Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Therapien bei fortgeschrittenem Darmkrebs - Laserlicht und Ultraschall

08.08.2000


Neue Therapien bei fortgeschrittenem Darmkrebs!
Göttinger Mediziner veröden Krebsmetastasen in der Leber zum Beispiel mit Laserlicht

(ukg) Darmkrebs, auch kolorektales Karzinom genannt, ist in der westlichen Welt die zweithäufigste tumorbedingte Todesursache. In der Bundesrepublik sterben jährlich über 30.000 Menschen an den Folgen von Darmkrebs. Ein Grund hierfür ist: der Krebs macht sich häufig erst spät bemerkbar und ist zum Zeitpunkt der Diagnosestellung bereits weit fortgeschritten. Oft kann er nicht mehr durch eine Operation komplett (kurativ) entfernt werden. Dennoch wird bei etwa zwei Dritteln aller Patienten mit Darmkrebs noch eine Heilung durch eine operative Tumorentfernung angestrebt. 50 Prozent der Operierten versterben allerdings in den folgenden fünf Jahren an den Folgen der Tumorerkrankung. Häufigste Ursache hierfür ist, dass der ursprünglich im Darm wachsende Tumor zum Zeitpunkt der Operation bereits gestreut (metastasiert) und in entfernten Organen kleine Tochtergeschwülste, so genannte Mikrometastasen, gesetzt hat. Am häufigsten finden sich diese Absiedlungen in der Leber. Göttinger Mediziner vom Zentrum Innere Medizin der Universität setzen bei solchen Lebermetastasen eine spezielle Lasertherapie ein.

"Je kleiner der Tumor bei der Erstdiagnose ist, je früher er also entdeckt wird, desto besser stehen die Chancen, durch eine Operation geheilt zu werden. Deshalb sind regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen wichtig," sagt Professor Dr. Giuliano Ramadori, Leiter der Abteilung Gastroenterologie und Endokrinologie. Oft habe der Darmkrebs bei einigen Patienten zum Zeitpunkt der Diagnosestellung bereits Metastasen gesetzt. Die hohe Sterblichkeit des fortgeschrittenen Darmkrebses konnte in der Vergangenheit nicht wesentlich durch Chemotherapien oder die operative Entfernung neu aufgetretener Metastasen verbessert werden.

Mit lokalen Verfahren wird versucht, Metastasen gezielt zu zerstören, zum Beispiel durch die Radiofrequenztherapie oder die Äthanolinjektion. Nahezu reiner Alkohol (Äthanol) wird mit einer feinen Kanüle durch die Haut hindurch unter Ultraschallsicht in solche Leberherde gebracht und zerstört die Tumorzellen. Diese Behandlung wirkt besonders effektiv bei bestimmten Leberzelltumoren (hepatozelluläre Karzinomen), die von einer feinen Kapsel umgeben sind. Auf diese Weise verteilt sich der zerstörende Alkohol zwar, gelangt aber nicht ins gesunde Lebergewebe. Lebermetastasen, die von Darmkrebs ausgehen, haben eine solche Kapsel in der Regel nicht. Daher haben die Mediziner eine neue Therapie entwickelt, die die Effektivität einer Chemotherapie steigert oder eine Chemotherapie erst ermöglicht.

Feine Lasersonden werden ebenfalls unter Ultraschallsicht durch die Haut hindurch in das Zentrum der Lebermetastasen dirigiert und "veröden" den Tumor durch das Laserlicht. Das Tumorgewebe in der Umgebung der Lasersonde wird durch den sehr energiereichen Laserstrahl erhitzt und geht dadurch zugrunde. Der ganze Eingriff geschieht wie bei einer diagnostischen Gewebeentnahme durch eine Punktion durch die Haut. Es ist also keine offene Operation und daher relativ risikoarm. Die Patienten erhalten während des Eingriffes lediglich ein Beruhigungs- und ein Schmerzmittel über eine Vene, um den ganzen Vorgang so schonend wie möglich durchzuführen. Im Rahmen einer Studie wird der langfristige Erfolg dieser Behandlung an der Göttinger Universitätsklinik untersucht. "Prinzipiell scheint diese Methode nicht nur geeignet zu sein, um Lebermetastasen zu "veröden", die von Darmkrebs ausgehen. Auch andere solide Tumore des Bauchraumes können durch die Laserlichterhitzung zerstört werden," sagt Professor Ramadori. Tumore der Bauchspeicheldrüse in fortgeschrittenen Stadien (Pankreaskarzinome), neuroendokrine Tumore (Karzinoide) sowie primäre Lebertumore könnten nach Weiterentwicklung der Methode behandelt werden.

Weitere Informationen :


Georg-August-Universität -Bereich Humanmedizin
Zentrum Innere Medizin - Abt. Gastroenterologie und Endokrinologie
Prof. Dr. Giuliano Ramadori, Dr. Uwe Ritzel, Prof. Dr. Urs Leonhardt, Dr. Perdita Wietzke-Braun, Dr. Thomas Armbrust

Tel.: 0551/39 - 63 01, - 6326, - 8914, - 6321

Rita Wilp |

Weitere Berichte zu: Darmkrebs Laserlicht Lebermetastase Metastase

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sind Epilepsie-Patienten wetterfühlig?
23.05.2017 | Universitätsklinikum Jena

nachricht Dual-Layer Spektral-CT: Bessere Therapieplanung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs
18.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften