Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Hilft grüner Tee gegen Darmentzündungen?

08.05.2007
DCCV e.V. verleiht Forschungsstipendium "Komplementärmedizin bei CED" an Wissenschaftlerin aus Münster.

Sabine Westphal hat ein großes Ziel: Sie möchte aus Extrakten des grünen Tees ein natürliches und nebenwirkungsarmes Medikament gegen chronische Darmentzündungen entwickeln. Dies wird von der Deutschen Morbus Crohn / Colitis ulcerosa Vereinigung (DCCV) e.V. nun mit einem Forschungsstipendium in Höhe von 20.000 Euro unterstützt.

Die feierliche Verleihung erfolgte am Samstag, 5. Mai, im Rahmen der Eröffnung der Jahrestagung der DCCV in Tübingen. Herr Lümmen als Vorsitzender und Frau Kaltz, stellvertretende Vorsitzende und Leiterin des Ressorts Wissenschaft, betonten die große Nachfrage der Patienten nach komplementärmedizinischen Angeboten und Methoden, die die Schulmedizin ergänzen können. Und Dr. Friedrich Dreher (Rottenburg) hob als Laudator hervor, dass die promovierte Stipendiatin über einen breiten Kenntnisschatz in den Bereichen Chemie, Zellbiologie und Phytotherapie verfüge, der eine hervorragende Ausgangsbasis für das Forschungsvorhaben darstelle.

Dreher hatte auch die Jahrestagung organisiert, die ganz im Zeichen des 25jährigen Bestehensjubiläums der Selbsthilfevereinigung stand. Auch in der Zukunft werden die Aktivitäten der Selbsthilfe von größter Bedeutung bleiben, denn trotz jahrzehntelanger Forschung sind die Ursachen der chronischen Erkrankungen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa noch weitgehend unbekannt. Die Therapie beschränkt sich daher bislang auf die Linderung der Symptome. Zu diesen gehören insbesondere Bauchschmerzen, häufige und teils blutige Durchfälle, Gewichtsabnahme und allgemeine Erschöpfungszustände. Auswirkungen auf andere Organe, insbesondere die Leber, die Knochen und Gelenke, die Augen und die Haut können hinzukommen. Nicht zu vernachlässigen sind die seelischen Belastungen durch vielfältige Einschränkungen im alltäglichen Leben.

Dr. Sabine Westphal, wissenschaftliche Angestellte am Universitätsklinikum Münster, wird in den kommenden zwei Jahren zunächst an Mausmodellen untersuchen, wie EGCG, ein Extrakt des grünen Tees, auf Darmentzündungen wirkt. Ein besonderes Augenmerk gilt dabei dem Einfluss auf Sauerstoffradikale, auf die Bildung von Entzündungseiweißen, auf den programmierten Zelltod von Zellen der Darmschleimhaut und auf die Zusammensetzung der Darmflora mit unterschiedlichen Bakterien. Sollten sich hier positive Effekte zeigen, könnte der Wirkstoff zu einem Medikament für Menschen weiterentwickelt werden.

Wissenschaftliche Zusammenfassung des Forschungsvorhabens "Epigallocatechin-3-gallat (EGCG), ein Catechin des grünen Tees (Camellia sinensis L. Ktze. (Theaceae)) als mögliches Therapeutikum chronisch entzündlicher Darmerkrankungen"

Die Ursachen chronisch entzündlicher Darmerkrankungen, zu denen der Morbus Crohn und die Colitis ulcerosa zählen, sind noch weitgehend unbekannt. Eine genetische Disposition in Kombination mit dem Einwirken von Umweltfaktoren scheinen jedoch in der Krankheitsentstehung entscheidend zu sein. Große Fortschritte wurden in den letzten Jahren bei der Aufklärung der Zusammenhänge zwischen der komplexen intestinalen Flora und dem Auftreten chronisch entzündlicher Darmerkrankungen gemacht. Ebenso wurde die Rolle reaktiver Sauerstoffspezies als mögliche Ursache chronisch entzündlicher Darmerkrankungen in jüngster Zeit erkannt.

Die bestehenden Therapiekonzepte zur Behandlung chronisch entzündlicher Darmerkrankungen haben trotz guter Wirksamkeit noch immer teils gravierende Nachteile. Zum einen führen aggressive Immunsuppressionen zu spezifischen Komplikationen, zum anderen weisen immer mehr Patienten allergische Reaktionen speziell gegen die neu entwickelten sogenannten Biologika auf. Viele Patienten wünschen sich deshalb neuartige Wirkstoffe, die weitaus weniger Nebenwirkungen als bestehende Medikamente, aber gleiche Wirksamkeit aufweisen. Insbesondere naturheilkundliche Therapieoptionen sind in den Fokus des Interesses gelangt. Auf dem Gebiet der alternativen Behandlungsmöglichkeiten der chronisch entzündlichen Darmerkrankungen nimmt die Phytotherapie eine Schlüsselstellung ein. Teecatechine und insbesondere das EGCG (Epigallocatechingallat) des grünen Tees (Camellia sinensis L. Ktze. (Theaceae )) bieten sich als mögliche Therapeutika an, da sie über ein hohes antioxidatives Potential verfügen sowie immunmodulatorische und anti-inflammatorische Eigenschaften aufweisen.

Das geplante Forschungsvorhaben soll das therapeutische Potential des EGCG zur Behandlung chronisch entzündlicher Darmerkrankungen evaluieren. Besonderes Augenmerk soll hierbei darauf gelegt werden, welchen Einfluss das EGCG auf die Produktion reaktiver Sauerstoffspezies und die intestinale Flora hat und welche immunmodulatorische Potenz das EGCG besitzt.

Kontakt: Susanne In der Smitten, Tel. 0214/87608-12, Fax: 0214/87608-88; Email: ssmitten@dccv.de

Susanne In der Smitten | idw
Weitere Informationen:
http://www.dccv.de/news

Weitere Berichte zu: Colitis Darmentzündung Darmerkrankung EGCG Morbus Morbus Crohn

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Tollwutviren zeigen Verschaltungen im gläsernen Gehirn
19.01.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Sicher und gesund arbeiten mit Datenbrillen
13.01.2017 | Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Flashmob der Moleküle

19.01.2017 | Physik Astronomie

Tollwutviren zeigen Verschaltungen im gläsernen Gehirn

19.01.2017 | Medizin Gesundheit

Fraunhofer-Institute entwickeln zerstörungsfreie Qualitätsprüfung für Hybridgussbauteile

19.01.2017 | Verfahrenstechnologie