durch die Lockerungsvorgänge ohnehin mehr oder weniger stark geschädigten Knochens führen. Wurde die erste Prothese mit Knochenzement verankert, muss auch dieser vollständig entfernt werden. Auch dabei kann Knochenmaterial verloren gehen. Grundsätzlich lässt sich sagen: Je knochensparender das erste Implantat eingesetzt wurde und je früher eine einsetzende Prothesenlockerung entdeckt wird, desto einfacher und komplikationsloser ist der Wechseleingriff.“ Bei Patienten, die aufgrund ihres Alters mit einem Wechseleingriff rechnen müssen, ist daher als erstes Implantat ein knochensparendes Verfahren – wie beispielsweise die Kurzschaftprothese – zu empfehlen. In stabilen Oberschenkelknochen kann der im Vergleich zu konventionellen Modellen um zwei Drittel kürze Schaft ohne Zement knochensparend verankert werden. „Voraussetzung für den Erfolg ist allerdings immer ein von Beginn an sicherer und stabiler Einsitz der Prothesenteile im Knochen“, unterstreicht Dr. Pfeiffer. Ob dann bei der Wechseloperation eine zementierte Hüftprothese oder eine zementfreie Technik gewählt wird, muss der operierende Arzt im Einzelfall entscheiden. Qualität des Knochens, Alter und Beweglichkeit des Patienten spielen hier eine Rolle. Kompliziert werden die Wechseleingriffe vor allem auch durch die infolge von Vernarbungen sehr schwierigen Weichteilverhältnisse, insbesondere im Bereich der Hüftmuskulatur. „Prinzipiell sind aber mehrere Wechseloperationen an ein und demselben Hüftgelenk möglich“, stellt der Orthopäde klar. „Die feste Verankerung der Prothese im Knochen wird jedoch mit jedem neuen Eingriff immer schwieriger.“

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