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Vielversprechende Regulatoren des Nebennierenrinden-Karzinoms - Bone morphogenetic proteins (BMPs)

16.04.2007
Tumore der Nebenniere gehören zu den am häufigsten diagnostizierten endokrinen Tumoren. Die Prävalenz in der Bevölkerungsgruppe über 50 Jahren liegt bei mindestens 3%. Unter ihnen können sich auch bösartige Nebennierenrinden-Karzinome befinden, wobei jedes Jahr ein bis zwei neue Karzinome pro einer Millionen Einwohner auftreten.

Die Heilungsprognose der Betroffenen ist leider sehr schlecht, wobei einer der Gründe hierfür die noch immer zu geringen Kenntnisse der Entstehung dieser Tumore sind. Vor diesem Hintergrund, forscht das Team um Prof. Dr. Felix Beuschlein, in einem von der Wilhelm-Sander-Stiftung geförderten Projekt, am Einfluss verschiedener Regulatoren an der Nebennierentumorentstehung. Das langfristige Ziel ist es, neue, geeignete Angriffspunkte für eine lokale oder systemische Therapie von Nebennieren-Karzinomen ausfindig zu machen, um den klinischen Verlauf betroffener Patienten zu verbessern.

Die Nebenniere ist ein etwa 5 bis 15 g schweres paariges Organ, welches jeweils am oberen Pol der Niere gelegen ist und lebenswichtige Hormone produziert. Diese Hormone haben wesentlichen Anteil an der Regulation des Salz- und Wasserhaushaltes, des Zucker-Stoffwechsel und der Reifung und Fortpflanzung des Menschen.

Tumore der Nebenniere können infolge der Vielzahl der in der Nebenniere gebildeten Hormone zu vielfältigen Krankheitsbildern führen. Zusammengenommen gehören diese Tumore zu den am häufigsten diagnostizierten endokrinen Geschwulsten, von denen ein nicht unerheblicher Anteil mit einer hormonellen Autonomie oder Malignität assoziiert ist. Sie treten vermehrt in der vierten und fünften Lebensdekade auf, wobei die Prävalenz bei Frauen um den Faktor 1,5 erhöht ist. Trotz klinischer Fortschritte der letzten Jahre ist die Prognose von Patienten mit Nebennierenkarzinomen weiterhin ausgesprochen schlecht. Die 5-Jahresüberlebensrate liegt unter 20%. Diese schlechte Prognose ist zum Teil dadurch bedingt, dass die molekularen Ursachen der Nebennierentumorgenese nur ansatzweise verstanden sind, was gezielte - und damit effektive - Therapien gegen das Tumorwachstum verhindert.

Karzinome zeichnen sich durch vermehrte Zellteilung und übermäßiges Wachstum aus, während der natürliche Zelltod, die Apoptose, vermindert ist. Dadurch verdrängen sie zunehmend umliegendes, gesundes Gewebe und entziehen ihm wichtige Nährstoffe. Es gibt zahlreiche Faktoren, die zu diesem Ungleichgewicht führen können.

Wie wir und andere Arbeitsgruppen mittlerweile zeigen konnten, beeinflussen bestimmte Peptidhormone der TGF ß Familie (Transforming Growth Factor ß Superfamily) das Nebennieren-Tumorwachstum. Basierend auf diesen Ergebnissen stellten wir weitere Untersuchungen an und konnten in einem Vergleich von menschlichem Nebennierengewebe, eine verminderte Expression einer Untergruppe dieser Familie, den Bone Morphogenetic Proteins (BMPs) in den karzinogenen Proben nachweisen.

Die ersten Studienergebnisse lassen diese Peptide als vielversprechende Kandidaten für weitere Untersuchungen erscheinen, die nun in verschiedenen Tumormodellen in der Zellkultur und im Mausmodell getestet werden. Unsere Arbeitsgruppe möchte sich in diesem von der Sander-Stiftung geförderten Projekt verstärkt der Fragestellung widmen, welchen Einfluss die BMPs auf die Tumorgenese haben, in der Hoffnung, neue, geeignete Angriffspunkte für eine lokale oder systemische Therapie von Nebennieren-Karzinomen ausfindig zu machen, um auf lange Sicht die Lebensqualität der Patienten und den klinischen Verlauf dieser Erkrankung zu verbessern.

Kontakt:
Prof. Dr. Felix Beuschlein, München
Tel.: +49 89 5160 2110, Fax.: +49 89 5160 4467
Email: felix.beuschlein@med.uni-muenchen.de
Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert dieses Forschungsprojekt mit über 170.000 €.
Stiftungszweck der Stiftung ist die medizinische Forschung, insbesondere Projekte im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden dabei insgesamt über 160 Mio. Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Bernhard Knappe | idw
Weitere Informationen:
http://www.wilhelm-sander-stiftung.de

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