Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Fehlerfreie Früherkennung von Brustkrebs als Ziel

24.11.2000


... mehr zu:
»Brustkrebs »MR-Mammographie
Neues Diagnoseverfahren gewinnt beim Innovationswettbewerb

Diagnose: Brustkrebs - Vor diesem Befund fürchtet sich fast jede Frau.

Jedes Jahr erkranken in Deutschland 43.000 Frauen neu an Brustkrebs, 19.000 sterben jährlich daran. Je frühzeitiger ein bösartiger Tumor entdeckt wird, desto besser die Heilungschancen für die Patientin; doch gerade in einem frühen Stadium ist eine eindeutige Diagnose schwierig. Eine verbesserte Untersuchungsmethode soll nun helfen, unnötige Operationen zu vermeiden. Entwickeln will sie ein Forscherteam unter Beteiligung der Radiologischen Klinik der Universität Bonn, das zusammen mit elf anderen Gruppen als Sieger aus dem Innovationswettbewerb zur Förderung der Medizintechnik des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) hervorgegangen ist. Das in Bonn, Hamburg und Remagen angesiedelte und mit 423.000 Mark Preisgeld geförderte Projekt wird während des MEDICA-Kongresses "Innovationen in der Medizintechnik" am Freitag, 24. November 2000 erstmals einer breiteren Öffentlichkeit vorgestellt.

Mit den klassischen Mitteln der Brustkrebs-Diagnose ist die Unterscheidung von gut- und bösartigen Tumoren in der Brust längst nicht in allen Fällen möglich. Die Folge: eine hohe Zahl unnötiger Operationen. Nur bei jeder fünften Operation, die aufgrund einer verdächtigen Mammographie durchgeführt wird, findet sich tatsächlich ein bösartiger Tumor. Operationen wegen fälschlich positiver Befunde verursachen jährlich Kosten in Höhe von rund einer halben Milliarde Mark - ganz zu schweigen von der erheblichen psychischen und physischen Belastung der Patientinnen.

Im Gegensatz zur Untersuchung durch Röntgen-Mammographie kommt die Magnetresonanz-Mammographie (MR-Mammographie) ohne Röntgenstrahlen aus. Die MR-Mammographie bietet eine bislang unerreichte Sicherheit in der Brustkrebs-Diagnose, da sie auch solche Tumore entdeckt, die mit Röntgen-Mammographie oder Ultraschall nicht erkennbar sind. Aber manchmal ist es selbst mit der MR-Mammographie nicht möglich, sicher zu sagen, ob ein gut- oder bösartiger Tumor vorliegt. Eine Operation zur Klärung dieser Frage ist dann unvermeidlich.

Ob ein Knoten in der Brust gut- oder bösartig ist, kann manchmal mit den Fingerspitzen ertastet werden, weil bösartige Tumore zu erheblichen Veränderungen Beschaffenheit des Gewebes führen. Allerdings entgehen kleinere oder tiefer in der Brust gelegene Tumore oft der Tastuntersuchung; zur Früherkennung ist sie daher nicht geeignet.

Die Forscher von der Radiologischen Universitätsklinik Bonn, der Fachhochschule Koblenz/Rhein-Ahr-Campus in Remagen und des Forschungslabors der Philips-Medizinsysteme Hamburg versuchen nun mit ihrem neuen Verfahren, Veränderungen der Gewebskonsistenz sichtbar zu machen - und zwar auch in Tiefen, wo sie die der tastenden Hand entgehen würden. Das Verfahren basiert ebenfalls auf der Magnetresonanz-Technik; die Forscher nennen es "Magnetresonanz-Elastographie" oder "MR-mammographische Tastuntersuchung". Mit dem vom BMBF finanzierten Schlüsselexperiment soll das Verfahren technisch etabliert und auf klinische Tauglichkeit überprüft.

Der Hintergrund dieser neuen Methode ist, dass mit dem Magnetresonanz-Verfahren die Ausbreitung einer mechanischen Welle im Brustgewebe verfolgt wird. Da gut- und bösartige Knoten den Gang der Welle auf unterschiedliche Weise ändern, könnte diese Technik die Unterscheidung von gutartigen (also harmlosen) und bösartigen (unbedingt operationspflichtigen) Tumoren verbessern.

Bevor es aber soweit ist, wird das Forscherteam in den kommenden drei Jahren ein Schlüsselexperiment in zwei Abschnitten durchführen. Zuerst steht die technische Seite im Vordergrund: Es gilt einen neuen "Oszillator" zu entwickeln, ein Gerät, das die mechanischen Wellen erzeugt. Dieser Arbeitsschritt umfasst auch umfangreiche theoretische Arbeiten, die Mess-, Steuerungs- und Rekonstruktionstechnik betreffen. Im zweiten Schritt muss sich das neue System dann in der Praxis beweisen. In einer klinischen Studie wird überprüft, ob das Verfahren in der Lage ist, gutartige und bösartige Tumore sicher zu unterscheiden - und ob es als zusätzliche Untersuchung im Rahmen der MR-Mammographie wirklich nützlich ist.

Die Hoffnung der Forscher ist es, zukünftig die "MR-mammographische Tastuntersuchung" in den Untersuchungsgang der "üblichen" MR-Mammographie zu integrieren, um damit die ärztlichen Diagnosemöglichkeiten zu erweitern.


Ansprechpartner: Priv.-Doz. Dr. med. Christiane Kuhl, Prof. Dr. med. Hans Schild, Radiologische Universitätsklinik Bonn, Telefon: 0228/287-5870, Telefax: 0228/287-6093, E-Mail: kuhl@uni-bonn.de bzw. schild@uni-bonn.de

Dr. Andreas Archut | idw

Weitere Berichte zu: Brustkrebs MR-Mammographie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Künstlicher Leberfleck als Frühwarnsystem
19.04.2018 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

nachricht Weltweit einmalig: Korrekte Diagnose der Lungentuberkulose in nur drei Tagen
16.04.2018 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Verbesserte Stabilität von Kunststoff-Leuchtdioden

Polymer-Leuchtdioden (PLEDs) sind attraktiv für den Einsatz in großflächigen Displays und Lichtpanelen, aber ihre begrenzte Stabilität verhindert die Kommerzialisierung. Wissenschaftler aus dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPIP) in Mainz haben jetzt die Ursachen der Instabilität aufgedeckt.

Bildschirme und Smartphones, die gerollt und hochgeklappt werden können, sind Anwendungen, die in Zukunft durch die Entwicklung von polymerbasierten...

Im Focus: Writing and deleting magnets with lasers

Study published in the journal ACS Applied Materials & Interfaces is the outcome of an international effort that included teams from Dresden and Berlin in Germany, and the US.

Scientists at the Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) together with colleagues from the Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) and the University of Virginia...

Im Focus: Gammastrahlungsblitze aus Plasmafäden

Neuartige hocheffiziente und brillante Quelle für Gammastrahlung: Anhand von Modellrechnungen haben Physiker des Heidelberger MPI für Kernphysik eine neue Methode für eine effiziente und brillante Gammastrahlungsquelle vorgeschlagen. Ein gigantischer Gammastrahlungsblitz wird hier durch die Wechselwirkung eines dichten ultra-relativistischen Elektronenstrahls mit einem dünnen leitenden Festkörper erzeugt. Die reichliche Produktion energetischer Gammastrahlen beruht auf der Aufspaltung des Elektronenstrahls in einzelne Filamente, während dieser den Festkörper durchquert. Die erreichbare Energie und Intensität der Gammastrahlung eröffnet neue und fundamentale Experimente in der Kernphysik.

Die typische Wellenlänge des Lichtes, die mit einem Objekt des Mikrokosmos wechselwirkt, ist umso kürzer, je kleiner dieses Objekt ist. Für Atome reicht dies...

Im Focus: Gamma-ray flashes from plasma filaments

Novel highly efficient and brilliant gamma-ray source: Based on model calculations, physicists of the Max PIanck Institute for Nuclear Physics in Heidelberg propose a novel method for an efficient high-brilliance gamma-ray source. A giant collimated gamma-ray pulse is generated from the interaction of a dense ultra-relativistic electron beam with a thin solid conductor. Energetic gamma-rays are copiously produced as the electron beam splits into filaments while propagating across the conductor. The resulting gamma-ray energy and flux enable novel experiments in nuclear and fundamental physics.

The typical wavelength of light interacting with an object of the microcosm scales with the size of this object. For atoms, this ranges from visible light to...

Im Focus: Wie schwingt ein Molekül, wenn es berührt wird?

Physiker aus Regensburg, Kanazawa und Kalmar untersuchen Einfluss eines äußeren Kraftfeldes

Physiker der Universität Regensburg (Deutschland), der Kanazawa University (Japan) und der Linnaeus University in Kalmar (Schweden) haben den Einfluss eines...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

124. Internistenkongress in Mannheim: Internisten rücken Altersmedizin in den Fokus

19.04.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Juni 2018

17.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Nachhaltige und innovative Lösungen

19.04.2018 | HANNOVER MESSE

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Auf dem Weg zur optischen Kernuhr

19.04.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics