Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neues Verfahren hilft gegen Hornhautausbeulung: RUB-Augenklinik bietet Vernetzung statt Transplantation

23.04.2007
RUB-Augenklinik bietet Vernetzung statt Transplantation
Vitamin und Bestrahlung sorgen für Quervernetzungen

Etwa einer von 2000 Menschen erkrankt am so genannten Keratokonus, einer Hornhautausbeulung. Frauen und Männer sind etwa gleich häufig betroffen, regional jedoch kommt es zu Unterschieden: Im Ruhrgebiet und im Bochumer Umland tritt der Keratokonus gehäuft auf. Lichtempfindlichkeit und Reflexionen machen sich am Anfang bemerkbar, später verschlechtert sich die Sicht oft erheblich, so dass bislang eine Hornhauttransplantation notwendig war. Ein neues Verfahren, das die Augenklinik der Ruhr-Universität im Knappschaftskrankenhaus Bochum-Langendreer (Direktor: Prof. Dr. Burkhard Dick) anbietet, kann Patienten das nun ersparen. Mittels einer Vitaminbehandlung und anschließender Bestrahlung wird die erkrankte Hornhaut so gefestigt, dass das Fortschreiten der Krankheit gestoppt wird.

Krankheit beginnt in der Pubertät

Eine Erklärung für die regionale Häufung der Hornhautausheulung könnte in der Vererbbarkeit der Krankheit liegen: In sechs bis 15 Prozent der Fälle scheinen mehrere Familienmitglieder betroffen zu sein. Der Keratokonus beginnt typischerweise in der Pubertät und schreitet in den nächsten zehn bis 20 Jahren voran. Zunächst macht sich die Krankheit durch Lichtempfindlichkeit und Probleme mit Reflexionen bemerkbar. Brillen und manchmal spezielle Kontaktlinsen können helfen. Im fortgeschrittenen Stadium bildet sich ein Nebel auf der Hornhaut, die Hornhaut vernarbt und wird dünner, die Sicht verschlechtert sich erheblich. Bei jedem fünften Patienten schreitet die Krankheit soweit voran, dass bislang eine Hornhauttransplantation erforderlich war.

Verwölbung stoppen

Die neue Behandlungsmethode - auch als Corneal Cross Linking (CCL) bekannt - ist ein CE-zertifiziertes, operatives Verfahren, entspricht also den Gesundheitsrichtlinien der EU. Die unzureichend feste Hornhaut wird mit Riboflavin (Vitamin B2) und nachfolgender 30Minuten Bestrahlung des Hornhautgewebes mit UVA Licht behandelt, wodurch sich zusätzliche Verbindungen zwischen den einzelnen Kollagenfasern erzeugen lassen, so genannte Quervernetzungen. Die einzelnen Fasern bilden somit untereinander ein "dichteres Geflecht", das die Hornhaut festigt. Ein weiteres Fortschreiten der kegelförmigen Verwölbung der Hornhaut wird damit gestoppt. Nach der Behandlung kann die Sehkraft des Patienten mit einer angepassten Brille oder mit Kontaktlinsen optimiert werden.

Krankenkassen prüfen Kostenübernahme

Bisher hat sich dieses relativ junge Verfahren, das in Dresden entwickelt wurde, bei allen Patienten bewährt. Langzeitstudien liegen naturgemäß noch nicht vor. Sollte sich herausstellen, dass die Verfestigung der Hornhaut kein lebenslanger Effekt ist, spricht derzeit nichts dagegen, die Behandlung im Bedarfsfall zu wiederholen. Im Einzelfall überprüft die Krankenkasse die Kostenübernahme dieser innovativen Behandlungsform, wobei die Bochumer Universitätaugenklinik den Patienten Hilfe bei der Antragstellung bietet.

Weitere Informationen

Heike Wicher, Pressesprecherin Knappschaftskrankenhaus Bochum-Langendreer, Klinikum der Ruhr-Universität, In der Schornau 23-25, 44892 Bochum, Tel. 0234/299-84034, E-Mail: heike.wicher@kk-bochum.de

Dr. Josef König | idw
Weitere Informationen:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/

Weitere Berichte zu: Bestrahlung Hornhaut Hornhautausbeulung Keratokonus

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Mikrobiologen entwickeln Methode zur beschleunigten Bestimmung von Antibiotikaresistenzen
13.02.2018 | Westfälische Wilhelms-Universität Münster

nachricht Überschreiben oder Speichern? Die Gewissensfrage zur Vergesslichkeit
13.02.2018 | PhytoDoc Ltd.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Die Brücke, die sich dehnen kann

Brücken verformen sich, daher baut man normalerweise Dehnfugen ein. An der TU Wien wurde eine Technik entwickelt, die ohne Fugen auskommt und dadurch viel Geld und Aufwand spart.

Wer im Auto mit flottem Tempo über eine Brücke fährt, spürt es sofort: Meist rumpelt man am Anfang und am Ende der Brücke über eine Dehnfuge, die dort...

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Im Focus: In best circles: First integrated circuit from self-assembled polymer

For the first time, a team of researchers at the Max-Planck Institute (MPI) for Polymer Research in Mainz, Germany, has succeeded in making an integrated circuit (IC) from just a monolayer of a semiconducting polymer via a bottom-up, self-assembly approach.

In the self-assembly process, the semiconducting polymer arranges itself into an ordered monolayer in a transistor. The transistors are binary switches used...

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Im Focus: Quantenbits per Licht übertragen

Physiker aus Princeton, Konstanz und Maryland koppeln Quantenbits und Licht

Der Quantencomputer rückt näher: Neue Forschungsergebnisse zeigen das Potenzial von Licht als Medium, um Informationen zwischen sogenannten Quantenbits...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Digitalisierung auf dem Prüfstand: Hochkarätige Konferenz zu Empowerment in der agilen Arbeitswelt

20.02.2018 | Veranstaltungen

Aachener Optiktage: Expertenwissen in zwei Konferenzen für die Glas- und Kunststoffoptikfertigung

19.02.2018 | Veranstaltungen

Konferenz "Die Mobilität von morgen gestalten"

19.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Highlight der Halbleiter-Forschung

20.02.2018 | Physik Astronomie

Wie verbessert man die Nahtqualität lasergeschweißter Textilien?

20.02.2018 | Materialwissenschaften

Der Bluthochdruckschalter in der Nebenniere

20.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics