Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neuer Bluttest erkennt Mastzellerkrankungen

30.04.2007
Wissenschaftler des Universitätsklinikums Bonn und des Evangelischen Waldkrankenhauses haben einen Bluttest entwickelt, mit dem sich Mutationen bestimmter Immunzellen nachweisen lassen.

Genetische Veränderungen dieser so genannten Mastzellen äußern sich häufig in Bauchschmerzen, Krämpfen und Durchfällen. Manche Betroffene haben die Symptome einer massiven Darmentzündung, ohne dass sich in Laboruntersuchungen und in bildgebenden Verfahren etwas Verdächtiges finden lässt.

Die Forschungsergebnisse wurden jetzt im Scandinavian Journal of Gastroenterologie publiziert (DOI 10.1080/00365520701245744). Sie ermöglichen es, die Erkrankung zuverlässig zu erkennen und die Patienten zielgerichtet zu behandeln. Das Projekt wurde von der Deutschen Krebshilfe gefördert.

Mastzellen zählen zu den wichtigsten Stützen unseres Immunsystems. Sie speichern eine Vielzahl von Botenstoffen, mit denen sie bei Kontakt mit Viren, Bakterien und Parasiten, aber auch Allergenen eine Immunreaktion einleiten und verstärken können. Mastzellen finden sich verteilt in allen Geweben und Organen. Sobald sich im Körper ein Entzündungsherd bildet, rufen bestimmte weiße Blutkörperchen sie zu Hilfe. Die Mastzellen wandern in den betroffenen Gewebebereich und koordinieren die Körperabwehr. Änderungen (Mutationen) im Erbmaterial von Mastzellen können aber dazu führen, dass die betroffenen Zellen zu ihrer Aktivierung keine weißen Blutkörperchen mehr benötigen, sondern sich gegenseitig "anschalten". Mediziner sprechen von einer systemischen Mastozytose. Die Folge: Im Darm können diese fehlerhaften Zellen mit ihren chemischen Waffen Schmerzen, Darmkrämpfe oder Verdauungsstörungen verursachen.

Das Bonner Forscherteam um die Molekularpharmakologen Professor Dr. Gerhard J. Molderings und Professor Dr. Ivar von Kügelgen hat einen Bluttest entwickelt, mit dem sich solche mutierten Mastzellen nachweisen lassen. Die bisherigen Verfahren waren nicht empfindlich genug, um die genetischen Veränderungen in entarteten Mastzellen im Blut aufzuspüren. Das Hauptproblem liegt in der Beimischung gesunder Blutzellen: Die "normale" Erbinformation erschwert den Nachweis der krankmachenden Veränderungen. Die Bonner Wissenschaftler isolieren daher die Mastzellen aus dem Blut, bevor sie für ausgewählte Gen-Abschnitte die genaue Sequenz bestimmen. Dabei sind sie Veränderungen auf die Spur gekommen, die bei Erkrankten, nicht aber bei Gesunden nachzuweisen waren. Diese Mutationen können daher zukünftig im Labor als "Marker" für diese Mastzellerkrankung verwendet werden.

"Auf der Grundlage unserer Befunde wird man zukünftig auch abschätzen können, welche der Patienten mit systemischen Mastozytosen ein erhöhtes Risiko aufweisen, an einer bösartigen Zweiterkrankung wie einer chronisch lymphatischen Leukämie oder an bestimmten Nierenzellkarzinomen zu erkranken", erklärt Molderings. "Wir überprüfen zur Zeit diesen Zusammenhang bei Patienten aus unserem Studienkollektiv, die an solchen bösartigen Zusatzerkrankungen erkrankt sind." Wenn diese These zutrifft, eröffnet das einzigartige Verfahren nicht nur die Möglichkeit, Mastozytose-Patienten adäquat zu behandeln, betont Molderings: "Wir könnten damit auch Risikopatienten für eine etwaige Entwicklung bösartiger Zweiterkrankungen rechtzeitig erkennen und entsprechend beraten."

Reizdarm: Folge einer Mastzellerkrankung?

Es gibt Hinweise darauf, dass die Art der Mutation mit darüber entscheidet, wo sich die mutierten Mastzellen ansiedeln, in welchen Organen sie also vorrangig Beschwerden hervorrufen. So werden Mastzellen auch mit der Entwicklung des Reizdarmsyndroms in Verbindung gebracht. Momentan untersuchen die Bonner Wissenschaftler zusammen mit Ärzten vom Klinikum Krefeld um den renommierten Reizdarmspezialisten Professor Dr. Thomas Frieling, ob unter Patienten mit Reizdarmsyndrom solche Mastzellmutationen besonders häufig sind. Langfristiges Ziel der interdisziplinären Forschergruppe ist es, neue, genetisch maßgeschneiderte therapeutische Optionen für die Erkrankung zu entwickeln. "Heute führt eine systemische Mastozytose nicht selten in die Invalidität", sagt Molderings. "Unser Anliegen ist es, den derzeit eher unbefriedigenden Therapieerfolg wesentlich zu verbessern."

Kontakt:
Professor Dr. Gerhard J. Molderings
Institut für Pharmakologie und Toxikologie am Universitätsklinikum Bonn
Telefon: 0228/73-5421
E-Mail: molderings@uni-bonn.de

Frank Luerweg | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bonn.de

Weitere Berichte zu: Bluttest Mastzellen Mastzellerkrankung Mutation

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Eine Teleskopschiene für Nanomaschinen
20.04.2018 | Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme, Standort Stuttgart, Stuttgart

nachricht Künstlicher Leberfleck als Frühwarnsystem
19.04.2018 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Software mit Grips

Ein computergestütztes Netzwerk zeigt, wie die Ionenkanäle in der Membran von Nervenzellen so verschiedenartige Fähigkeiten wie Kurzzeitgedächtnis und Hirnwellen steuern können

Nervenzellen, die auch dann aktiv sind, wenn der auslösende Reiz verstummt ist, sind die Grundlage für ein Kurzzeitgedächtnis. Durch rhythmisch aktive...

Im Focus: Der komplette Zellatlas und Stammbaum eines unsterblichen Plattwurms

Von einer einzigen Stammzelle zur Vielzahl hochdifferenzierter Körperzellen: Den vollständigen Stammbaum eines ausgewachsenen Organismus haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Berlin und München in „Science“ publiziert. Entscheidend war der kombinierte Einsatz von RNA- und computerbasierten Technologien.

Wie werden aus einheitlichen Stammzellen komplexe Körperzellen mit sehr unterschiedlichen Funktionen? Die Differenzierung von Stammzellen in verschiedenste...

Im Focus: Spider silk key to new bone-fixing composite

University of Connecticut researchers have created a biodegradable composite made of silk fibers that can be used to repair broken load-bearing bones without the complications sometimes presented by other materials.

Repairing major load-bearing bones such as those in the leg can be a long and uncomfortable process.

Im Focus: Verbesserte Stabilität von Kunststoff-Leuchtdioden

Polymer-Leuchtdioden (PLEDs) sind attraktiv für den Einsatz in großflächigen Displays und Lichtpanelen, aber ihre begrenzte Stabilität verhindert die Kommerzialisierung. Wissenschaftler aus dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPIP) in Mainz haben jetzt die Ursachen der Instabilität aufgedeckt.

Bildschirme und Smartphones, die gerollt und hochgeklappt werden können, sind Anwendungen, die in Zukunft durch die Entwicklung von polymerbasierten...

Im Focus: Writing and deleting magnets with lasers

Study published in the journal ACS Applied Materials & Interfaces is the outcome of an international effort that included teams from Dresden and Berlin in Germany, and the US.

Scientists at the Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) together with colleagues from the Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) and the University of Virginia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

124. Internistenkongress in Mannheim: Internisten rücken Altersmedizin in den Fokus

19.04.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Juni 2018

17.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Grösster Elektrolaster der Welt nimmt Arbeit auf

20.04.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Bilder magnetischer Strukturen auf der Nano-Skala

20.04.2018 | Physik Astronomie

Kieler Forschende entschlüsseln neuen Baustein in der Entwicklung des globalen Klimas

20.04.2018 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics