Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schmerzen während der Operation

30.06.2000


... mehr zu:
»Narkose
Untersuchung über Wachzustände in der Narkose

Köln, den 29. Juni 2000 - Es gibt noch kein Narkoseverfahren, das für

alle Patienten mit Sicherheit zu einem vollständigen Bewußtseinsverlust führt und jegliche Sinneswahrnehmungen unterdrückt. Wachzustände unter Vollnarkose sind möglich. Patienten können sich - wenn auch meist nur unter Hypnose - an Gespräche während der Operation erinnern. Dies gilt besonders für Informationen, die sie persönlich betreffen. Bedeutungslose Worte oder Geräusche werden meist nicht erinnert. Eine Schmerzwahrnehmung während der Operation bleibt dagegen häufig im Gedächtnis und kann langfristige Folgen für das körperliche oder seelische Wohlbefinden haben. Daher ist es wichtig, Indikatoren für die Narkosetiefe zu finden, so Dr. Galit Pollak in einer an der Klinik und Poliklinik für Anaesthesiologie und Operative Intensivmedizin der Universität zu Köln vorgelegten Studie.

Der genaue Wirkmechanismus der Narkose ist bislang nicht vollständig aufgeklärt. Die Wirkung ist unspezifisch, da bei der Vollnarkose eine Vielzahl chemisch vollkommen unterschiedlicher Substanzen beteiligt sind. Muskelspannung, Hormonhaushalt und Aktivität des zentralen Nervensystem werden je nach Narkosetechnik und Konzentration der Komponenten des Anästhetikums unterschiedlich stark herabgesetzt. So ist die Wahl des Narkosemittels entscheidend für die Narkosetiefe. Besonders die Lachgas-Sauerstoff-Narkose in Kombination mit muskelentspannenden Medikamenten gilt als anfällig für Wachzustände. Sie spielt jedoch in Deutschland praktisch keine Rolle mehr.

Wachzustände in der Narkose sind gekennzeichnet durch Wahrnehmungen - meist Hören, sehr viel seltener Schmerz - oder sogar dadurch, dass Kommunikation mit dem Patienten möglich ist. Ein erlebter Wachzustand ist für den Patienten potenziell schädlich. Juristische Klagen über die insbesondere psychologischen Folgen wahrgenommener Gespräche oder von Schmerz während der Operation bestätigen dies. Dabei können Stufen von Wachzuständen beschrieben werden: von unbewusst über explizit, bewusst wahrgenommene Reize bis zum tatsächlichen Wachsein. Die Übergänge sind fließend. Faktoren, die eine vollständige Narkose behindern, sind zum Beispiel eine zu schwache Dosierung des Anaesthetikums, etwa in der Geburtshilfe, oder technische Fehler im Beatmungssystem.

Hören gilt als die Wahrnehmung, die unter Narkose am längsten erhalten bleibt. Daher stehen akustische Tests im Vordergrund der Untersuchungen zur Narkosetiefe. Schmerzwahrnehmungen sind mit unter einem Promill der Operationen unter Vollnarkose selten, die Auswirkungen hingegen weitreichender. Denn nicht nur die Wahrnehmung während der Operation ist von Bedeutung, sondern zusätzlich die spätere Erinnerung daran. Vielfach werden die Sinneseindrücke im Unbewußten verarbeitet und gespeichert und machen sich als psychische Störungen - etwa in Form von Angstzuständen - erst mit Verzögerung bemerkbar. In verschiedenen Studien, auf die sich Dr. Pollak bezieht, wurde versucht, die unbewusste Wahrnehmung zu positiven Suggestionen zu nutzen; allerdings mit geringem Erfolg. Die negativen Folgen einer zu flachen Narkose können aber auch durch die medikamentöse Herbeiführung eines zeitweisen Gedächtnisverlustes vermindert werden. Auf diese Weise wird der Wachzustand zwar nicht verhindert, aber die Erinnerung daran. Doch auch die Wirkung dieser Substanzen ist nicht sicher nachgewiesen. Daher liegt das eigentliche Verbesserungspotenzial der Narkosetechnik in der Entwicklung von Indikatoren zur Messung von Narkosetiefe und Erinnerungsbildung. Sie stellen den Ausgangspunkt dar, um Wachzustände festzustellen, die auch unter einer nach heutigen Gesichtspunkten ausreichend tiefen Narkose auftreten können. Hat ein Wachzustand während der Operation stattgefunden, kann nach Ansicht von Dr. Pollak eine spätere Besprechung der Erlebnisse mit dem Patienten die traumatische Wirkung deutlich reduzieren.

Verantwortlich: Martin Mehlem

Für Rückfragen steht Ihnen Professor Diefenbach unter der Telefonnummer 0221/478-4850, der Faxnummer 0221/478-6093 und der Email-Adresse c.diefenbach@uni-koeln.de zur Verfügung.
Unsere Presseinformationen finden Sie auch im World Wide Web (http://www.uni-koeln.de/organe/presse/pi/index.html).
Für die Übersendung eines Belegexemplars wären wir Ihnen dankbar.

Gabriele Rutzen |

Weitere Berichte zu: Narkose

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neue Methode der Eisenverabreichung
26.04.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

nachricht Bestrahlung bei Hirntumoren? Eine neue, verlässlichere Einteilung erleichtert die Entscheidung
26.04.2017 | Universitätsklinikum Heidelberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie