Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Guten Appetit bei Fisch

14.11.2000


Trotz belasteter Meere ist Fisch ein gesundes Lebensmittel

Im Grunde kein Thema sind für den Hamburger Chemiker Horst Karl die

derzeitigen Schadstoffbelastungen bei Fischen. Zusammen mit seinen Kollegen Ines Lehmann und Jörg Oehlenschläger vom Institut für Biochemie und Technologie der Bundesforschungsanstalt für Fischerei hat er die wichtigsten Speisefische auf Rückstände und unerwünschte Stoffe gecheckt. "Mit Fisch steht dem Verbraucher heute ein gesundes, nur gering belastetes Lebensmittel zur Verfügung", so das Resümee seiner umfangreichen Untersuchungen.

Das Ergebnis mag zunächst überraschen, sind doch die Meere erheblichen Belastungen ausgesetzt, angefangen von Schadstoffeinträgen durch Flüsse und über die Atmosphäre bis hin zu immer wieder vorkommenden Tankerunglücken. Doch Horst Karl nennt einige Gründe, weshalb sich diese negativen Faktoren nicht unbedingt im Lebensmittel Fisch widerspiegeln. Organische Rückstände wie zum Beispiel chlorierte Kohlenwasserstoffe oder Dioxine reichern sich vor allem im Fettgewebe oder in der Leber an. Viele Konsumfische wie Kabeljau, Rotbarsch oder Seelachs haben aber einen relativ niedrigen Fettgehalt im essbaren Anteil, dem Filet. Fische mit hohem Fettgehalt wie Hering und Makrele wachsen schnell und werden schon in jungen Jahren stark befischt, so dass eine Altersakkumulation weitgehend entfällt. Zudem stammt ein Großteil der für den deutschen Markt gefangenen Fische aus küstenfernen Gewässern, die vergleichsweise wenig verschmutzt sind.

Dennoch ist die Situation durchaus differenziert zu sehen. Horst Karl und Mitarbeiter fanden zum Beispiel eine deutliche Beziehung zwischen dem Alter von Makrelen - ausgedrückt in der Länge der Fische - und den Gehalten an PCB (polychlorierte Biphenyle): Während 40 cm lange Makrelen aus der Deutschen Bucht rund 130 Mikrogramm PCB pro Kilogramm Körpermasse aufwiesen, brachten es 25 cm lange Exemplare nur auf 20 Mikrogramm. In der küstenferneren nördlichen Nordsee lag der PCB-Gehalt auch bei den größeren Makrelen nur bei maximal 30 Mikrogramm pro Kilogramm. Insgesamt liegen die PCB-Werte bei Makrelen, ähnlich wie bei Lachs und Hering, deutlich unter der zulässigen Höchstmenge. Entsprechendes gilt für Rückstände chlorierter organischer Pflanzenschutzmittel wie DDT, Lindan, Dieldrin und Toxaphen, die zum Teil schon vor Jahrzehnten verboten wurden, aber aufgrund ihrer Langlebigkeit noch immer in Spuren nachweisbar sind.

Und wie ist es mit der Quecksilberbelastung von Thunfisch in Dosen? Auch hier können die Wissenschaftler der Bundesforschungsanstalt für Fischerei Auskunft geben. Thunfisch gehört zu den Fischen, die Quecksilber unter anderem im Muskelgewebe speichern. Bis Mitte der 60er-Jahre, als vorwiegend große und sehr alte Fische für die Herstellung von Thunfischkonserven verwendet wurden, konnte man erhöhte Quecksilber-Konzentrationen in den Konserven finden. In Kenntnis dieser Tatsache verarbeitet die Fischindustrie heutzutage nur noch jüngere Fische. Dieser Wandel hat sich nach den Erfahrungen der Hamburger Wissenschaftler aber noch nicht hinreichend in der Öffentlichkeit durchgesetzt, so dass die Thunfischkonserve zuweilen auch heute noch völlig zu Unrecht als Beispiel für belastete Fischerzeugnisse gilt. Vorsicht sei allerdings bei großen und alten Exemplaren von Weißem Heilbutt und Schwertfischen geboten, die erhöhte Quecksilbergehalte aufweisen können. Deshalb würden diese Einzelfische vor der Freigabe für die Vermarktung auf ihren Gehalt hin untersucht.

Doch nicht nur die "klassischen" Schadstoffe sollten bei künftigen Untersuchungen im Blickfeld stehen. Jörg Oehlenschäger weist auf neue Stoffe hin, die in den nächsten Jahren an Bedeutung gewinnen könnten: "Die Verwendung von Antiklopf-Zusätzen zu Benzin auf der Basis von Mangan und die Verwendung von Elementen der Platingruppe in Katalysatoren lassen es ratsam erscheinen, die Konzentration auch dieser Substanzen in der Umwelt zu verfolgen", so sein Plädoyer.

Auch wenn die drei Hamburger Lebensmittelforscher derzeit dem Fisch ein gutes Zeugnis ausstellen, sind sie sich einig, dass die Belastung der Fische direkt mit der Güte des Wassers zusammen hängt: "Damit die hohe Qualität des Lebensmittels Fisch auch in Zukunft Bestand hat, müssen die Bemühungen zur Verringerung der Schadstoffeinträge in die Meere und Seen auf allen Ebenen verstärkt fortgesetzt werden."

Eine ausführliche Darstellung der Untersuchungen findet sich in der neuen Ausgabe des ForschungsReports, dem Wissenschaftsmagazin des Senats der Bundesforschungsanstalten. Das aktuelle Heft 2/2000 ist kostenlos zu beziehen über die Geschäftsstelle des Senats der Bundesforschungsanstalten, Tel.: 0531/299-3396, 
E-Mail: senat@bba.de

Dr. Michael Welling | idw

Weitere Berichte zu: Bundesforschungsanstalt

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz gegen Gastritis
10.08.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Wenn Schimmelpilze das Auge zerstören
10.08.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Im Focus: Exotic quantum states made from light: Physicists create optical “wells” for a super-photon

Physicists at the University of Bonn have managed to create optical hollows and more complex patterns into which the light of a Bose-Einstein condensate flows. The creation of such highly low-loss structures for light is a prerequisite for complex light circuits, such as for quantum information processing for a new generation of computers. The researchers are now presenting their results in the journal Nature Photonics.

Light particles (photons) occur as tiny, indivisible portions. Many thousands of these light portions can be merged to form a single super-photon if they are...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Neues Verfahren zur Inprozesskontrolle in der Warmumformung

18.08.2017 | Verfahrenstechnologie

Auf dem Weg zu künstlichem Gewebe- und Organersatz aus dem 3D-Drucker

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungsnachrichten