Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Jenaer Chirurgen ersetzten eine kranke Hauptschlagader

28.09.2000


... mehr zu:
»Aneurysma »Hauptschlagader
Jena. (28.09.00) Die vollständige Körperschlagader eines 43-jährigen Patienten aus Ilmenau hat ein Spezialisten-Team um Prof. Dr. Thorsten Wahlers im Jenaer Uniklinikum durch eine Prothese aus Kunststoffgewebe
ersetzt. Die neunstündige, hochkomplizierte Operation war notwendig geworden, weil der Mann an einer lebensgefährlichen Ausweitung des Blutgefäßes, einem so genannten Aneurysma, litt. Der Patient ist wohlauf und wird morgen, nach nur 14-tägigem Krankenhausaufenthalt, aus der Klinik entlassen. Mit dem routinemäßigen Nachsorgeprogramm wird er nach Ansicht der Ärzte wieder voll berufsfähig sein.

Für der Ilmenauer Detlef Queck, einen gelernten Glasbläser in Lauscha, war dies bereits die fünfte Operation an der Hauptschlagader. Das Jenaer Team ersetzte nun den letzten und schwierigsten Abschnitt im unteren Drittel zwischen rechter Brusthälfte und Leiste. In diesem Bereich versorgt die Schlagader auch Nieren, Darm und Rückenmark. Prof. Wahlers: "Wenn die Nerven im Rückenmark zu lange von der Sauerstoffzufuhr abgeschnitten werden, erleidet der Patient eine Querschnittlähmung." Dieses Risiko liegt trotz der speziellen Herz-Lungen-Maschine, die die Jenaer Operateure einsetzten, immer noch bei 25 Prozent.

Aus diesem Grund wagen sich auch nur wenige Spezialkliniken in Deutschland an solche komplizierte Eingriffe heran. "Wir möchten deutlich machen, dass in Thüringen jetzt mit der Jenaer Uni-Klinik für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie so eine Einrichtung zur Verfügung steht", erläutert Wahlers, "damit wird ist eine eklatante Versorgungslücke in den neuen Bundesländern geschlossen." Wahlers weiß, dass gerade in Mitteldeutschland noch zahlreiche Patienten auf einen solchen Eingriff warten. "Viele Hausärzte halten diese Aneurysmen aber für inoperabel", so Wahlers weiter, "wir appellieren an sie, ihre Patienten an uns zu überweisen."

Als traurige Alternative bliebe nur der Tod. Denn bei der hochgefährlichen Erkrankung entsteht eine Ausdehnung und Ausweitung der Blutgefäße, die schließlich schon bei der kleinsten Anstrengung oder Aufregung explodieren kann wie ein Ballon. Üblicherweise beträgt der Durchmesser der Hauptschlagader etwa zwei Zentimeter, bei dem Ilmenauer Patienten war sie stellenweise auf bis zu elf Zentimeter ausgedehnt. "Diese Patienten tragen eine tickende Zeitbombe in sich", macht Wahlers’ Oberarzt PD Dr. Johannes Albes deutlich, "Wenn das Aneurysma aufplatzt, haben sie fast keine Überlebenschance mehr."

Kehrseite der Medaille ist allerdings die geringe Wirtschaftlichkeit derartiger Operationen für die Klinik. "Wir erhalten nur den üblichen Tagessatz erstattet", rechnet Prof. Wahlers vor, "das macht nur einen Bruchteil der tatsächlichen OP-Kosten von rund 60.000 Mark aus." Auf den Eingriff zu verzichten, hält Wahlers dennoch für absurd: "Wir müssen scharf kalkulieren, aber es kommt für uns überhaupt nicht in Frage, solche Patienten ihrem Schicksal zu überlassen. Das ist schon ein Gebot der Menschlichkeit."

Auch volkswirtschaftlich betrachtet, entstehe eine positive Bilanz: Schließlich sind Patienten wie Detlef Queck nach der Genesung wieder voll einsetzbar und können fast immer in ihren alten Beruf zurückkehren. "Das ist doch eine Perspektive", so Wahlers, "wer möchte schon als junger Frührentner nur noch auf den Tod warten."

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Thorsten Wahlers
Klinik für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie
der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Tel.: 03641/934801, Fax 934802


Friedrich-Schiller-Universität
Referat Öffentlichkeitsarbeit
Dr. Wolfgang Hirsch
Fürstengraben 1
07743 Jena
Tel.: 03641/931031
Fax: 03641/931032
E-Mail: h7wohi@sokrates.verwaltung.uni-jena.de

Dr. Wolfgang Hirsch | idw

Weitere Berichte zu: Aneurysma Hauptschlagader

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Verschwindende Äderchen: Diabetes schädigt kleine Blutgefäße am Herz und erhöht das Infarkt-Risiko
23.03.2017 | Technische Universität München

nachricht Ein Knebel für die Anstandsdame führt zu Chaos in Krebszellen
22.03.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Im Focus: Tracing down linear ubiquitination

Researchers at the Goethe University Frankfurt, together with partners from the University of Tübingen in Germany and Queen Mary University as well as Francis Crick Institute from London (UK) have developed a novel technology to decipher the secret ubiquitin code.

Ubiquitin is a small protein that can be linked to other cellular proteins, thereby controlling and modulating their functions. The attachment occurs in many...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Besser lernen dank Zink?

23.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Innenraum-Ortung für dynamische Umgebungen

23.03.2017 | Architektur Bauwesen