Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Puzzle-Arbeit mit System

12.03.2002


Deutsche Krebshilfe motiviert zur Teilnahme an Therapiestudien

„Ziel einer Therapiestudie ist immer das Bestreben, eine für den Kranken optimale Therapieform zu entwickeln.“ Damit brachte Frau Professor Dr.-Ing. habil. Dagmar Schipanski, Präsidentin der Deutschen Krebshilfe, auf den Punkt, dass der Patient auf dem langen Weg der Wissenschaft von der Forschung in die Klinik nie aus dem Blick geraten darf. Therapiestudien sind Puzzle-Arbeit mit System. Sie dienen der Fortentwicklung der Chemo- und Strahlentherapie, der Individualisierung von Therapieschemata und der Perfektionierung der zur Verfügung stehenden Behandlungsmethoden. Damit sind sie wichtigstes Instrument in der Krebsbekämpfung. Zertifizierte Studien in der Onkologie standen daher im Mittelpunkt des Präsidenten-Symposiums beim 25. Deutschen Krebskongress in Berlin. Aber auch in anderen wissenschaftlichen Symposien ging es um die große Bedeutung von Therapiestudien.

„Eine optimale Therapie bedeutet aus der Sicht des Krebspatienten: So wirksam wie möglich und gleichzeitig so nebenwirkungsarm wie möglich“, sagte Frau Professor Schipanski zu Beginn des Präsidenten-Symposiums. Jede Therapiestudie trage dazu bei, dieses Ziel zu erreichen. Trotzdem rufen Therapiestudien sowohl in der Bevölkerung als auch bei manchen Ärzten Ängste hervor – Assoziationen wie „Versuchskaninchen“ werden geweckt. Doch Frau Professor Schipanski stellte klar, dass dies völlig unbegründet sei: „Wer als Krebspatient an einer Therapiestudie teilnimmt, bekommt die beste zur Zeit bekannte Behandlung und erhält durch neue Modifikationen zusätzliche Heilungschancen“. Darüber hinaus werde jede Studie überwacht.

Die Unterstützung von Therapiestudien stellt einen wichtigen Förderschwerpunkt der Deutschen Krebshilfe dar. Jahr für Jahr investiert die Organisation rund zwei Millionen Euro allein in diesen Bereich. Fast alle derzeit in Deutschland laufenden Therapie-Optimierungsstudien bei krebskranken Kindern werden von der Deutschen Krebshilfe finanziert. Zu einer dieser Studien, die weltweit Beachtung finden, gehört die „Kooperative Weichteilsarkom-Studie (CWS-96)“ unter der Leitung von Professor Dr. Jörn Treuner, Stuttgart. „Diese Studie hat für die Behandlung von bösartigen Weichteil-Tumoren bei Kindern einen Meilenstein gesetzt. Das langfristige Überleben der kleinen Patienten konnte innerhalb von nicht einmal 20 Jahren von 30 Prozent auf fast 80 Prozent gesteigert werden“, sagte Frau Schipanski. Die Deutsche Krebshilfe hat diese Studie mit bisher über zwei Millionen Euro gefördert.

Ein weiteres Aushängeschild der von der Deutschen Krebshilfe geförderten Therapiestudien ist die Deutsche Hodgkin-Lymphom-Studiengruppe unter der Leitung von Professor Dr. Volker Diehl, Köln. „Durch die Arbeiten dieser Gruppe wurde erreicht, dass heutzutage sogar fortgeschrittene Stadien der bösartigen Lymph-Erkrankung in bis zu 90 Prozent geheilt werden können“, konstatierte die Präsidentin der Deutschen Krebshilfe. Nun ginge es vor allem darum, wie die Nebenwirkungen der Therapie reduziert und die Rate der Zweittumoren gesenkt werden könne.

Infokasten Therapiestudien

 

In Therapiestudien – auch klinische Studien genannt – werden Behandlungsverfahren an einer größeren Anzahl von Patienten statistisch geplant, systematisch überprüft und sorgfältig ausgewertet. Grundsätzlich unterscheidet man: - Präklinische Studien: Im Labor werden die physikalischen und chemischen Eigenschaften eines neuen Wirkstoffes oder einer neuen Behandlungstechnik untersucht.

  • Klinische Arzneimittelprüfungen in den Phasen I, II und III: In Deutschland dürfen nur Arzneimittel verschrieben und verkauft werden, deren Wirksamkeit und Unbedenklichkeit nachgewiesen sind. Hierzu müssen sie vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) offiziell zugelassen werden. Voraussetzung dafür ist, dass alle drei Phasen der klinischen Arzneimittelprüfung der Reihe nach erfolgreich durchgeführt wurden. Phase-IV-Studien überprüfen bereits zugelassene Medikamente.

  • Therapie-Optimierungs-Prüfungen (TOP): Etablierte Behandlungsmethoden werden zum Beispiel in anderer zeitlicher Abfolge oder mit anderen Dosierungsschemata angewendet oder neu kombiniert. Ziel ist es, die Heilungschancen von Patienten zu vergrößern oder ihre Lebensqualität zu verbessern.

Bei der Durchführung von Studien werden äußere Einflussfaktoren zum Beispiel durch Randomisierung, Verblindung oder Doppel-Verblindung weitgehend ausgeschlossen. Eine Ethikkommission überprüft, ob alle Schutzbestimmungen eingehalten werden, und erteilt den Studienärzten die Zustimmung für ihr Vorhaben. Jede Studie muss bei den Aufsichtsbehörden der Bundesländer angemeldet werden.

Die Broschüre „Klinische Studien“ kann kostenfrei bei der Deutschen Krebshilfe, Postfach 14 67, 53004 Bonn, Fax: 0228/ 72 99 0-11, E-Mail: deutsche@krebshilfe.de, bestellt werden. Außerdem kann die Broschüre im Internet unter www.krebshilfe.de im Volltext gelesen und heruntergeladen werden.

| Medieninfo
Weitere Informationen:
http://www.krebshilfe.de

Weitere Berichte zu: Arzneimittelprüfung Therapiestudie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz gegen Gastritis
10.08.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Wenn Schimmelpilze das Auge zerstören
10.08.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wissenschaftler entdecken seltene Ordnung von Elektronen in einem supraleitenden Kristall

In einem Artikel der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Nature“ berichten Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe in Dresden von der Entdeckung eines seltenen Materiezustandes, bei dem sich die Elektronen in einem Kristall gemeinsam in einer Richtung bewegen. Diese Entdeckung berührt eine der offenen Fragestellungen im Bereich der Festkörperphysik: Was passiert, wenn sich Elektronen gemeinsam im Kollektiv verhalten, in sogenannten „stark korrelierten Elektronensystemen“, und wie „einigen sich“ die Elektronen auf ein gemeinsames Verhalten?

In den meisten Metallen beeinflussen sich Elektronen gegenseitig nur wenig und leiten Wärme und elektrischen Strom weitgehend unabhängig voneinander durch das...

Im Focus: Wie ein Bakterium von Methanol leben kann

Bei einem Bakterium, das Methanol als Nährstoff nutzen kann, identifizierten ETH-Forscher alle dafür benötigten Gene. Die Erkenntnis hilft, diesen Rohstoff für die Biotechnologie besser nutzbar zu machen.

Viele Chemiker erforschen derzeit, wie man aus den kleinen Kohlenstoffverbindungen Methan und Methanol grössere Moleküle herstellt. Denn Methan kommt auf der...

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

International führende Informatiker in Paderborn

21.08.2017 | Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer IPM präsentiert »Deep Learning Framework« zur automatisierten Interpretation von 3D-Daten

22.08.2017 | Informationstechnologie

Globale Klimaextreme nach Vulkanausbrüchen

22.08.2017 | Geowissenschaften

RWI/ISL-Containerumschlag-Index erreicht neuen Höchstwert

22.08.2017 | Wirtschaft Finanzen