Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Chirurgen erproben "Haut aus der Tube" zur Wundheilung

19.07.2000


... mehr zu:
»Wundheilung
Über ihre Erfahrungen mit der Plastischen Hautdeckung - Stichwort "Haut aus der Tube" - berichteten Mediziner von der Chirurgischen Klinik der Universität Würzburg Anfang Juli 2000 beim Jahreskongress der
Deutschen Gesellschaft für Wundheilung und Wundbehandlung in Würzburg.

Das Verfahren der Plastischen Hautdeckung wurde von der Arbeitsgruppe um den Freiburger Mediziner Prof. Dr. G. Björn Stark entwickelt. Es wurde in den 90-er Jahren erstmals mit Erfolg zur Deckung großflächiger Verbrennungen eingesetzt. Die Würzburger Chirurgen verwenden das Verfahren in ihrer Wundsprechstunde im Rahmen einer Beobachtungsstudie über chronische Geschwüre am Unterschenkel.

Unter örtlicher Betäubung wird dem Patienten ein 2 x 1 Zentimeter großes Hautareal aus der Leiste entnommen. Daraus werden bestimmte Hautzellen, die Keratinozyten, isoliert und dann in Zellkultur angezüchtet. Nach etwa 18 Tagen werden die Zellen mit einem Biokleber auf die Wunde aufgebracht - ganz so, als würde man "Haut aus der Tube" auftragen. Die weiteren Verbandswechsel unterscheiden sich nicht von üblicherweise durchgeführten feuchten Verbänden, und alle Behandlungsschritte können ambulant erfolgen.

Bei der Studie der Würzburger Chirurgen, die einen endgültigen Verschluss der nur schwer heilenden Wunden anstreben, werden der Heilungsverlauf bis zur Abheilung, die Narbenqualität sowie die Häufigkeit von Rückfällen beobachtet. Die Studie startete im Herbst 1999, seither nahmen 25 Patienten daran teil. Derzeit sprechen etwa 75 Prozent der Patienten auf die Behandlung an, das heißt: Die Wunde verkleinert sich. Ein vollständiger Wundverschluss konnte bei 40 Prozent erreicht werden. In der Nachbeobachtungszeit von bislang maximal neun Monaten kam es bisher zu einem Rückfall.

Der Kongress der Deutschen Gesellschaft für Wundheilung und Wundbehandlung stand unter dem Motto "Wundheilung 2000 - Gemeinsam neue Wege gehen". Er fand vom 29. Juni bis 1. Juli unter der Leitung von Prof. Dr. Arnulf Thiede, Direktor der Chirurgischen Klinik der Universität Würzburg, im Congress Centrum Würzburg statt.

Die Gesellschaft zeichnet sich dadurch aus, dass sie sich aus klinisch tätigen Ärzten verschiedenster Fachrichtungen (Allgemeine, Plastische, Gefäß- und Unfallchirurgie, Dermatologie, Innere Medizin, Geriatrie) sowie aus Grundlagenwissenschaftlern und Krankenpflegepersonal zusammensetzt. Sie wird wesentlich von pharmazeutischen Unternehmen unterstützt, die im Bereich der Wundheilung forschen.

Der Kongress wurde von PD Dr. Sebastian Debus (Chirurgische Klinik) und von PD Dr. Reinhard Gillitzer (Klinik für Haut- und Geschlechtskrankheiten) wissenschaftlich organisiert und erfreute sich eines sehr großen Zuspruchs: Zum Ende wurden 2.800 Besucher registriert, und das Congress Centrum war mit 60 Industrieständen ausgebucht. Themenschwerpunkte der Tagung waren unter anderem Lebensqualität, Ökonomie und Ethik sowie experimentelle Grundlagen und klinischer Einsatz von Wachstumsfaktoren.

Weitere Informationen: PD Dr. Sebastian Debus, T (0931) 201-3721, Fax (0931) 201-3483, E-Mail:
sebastian.debus@mail.uni-wuerzburg.de

Robert Emmerich |

Weitere Berichte zu: Wundheilung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht In Deutschland wächst die Zahl der Patienten mit Diabetes mellitus
23.02.2017 | Versorgungsatlas

nachricht Ursache für eine erbliche Muskelerkrankung entdeckt
22.02.2017 | Klinikum der Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie