Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Krebs-Vorstufen immer operativ entfernen?

22.11.2000


Gebärmutterhalskrebs: Neuer Test soll Klarheit schaffen

Heidelberg - Gebärmutterhalskrebs ist weltweit eine der häufigsten Krebserkrankungen bei Frauen. In 99 Prozent der Fälle ist die Krebs-Ursache bekannt: Humane Papillomviren. Vorstufen des Krebses(Dysplasien) können durch eine einfache Operation entfernt werden. Doch oft bilden sich diese Dysplasien auch von selbst zurück. Eine Heidelberger Arbeitsgruppe hat ein Verfahren entwickelt, das die Integration der Virus-Gene in die Erbsubstanz der veränderten Zellen des Gebärmutterhalses nachweist - ein Ereignis, das wesentlich zur Krebsentstehung beiträgt. Die Forscher wollen innerhalb klinischer Studien untersuchen, in wieweit dieses Verfahren bei der Entscheidung für oder gegen eine Operation mit herangezogen werden kann. Die Deutsche Krebshilfe unterstützt das dreijährige Projekt mit insgesamt 294.000 Mark.

An Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) erkranken weltweit jährlich mehr als 400.000 Frauen, in Deutschland sind es 5.800 Betroffene pro Jahr. Der Tumor wird durch chronische Infektionen mit bestimmten Viren, den humanen "Hoch-Risiko" Papillomviren (HR-HPV), hervorgerufen. Die Viren werden durch Geschlechtsverkehr übertragen. Je nach Lebensalter sind weltweit mehr als 20 Prozent der weiblichen Bevölkerung mit den Krebs-verursachenden Papillomviren infiziert. Nur bei einem geringen Anteil der infizierten Frauen verändern sich die Oberflächenzellen des Gebärmutterhalses (Dysplasie). Bei noch sehr viel weniger Patientinnen entwickelt sich aus den dysplastischen Zellen ein bösartiger Tumor. Werden die Zell-Veränderungen früh erkannt, können sie durch eine einfache Operation (Konisation) entfernt werden. Allerdings ist mittlerweile bekannt, dass sich viele Dysplasien auch von alleine zurückbilden. Doch die Gynäkologen können mit den heute zur Verfügung stehenden Methoden nicht erkennen, welche Krebsvorstufen in ein Karzinom übergehen werden.

Eine Arbeitsgruppe der Sektion für Molekulare Diagnostik und Therapie an der Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg entwickelte unter der Leitung von Professor Dr. Magnus von Knebel-Doeberitz ein Verfahren, mit dem Vorstufen des Zervixkarzinoms, die ein besonders hohes Krebs-Risiko aufweisen, erkannt werden können. Dem so genannten APOT-Test (Amplification of Papillomavirus Oncogene Transcripts) liegt die Beobachtung zu Grunde, dass die Erbsubstanz der Papillomviren oftmals in die DNA von bösartig veränderten Zellen eingebaut ist. Mit der Integration geht ein schnelleres Wachstum der infizierten Zellen einher. In Zellen des Gebärmutterhalses, die nur leicht verändert sind, liegt das Virus-Genom dagegen frei, also nicht in die Zell-DNA eingebaut, vor. Professor von Knebel-Doeberitz: "Mit Hilfe des APOT-Tests können wir die integrierten Virus-Gene nachweisen."

In ersten, von der Deutschen Krebshilfe bereits mit 660.000 Mark geförderten, klinischen Studien wurden Patientinnen mit dem neuen Verfahren untersucht, die an unterschiedlich schweren Dysplasien bis hin zu bösartigen Tumoren erkrankt waren. Die Wissenschaftler interessierten sich dabei für den Schweregrad der Zell-Veränderung in Abhängigkeit vom integrierten beziehungsweise frei vorliegenden Erbgut der Papillomviren. Die Mediziner konnten zeigen, dass der Nachweis von integrierten Virus-Genen fast immer auf Gebärmutterhalskrebs hindeutete. In der momentan von der Deutschen Krebshilfe geförderten klinischen Studie untersuchen die Heidelberger Forscher ungefähr 2.500 Patientinnen mit Virus-bedingten Gebärmutterhals-Dysplasien. "Wir wollen feststellen, ob das Vorhandensein eines integrierten Virus-Genoms das Risiko für die Patientinnen erhöht, einen bösartigen Tumor zu entwickeln. Der Nachweis des integrierten Erbgutes könnte die Entscheidung beeinflussen, ob konisiert werden muss oder nicht", so Projektleiter von Knebel-Doeberitz. Nach Aussage des Mediziners könnten durch das neue Verfahren Vorstufen des Gebärmutterhalskrebses sehr viel gezielter nachgewiesen und damit eine Menge unnötiger Operationen vermieden sowie erhebliche Kosten eingespart werden.

Info-Kasten: Früherkennung Gebärmutterhalskrebs

Ein Zellabstrich vom Gebärmutterhals ist Bestandteil des Krebsfrüherkennungsprogramms, an dem jede gesetzlich versicherte Frau ab dem 20. Lebensjahr einmal jährlich teilnehmen kann. Stellen die Ärzte Zellveränderungen fest, schneiden sie meist in einer einfachen Operation das betroffene Gewebe kegelförmig aus dem Gebärmutterhals heraus. Durch dieses Früherkennungsprogramm sank in den vergangenen Jahren sowohl die Anzahl der auftretenden Krebsfälle als auch die Sterblichkeitsrate.

Interviewpartner auf Anfrage!

Weitere Informationen finden Sie im WWW:

Dr. med. Eva M. Kalbheim-Gapp | idw

Weitere Berichte zu: Dysplasie Gebärmutterhalskrebs Papillomvirus

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Aromatherapie bei COPD
12.05.2015 | Airnergy AG

nachricht Chronische Wunden können heilen
16.10.2017 | Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum - Herz- und Diabeteszentrum NRW Bad Oeynhausen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Im Focus: Breaking: the first light from two neutron stars merging

Seven new papers describe the first-ever detection of light from a gravitational wave source. The event, caused by two neutron stars colliding and merging together, was dubbed GW170817 because it sent ripples through space-time that reached Earth on 2017 August 17. Around the world, hundreds of excited astronomers mobilized quickly and were able to observe the event using numerous telescopes, providing a wealth of new data.

Previous detections of gravitational waves have all involved the merger of two black holes, a feat that won the 2017 Nobel Prize in Physics earlier this month....

Im Focus: Topologische Isolatoren: Neuer Phasenübergang entdeckt

Physiker des HZB haben an BESSY II Materialien untersucht, die zu den topologischen Isolatoren gehören. Dabei entdeckten sie einen neuen Phasenübergang zwischen zwei unterschiedlichen topologischen Phasen. Eine dieser Phasen ist ferroelektrisch: das bedeutet, dass sich im Material spontan eine elektrische Polarisation ausbildet, die sich durch ein äußeres elektrisches Feld umschalten lässt. Dieses Ergebnis könnte neue Anwendungen wie das Schalten zwischen unterschiedlichen Leitfähigkeiten ermöglichen.

Topologische Isolatoren zeichnen sich dadurch aus, dass sie an ihren Oberflächen Strom sehr gut leiten, während sie im Innern Isolatoren sind. Zu dieser neuen...

Im Focus: Smarte Sensoren für effiziente Prozesse

Materialfehler im Endprodukt können in vielen Industriebereichen zu frühzeitigem Versagen führen und den sicheren Gebrauch der Erzeugnisse massiv beeinträchtigen. Eine Schlüsselrolle im Rahmen der Qualitätssicherung kommt daher intelligenten, zerstörungsfreien Sensorsystemen zu, die es erlauben, Bauteile schnell und kostengünstig zu prüfen, ohne das Material selbst zu beschädigen oder die Oberfläche zu verändern. Experten des Fraunhofer IZFP in Saarbrücken präsentieren vom 7. bis 10. November 2017 auf der Blechexpo in Stuttgart zwei Exponate, die eine schnelle, zuverlässige und automatisierte Materialcharakterisierung und Fehlerbestimmung ermöglichen (Halle 5, Stand 5306).

Bei Verwendung zeitaufwändiger zerstörender Prüfverfahren zieht die Qualitätsprüfung durch die Beschädigung oder Zerstörung der Produkte enorme Kosten nach...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

Intelligente Messmethoden für die Bauwerkssicherheit: Fachtagung „Messen im Bauwesen“ am 14.11.2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

Meeresbiologe Mark E. Hay zu Gast bei den "Noblen Gesprächen" am Beutenberg Campus in Jena

16.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

17.10.2017 | Informationstechnologie

Pflanzen gegen Staunässe schützen

17.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Den Trends der Umweltbranche auf der Spur

17.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz