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Entzündliche Ausstülpungen im Darm: Wann muss operiert werden?

18.05.2007
Die Divertikulose ist die häufigste gutartige Darmerkrankung in der westlichen Welt. Das Auftreten von Divertikeln – das sind Ausstülpungen der Darmschleimhaut durch Schwachstellen in der Darmwand – nimmt mit zunehmendem Lebensalter deutlich zu.

Während bei den 30- bis 40-jährigen noch weniger als zehn Prozent darunter leiden, sind es bei den über 65-jährigen bereits etwa 60 Prozent. Wobei „leiden“ im Zusammenhang mit der Divertikulose eigentlich nicht das richtige Wort ist: Denn das reine Vorhandensein dieser Divertikel ist harmlos und in etwa 75 Prozent der Fälle bleibt die Erkrankung auch ohne Symptome.

„Bei einem Viertel der Patienten mit Divertikeln kommt es allerdings zu Komplikationen“, weiß Privatdozent Dr. Karl Kipfmüller, Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie am St. Marien-Hospital Mülheim an der Ruhr. „Häufig sind dies Entzündungen einer oder mehrerer Ausstülpungen – bedingt durch Kotbestandteile, die sich darin festsetzen. In diesem Fall spricht man von der Divertikulitis. Über 90 Prozent der Divertikel treten im Sigma, dem Dickdarmteil im linken Unterbauch, auf. Der Entzündungsherd kann auf die unmittelbare Umgebung des Divertikels begrenzt sein oder auch auf benachbarte Organe übergreifen. Häufigstes Symptom der Divertikulitis sind Schmerzen. Oft tritt zusätzlich eine Verstopfung ein.“ Bei einer diagnostizierten Divertikelentzündung wird zunächst durch Antibiotikagabe die Infektion des Dickdarms und des umgebenden Gewebes behandelt. Kombiniert wird die Therapie mit einer Diät, die in den ersten Tagen nur aus Tee oder Wasser besteht.

Engstellen

„Problematisch wird es, wenn in einem Darmabschnitt mehrere Entzündungen abgelaufen sind“, so Dr. Kipfmüller, „da es dann zu einer narbigen Schrumpfung in diesem Areal kommen kann. Wenn eine Engstelle, eine so genannte Stenose, entsteht, wird der Transport des Stuhlganges gestört. Je nach Verlauf der Erkrankung kann dies sogar zum kompletten Darmverschluss führen. Deshalb sollte, auch wenn die Beschwerden durch die konservative Therapie zurückgehen, zum Ausschluss einer Darmverengung im Anschluss an eine akute Entzündung eine Röntgendarstellung erfolgen. Bei einer deutlichen Verengung des Darms oder wiederholten Krankheitsschüben ist eine Operation anzuraten. Wir empfehlen jüngeren Menschen den Eingriff bereits nach dem ersten oder zweiten Schub, da anzunehmen ist, dass weitere folgen und dann Komplikationen auftreten. Kommt es zu einer schweren Entzündung mit hochgradiger Passagebehinderung des Stuhls, Abszessbildung, heftigen Blutungen oder Darmdurchbruch, muss die Operation notfallmäßig erfolgen. Bei älteren Patienten sollte man beim Aussprechen einer Operationsempfehlung neben der Häufigkeit des Auftretens und der Schwere der Krankheitsschübe auch das Lebensalter und bestehende Nebenerkrankungen berücksichtigen. Denn schließlich handelt es sich nicht um eine bösartige Erkrankung.“

Minimal invasiv

Zumeist kann die Operation heute endoskopisch durchgeführt werden. Über einen etwa zwei Zentimeter langen Hautschnitt wird ein so genannter Trokar in die Bauchdecke eingeführt. Durch den kann der Operateur mit Hilfe eines Spezialendoskops, das an eine Videokamera und an eine Lichtquelle angeschlossen ist, den Bauchraum einsehen. Über weitere kleine Hautschnitte werden die Operationsinstrumente eingebracht. „Bei dem Eingriff wird das erkrankte Darmstück über einen etwa fünf Zentimeter langen Schnitt entfernt. Zur Bergung der Organteile aus dem Bauchraum wird ein spezieller Bergebeutel verwendet. So wird die Verunreinigung der Bauchdecke verhindert. Die Darmenden werden anschließend wieder vereinigt“, erläutert Dr. Kipfmüller. „Im Falle eines schweren Krankheitsverlaufs, bei dem schon eine Bauchfellentzündung aufgetreten ist, wird man sich zur Anlage eines Kunstafters entschließen müssen. Dieser kann in den meisten Fällen aber nach einigen Monaten wieder zurückverlegt werden.“

Der Verzicht auf eine große Zugangswunde bedeutet für den Patienten weniger Schmerzen und ermöglicht eine schnellere Mobilisation. Dennoch ist eine minimal invasive Operation ebenso ein Eingriff wie in der klassischen Chirurgie. Dr. Kipfmüller: „Wie bei konventionellen Operationen kann es auch nach minimal invasiven Eingriffen zu typischen Komplikationen kommen. Deshalb ist auch hier eine Antithrombose-Prophylaxe und Antibiotikagabe ebenso obligat wie die regelmäßige postoperative Kontrolle durch den Operateur. Mussten früher die Patienten nach einer Darmoperation noch über mehrere Tage durch Infusionen ernährt werden, dürfen sie heute bereits am Abend des OP-Tages wieder trinken und schon am nächsten Tag leichte Kost zu sich nehmen. Nach Entlassung aus der Klinik ist keine spezielle Diät mehr erforderlich. Allerdings sollte man in den ersten Tagen noch nicht übermäßig viel essen und auch auf stark blähende Speisen verzichten.“

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