Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Immunmodulation in der allogenen Stammzelltransplantation

15.05.2007
Die Knochenmark- oder Stammzelltransplantation bietet die Chance auf Heilung für viele Leukämiepatienten, ist jedoch nach wie vor mit einer hohen Komplikationsrate behaftet.

Ursache dieser Komplikationen sind häufig Immunreaktionen zwischen Spender und Empfänger sowie die zur Vermeidung und Therapie der Komplikationen eingesetzten immunsuppressiven Medikamente. Mit Unterstützung der Wilhelm Sander-Stiftung untersuchen Mitarbeiter des Klinikums der Universität Regensburg, ob die dem Immunsystem eigenen Mechanismen der Immunsuppression ausgenutzt werden können zur Vermeidung solcher Transplantationskomplikationen.

Die allogene Knochenmark- oder Stammzelltransplantation bietet eine Heilungschance für Patienten mit Leukämie- und Lymphomerkrankungen. Durch die strahlen- und/oder chemotherapeutische Vorbehandlung des Patienten wird das Anwachsen transplantierter Stammzellen im Knochenmark ermöglicht, das Immunsystem des Patienten zur Vermeidung der Transplantatabstoßung unterdrückt und verbliebene Tumorzellen werden möglichst zerstört. Neben dieser Vorbehandlung sind insbesondere immunologische Interaktionen zwischen Spender und Empfänger für den Erfolg dieser Therapieform von zentraler Bedeutung. T-Lymphozyten des Spenders unterstützen das Anwachsen der Blutstammzellen und verhindern Infektionen indem sie die Immunfunktion nach Transplantation stärken. Vor allem führen sie aber zur immunologischen Zerstörung verbliebener Empfängerblutzellen, wodurch auch residuelle Tumorzellen eliminiert und Krankheitsrückfälle verhindert werden. Andererseits sind Spender-T-Zellen auch die Ursache für schwerwiegende Komplikationen nach allogener Stammzelltransplantation, da sie die lebensbedrohliche Spender-gegen-Wirt-Reaktion ("graft-versus-host disease", GVH-Erkrankung) auslösen können. Hierbei werden konventionelle Spender-T-Zellen im Empfänger unkontrolliert aktiviert und führen zur Zerstörung von Organen, insbesondere des Darmes, der Leber und der Haut. Zentrales Ziel der Transplantationsforschung ist es deshalb, die vorteilhaften Wirkungen von Spender-T-Lymphozyten zu nutzen ohne die Gefahren für die Auslösung einer schweren GVH-Erkrankung zu erhöhen.

In tierexperimentellen Studien konnte Dr. M. Edinger von der hämatologischen Abteilung der Universitätsklinik Regensburg zeigen, dass CD4+CD25+ regulatorische T-Zellen des Spenders keine GVH-Erkrankung auslösen, die durch konventionelle T-Zellen ausgelöste Transplantationskomplikation aber unterdrücken. Dabei kommt es nicht zu einer generellen Lähmung des Immunsystems, so daß die antitumorale Wirkung von konventionellen Spenderlymphozyten erhalten werden kann. Da regulatorische T-Zellen sowohl in der Maus als auch im Menschen vorkommen und in beiden Spezies überlebenswichtige Funktionen ausüben, haben Dr. Edinger und seine Mitarbeiter Arbeiten zur Umsetzung der im Tiermodell gewonnenen Erkenntnisse durchgeführt. Sie konnten durch Unterstützung der Wilhelm Sander-Stiftung nachweisen, dass humane regulatorische T-Zellen sicher identifiziert werden können und konnten Methoden entwickeln, um diese Zellen aus dem Blut von Stammzellspendern zu isolieren. Darüber hinaus wurden erstmals effiziente Zellkulturmethoden für die Vermehrung dieser Zellen in vitro beschrieben. Unter Anwendung dieser Technologien wurde am Klinikum Regensburg mittlerweile die weltweit erste Studie zum adoptiven Transfer regulatorischer T-Zellen in Patienten nach allogener Stammzelltransplantation initiiert. Die fortgesetzte Förderung des Projektes durch die Wilhelm Sander-Stiftung soll nun gewährleisten, dass die Wirksamkeit dieser Zellpopulation zum Schutz vor einer GVH-Erkrankung nach Stammzelltransplantation weiter klinisch untersucht werden kann. Ziel dieser Studien ist die Entwicklung von neuen und sicheren Transplantationsstrategien für Patienten mit malignen Bluterkrankungen.

Kontakt:
Dr. med. Matthias Edinger, Regensburg
Tel. +49 941 944 5514, FAX +49 941 944 5502,
e-mail: matthias.edinger@klinik.uni-regensburg.de
Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert dieses Forschungsprojekt mit über
210.000 €. Stiftungszweck der Stiftung ist die medizinische Forschung, insbesondere Projekte im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden dabei insgesamt über 160 Mio. Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Bernhard Knappe | idw
Weitere Informationen:
http://www.wilhelm-sander-stiftung.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Tollwutviren zeigen Verschaltungen im gläsernen Gehirn
19.01.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Sicher und gesund arbeiten mit Datenbrillen
13.01.2017 | Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

An Bord einer Höhenforschungsrakete wurde erstmals im Weltraum eine Wolke ultrakalter Atome erzeugt. Damit gelang der MAIUS-Mission der Nachweis, dass quantenoptische Sensoren auch in rauen Umgebungen wie dem Weltraum eingesetzt werden können – eine Voraussetzung, um fundamentale Fragen der Wissenschaft beantworten zu können und ein Innovationstreiber für alltägliche Anwendungen.

Gemäß dem Einstein’schen Äquivalenzprinzip werden alle Körper, unabhängig von ihren sonstigen Eigenschaften, gleich stark durch die Gravitationskraft...

Im Focus: Quantum optical sensor for the first time tested in space – with a laser system from Berlin

For the first time ever, a cloud of ultra-cold atoms has been successfully created in space on board of a sounding rocket. The MAIUS mission demonstrates that quantum optical sensors can be operated even in harsh environments like space – a prerequi-site for finding answers to the most challenging questions of fundamental physics and an important innovation driver for everyday applications.

According to Albert Einstein's Equivalence Principle, all bodies are accelerated at the same rate by the Earth's gravity, regardless of their properties. This...

Im Focus: Mikrobe des Jahres 2017: Halobacterium salinarum - einzellige Urform des Sehens

Am 24. Januar 1917 stach Heinrich Klebahn mit einer Nadel in den verfärbten Belag eines gesalzenen Seefischs, übertrug ihn auf festen Nährboden – und entdeckte einige Wochen später rote Kolonien eines "Salzbakteriums". Heute heißt es Halobacterium salinarum und ist genau 100 Jahre später Mikrobe des Jahres 2017, gekürt von der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM). Halobacterium salinarum zählt zu den Archaeen, dem Reich von Mikroben, die zwar Bakterien ähneln, aber tatsächlich enger verwandt mit Pflanzen und Tieren sind.

Rot und salzig
Archaeen sind häufig an außergewöhnliche Lebensräume angepasst, beispielsweise heiße Quellen, extrem saure Gewässer oder – wie H. salinarum – an...

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Hybride Eisschutzsysteme – Lösungen für eine sichere und nachhaltige Luftfahrt

23.01.2017 | Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Wie der Nordatlantik zum Wärmepirat wurde

23.01.2017 | Geowissenschaften

Immunabwehr ohne Kollateralschaden

23.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

23.01.2017 | Physik Astronomie