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Normales Leben ohne Bauchspeicheldrüse möglich

07.05.2007
"Pankreatektomierte können durchaus ein normales Leben führen, wenn sie sich an ein paar grundsätzliche Regeln halten. Eine wesentliche Grundeinstellung sollten sie allerdings mitbringen oder erlernen: Geduld." Pankreatektomierte - das sind Menschen, denen die Bauchspeicheldrüse - fachsprachlich: das Pankreas - ganz oder teilweise entfernt wurde. Über Tausend von ihnen haben sich in Deutschland zur Selbsthilfegruppe "Arbeitskreis der Pankreatektomierten" (AdP) zusammengeschlossen, und von ihrem Vorsitzenden Jürgen Kleeberg stammen die oben zitierten Sätze.

Der AdP hatte sich vom 4. bis 6. Mai im Mannheimer Universitätsklinikum zu seiner 45. Jahrestagung versammelt. Kleeberg und seine Co-Organisatoren von der Chirurgischen und II. Medizinischen Universitätsklinik zogen eine positive Bilanz der Informationsveranstaltung, die sich an AdP-Mitglieder und andere Betroffene, Ärzte sowie Medizin-Studierende wandte. Sowohl die Betroffenen selbst als auch die Referenten beurteilten die heutigen Chancen optimistisch, Bauchspeicheldrüsen-Erkrankungen medizinisch, psychisch und sozial zu bewältigen.

In der Öffentlichkeit werden Erkrankungen an der Bauchspeicheldrüse etwa im Vergleich zu Herz-/Kreislauferkrankungen und bestimmten Krebsformen wie Brust- oder Prostatakarzinomen nur unzureichend wahrgenommen. Und das, obwohl zum Beispiel bösartige Tumoren am Pankreas bei Männern an achter und bei Frauen an neunter Stelle der Krebsstatistik stehen - noch vor Gebärmutterhalskrebs und Leukämie! Jährlich erkranken 40.000 Menschen in Deutschland neu an chronischen Entzündungen des Pankreas, bei 20.000 wird Bauchspeicheldrüsenkrebs diagnostiziert, knapp 20.000 erleiden akute Entzündungen an diesem Organ.

"Die diagnostischen Möglichkeiten sind dank moderner Bildgebungsverfahren mittlerweile sehr gut", betonte Professor Dr. med. Matthias Löhr, stellvertretender Direktor der II. Medizinischen Universitätsklinik, anlässlich eines Pressegesprächs. Die Schwierigkeit liegt bei Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse in der Prävention. Oft treten Beschwerden erst auf, wenn die Entzündung schon recht weit fortgeschritten ist oder der Tumor eine gewisse Größe erreicht hat.

"Doch selbst wenn ein Pankreas-Karzinom erst im fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert wird, ist dies heutzutage nicht mehr zwangsläufig ein Todesurteil", so Priv.-Doz. Dr. Marco Niedergethmann von der Mannheimer Chirurgischen Universitätsklinik. "Vielmehr gibt es sehr gute Möglichkeiten der chemotherapeutischen Nachbehandlung, die das erneute Entstehen von Tumoren zumindest erheblich verzögern können. Darüber hinaus sind inzwischen bestimmte Tumore an der Bauchspeicheldrüse auch bei wiederholtem Auftreten operabel." Sowohl im Bereich der Chemotherapie als auch in der Chirurgie bietet das Mannheimer Universitätsklinikum Beratung und Behandlung auf aktuellem Stand. Betroffene können sich unter der Telefonummer 0621-383-1501 Termine für die interdisziplinäre Pankreas-Sprechstunde geben lassen.

Die Bauchspeicheldrüse ist für unseren Stoffwechsel und die Verdauung unerlässlich: In ihr werden die Hormone Insulin und Glukagon gebildet, die den Blutzuckerspiegel regeln. Ist diese Funktion des Pankreas gestört, so kann das zur so genannten Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) führen. Darüber hinaus liefert die Bauchspeicheldrüse Enzyme, die für die Verdauung von Fett, Eiweißkörpern und Kohlehydraten notwendig sind. Durch Entzündungen oder Tumorerkrankungen kann es zu einer Pankreas-Insuffizienz kommen, die insbesondere bei der Fettverdauung große Probleme bereitet. In manchen Fällen - etwa bei einer schmerzhaften chronischen Entzündung oder einem Tumor am Pankreas - ist eine teilweise oder, in maximal drei Prozent der Fälle, die komplette Entfernung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatektomie) notwendig.

Die Empfehlungen für die Lebensweise Pankreatektomierter decken sich mit den Tipps zur Prävention, die verhindern helfen, dass es überhaupt zu einer Erkrankung der Bauchspeicheldrüse kommt. Dazu gehören der eingeschränkte Konsum von Alkohol, die Vermeidung von einseitiger und fettreicher Ernährung und das Nichtrauchen; denn speziell das Rauchen begünstigt die Entstehung von bösartigen Tumoren, auch am Pankreas. All diese Regeln, so der Tenor unter den Tagungsteilnehmern Anfang Mai, gehen mit der Zeit in Fleisch und Blut über. Sie stellen dann subjektiv keine große Einschränkung der Lebensqualität mehr dar. Die größte Herausforderung ist wohl in der Tat, Geduld mit sich selbst zu haben; denn erst durchschnittlich nach einem halben Jahr erreichen Pankreatektomierte ihr ursprüngliches Gewicht und nach etwa einem Jahr sind 80 Prozent ihrer körperlichen Leistungsfähigkeit wieder hergestellt - dann jedoch dürfen sie leben wie gesunde Menschen, solange sie es maßvoll tun.

Klaus Wingen | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinikum-mannheim.de

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