Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Intensivstation zu Hause

19.04.2007
Bremer Studie über pflegende Angehörige in High-Tech Home Care

Die gesundheitspolitische Forderung ist klar: ambulant statt stationär. So wird auch bei Schwerstpflegebedürftigen vermehrt auf pflegende Angehörige und High-Tech Home Care (HTHC) gesetzt. Mit dem fast unerforschten Bereich der häuslichen Pflege bei Patienten, die in ihren körperlichen und geistigen Fähigkeiten bis hin zur Ausbildung eines Wachkomas sehr stark eingeschränkt sind, beschäftigt sich Dr. Julia Lademann in ihrer Dissertation.

Das Fazit: medizinisch-technische Geräte müssen an die Nutzer angepasst sein und professionelle Pflegedienste sollten sich mehr auf beratende und organisierende Tätigkeiten konzentrieren. Die Wissenschaftlerin vom Institut für Public Health und Pflegeforschung, Fachbereich Human- und Gesundheitswissenschaft, der Universität Bremen legte den Fokus der qualitativen Studie auf die pflegenden Angehörigen. Diese sind sowohl Nutzer als auch Leistungserbringer im System. Sie bedienen medizinisch-technische Geräte, ohne die die Pflegebedürftigen nicht überleben können. Dabei eignen sie sich im Umgang mit den Apparaten ein Expertenwissen an. Hilfsmittel werden vor allem dann als nützlich eingeschätzt, wenn sie ihre Funktion sicher erfüllen und gut in den Alltag integriert werden können. Mit dem Wissen, dass die subjektiv eingeschätzte Nützlichkeit der Apparate für die Pflegenden den gleichen Stellenwert hat, wie der medizinische Nutzen, können in Zukunft Hilfsmittel besser den Nutzern angepasst werden. Die Erfahrungen der Pflegenden sind eine wertvolle Hilfe beim Anpassen der Geräte an den Bedarf und den Alltag der Intensivpflegebedürftigen.

In der häuslichen Pflege von Schwerstpflegebedürftigen leisten die Angehörigen zumeist eine Rund-um-die-Uhr-Pflege. Professionelle Pflegekräfte sollen sie dabei unterstützen und entlasten. In der Realität entsteht allerdings eine Konkurrenzsituation, da sich die Angehörigen zu Experten in der Versorgung ihrer Pflegebedürftigen entwickeln. Deshalb wird in der Studie auf neue Aufgaben der professionellen Pflege hingewiesen. Die Gesundheitswissenschaftlerin empfiehlt professionellen Pflegediensten Schulungs- und Beratungskompetenzen zu entwickeln und Management-, Organisations- und Koordinationsaufgaben zu übernehmen. So können die Angehörigen, die in der häuslichen Pflege die meiste Arbeit übernehmen, wirklich unterstützt werden. Auch der Empowerment-Ansatz, d.h. die Stärkung des Selbstbestimmungsvermögens auf Seiten der pflegenden Angehörigen, kann von den Professionellen noch wesentlich gezielter aufgegriffen werden.

High-Tech Home Care wird durch die zunehmende Ambulantisierung und den technischen Fortschritt im Gesundheitssystem an Bedeutung gewinnen. Die bundesdeutsche Pionierarbeit von Julia Lademann will Ansatzpunkte liefern, um die derzeitige Versorgungssituation im HTHC-Bereich zu optimieren. Die von Professor Petra Kolip betreute Studie wird Ende Mai im Huber-Verlag unter dem Titel "Intensivstation zu Hause. Pflegende Angehörige in High-Tech Home Care" erscheinen.

Weitere Informationen:

Universität Bremen
Fachbereich Human- und Gesundheitswissenschaften
Institut für Public Health und Pflegeforschung
Dr. P.H. Julia Lademann
Tel: 0421 218 9796
E-Mail: lademann@uni-bremen.de

Eberhard Scholz | idw
Weitere Informationen:
http://www.praevention.uni-bremen.de
http://www.public-health.uni-bremen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Kostformen im Vergleich: Für Menschen mit Diabetes ist die Mittelmeer-Diät besonders gut geeignet
19.01.2018 | Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

nachricht Vielversprechender Malaria-Wirkstoff erprobt
19.01.2018 | Eberhard Karls Universität Tübingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Im Focus: Artificial agent designs quantum experiments

On the way to an intelligent laboratory, physicists from Innsbruck and Vienna present an artificial agent that autonomously designs quantum experiments. In initial experiments, the system has independently (re)discovered experimental techniques that are nowadays standard in modern quantum optical laboratories. This shows how machines could play a more creative role in research in the future.

We carry smartphones in our pockets, the streets are dotted with semi-autonomous cars, but in the research laboratory experiments are still being designed by...

Im Focus: Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

• Prototypen-Test im Lufthansa FlyingLab
• LYRA Connect ist eine von drei ausgewählten Innovationen
• Bessere Kommunikation zwischen Kabinencrew und Passagieren

Die Zukunft des Fliegens beginnt jetzt: Mehrere Monate haben die Finalisten des Mode- und Technologiewettbewerbs „Telekom Fashion Fusion & Lufthansa FlyingLab“...

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Im Focus: Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen

Sogenannte vorverspannte Zustände beschleunigen auch photochemische Reaktionen

Was ermöglicht den schnellen Transfer von Elektronen, beispielsweise in der Photosynthese? Ein interdisziplinäres Forscherteam hat die Funktionsweise wichtiger...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kongress Meditation und Wissenschaft

19.01.2018 | Veranstaltungen

LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

18.01.2018 | Veranstaltungen

6. Technologie- und Anwendungsdialog am 18. Januar 2018 an der TH Wildau: „Intelligente Logistik“

18.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rittal vereinbart mit dem Betriebsrat von RWG Sozialplan - Zukunftsorientierter Dialog führt zur Einigkeit

19.01.2018 | Unternehmensmeldung

Open Science auf offener See

19.01.2018 | Geowissenschaften

Original bleibt Original - Neues Produktschutzverfahren für KFZ-Kennzeichenschilder

19.01.2018 | Informationstechnologie