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Hautkrebs: Überleben des Tumors oder des Patienten

16.04.2007
Das maligne Melanom, die tödlichste Form des Hautkrebses, ist auch in Deutschland kein seltener Tumor. Im fortgeschrittenen Stadium gibt es keine wirksame Therapie gegen das Melanom. Ein Grund für dieses Versagen gängiger Therapien ist es, daß die Tumorzellen des Melanoms eine Resistenz besitzen: Im Gegensatz zu anderen Körperzellen reagieren sie weniger stark mit Zelltod auf z. B. medikamentöse Behandlung. In einem von der Wilhelm Sander-Stiftung geförderten Projekt untersucht ein Team um Prof. Georg Häcker an der Technischen Universität München, wie diese Resistenz zustande kommt und ob neue Strategien zur Erhöhung der Empfindlichkeit von Melanomzellen die Therapieaussichten verbessern könnten.

Die Anzahl der diagnostizierten Fälle am malignen Melanom ist, wie auch die anderer Fälle von Hautkrebs, in den letzten 50 Jahren enorm gestiegen. Die Prognose dieser Krebsform hängt sehr stark vom Stadium ab, in dem der Tumor erkannt wird. Falls Metastasen bereits bestehen, ist die Prognose sehr ungünstig, da dann auf Maßnahmen wie Bestrahlung und Chemotherapie zurückgegriffen werden muß, und hierauf reagieren Melanomzellen nur sehr schwach. Diese schwache Reaktion ist wahrscheinlich darauf zurückzuführen, daß Melanomzellen bestimmte erworbene Defekte haben, die ihnen diese Resistenz vermitteln, und diese Defekte liegen sehr wahrscheinlich zumindest z. T. im Zelltodapparat der Tumorzelle.

Damit sich aus einer "normalen" Körperzelle eine Tumorzelle entwickelt, muß eine Reihe von Veränderungen zusammentreffen. Dazu gehört neben der Fähigkeit zur unlimitierten Zellteilung auch eine Resistenz gegen Zelltod. Alle Körperzellen besitzen ein eingebautes molekulares System, dessen Funktion darin besteht, die Zelle zu töten, also gewissermaßen ein Selbstmordapparat. Dieser Zellselbstmord, oft als Apoptose bezeichnet, wird in vielen Situationen benutzt, u. a. bei der Verhinderung der Tumorentstehung. Wenn in einer Zelle Veränderungen auftreten, die sie auf den Weg zur Tumorzelle bringen, dann kann der Zelltod durch Apoptose das Fortschreiten verhindern. Entsprechend findet oder vermutet man in vielen Tumoren genetische Defekte des Apoptosesystems.

Das Apoptosesystem besteht aus einer Reihe verschiedener Proteine (Eiweißmoleküle). Ein Teil der Apoptosedefekte betrifft eine Gruppe von zentralen Proteinen der Apoptose, die entweder von der Tumorzelle nicht mehr hergestellt werden oder auf andere Weise funktionsuntüchtig sind. Diese Proteine regulieren einen entscheidenden Schritt der Apoptose an den Mitochondrien der Zelle. Es ist schon seit längerem bekannt, daß Mitochondrien (Zellbestandteile, sog. Organellen, die u. a. die Energiegewinnung der Zelle steuern) auch die Apoptose entscheidend mitbestimmen. Die Arbeitsgruppe um Georg Häcker konnte zeigen, daß eines dieser Proteine unmittelbar an den Mitochondrien seine Wirkung entfaltet und so die Apoptose in Gang bringt. In diesem Projekt soll die Rolle dieses Proteins und seiner Familienmitglieder bei der Apoptoseresistenz des Melanoms des Menschen zunächst genauer analysiert werden, um Defekte in Aktivierung und Aktivität aufzudecken. Da dieser Proteinfamilie eine Schlüsselrolle bei der Apoptose zukommt, ist es von höchster Bedeutung, ihre Funktion genau zu verstehen. In diesem Projekt soll weiter ein derzeit in internationaler Erprobung befindliches Medikament eingesetzt werden, um seine Fähigkeit zu testen, in Tumorzellen aus Melanomen Apoptose zu induzieren. Das Ziel des Projektes ist es also, die molekularen Veränderungen beim Melanom so greifbar zu machen, daß sie therapeutisch angegangen werden können. Falls dies gelingt, so könnten die Therapiemöglichkeiten und damit die Aussichten für Patienten mit malignem Melanom verbessert werden.

Kontakt:
Prof. Dr. med. Georg Häcker, Technische Universität München, Tel. 089/4140 4134, Fax 089/4140 4868, E-mail: hacker@lrz.tum.de.
Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert dieses Forschungsprojekt mit über 270.000 €.
Stiftungszweck der Stiftung ist die medizinische Forschung, insbesondere Projekte im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden dabei insgesamt über 160 Mio. Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Bernhard Knappe | idw
Weitere Informationen:
http://www.wilhelm-sander-stiftung.de

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